Oberaudorf – Eine Prüferin nahm die Strecke für die Zertifizierung erneut genau in Augenschein, maß Wegbreiten, kontrollierte Abstände zwischen den Sitzbänken, überprüfte ausgewiesene Behindertenparkplätze, die barrierefreie Toilette und weitere Details, die für Menschen mit Einschränkungen im Alltag entscheidend sind. Das Ergebnis bestätigt den bisherigen Anspruch: Die Zertifizierung gilt nun wieder für drei Jahre.
Ein Angebot, das mehr als
nur hübsch anzusehen ist
Damit setzt Oberaudorf ein Zeichen für einen Tourismus, der nicht bei schönen Prospekten endet, sondern sich im konkreten Angebot bewähren muss. Der Rundweg um den Luegsteinsee ist rund 700 Meter lang, mindestens zwei Meter breit und ohne Stufen oder Schwellen angelegt. In etwa einer halben Stunde lässt sich die Strecke gut bewältigen – im Rollstuhl ebenso wie mit Rollator oder Kinderwagen. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht den Wert des Angebots aus: Der See ist nicht nur ein Ort für Badegäste und Ausflügler, sondern auch für Menschen, denen Freizeit andernorts oft unnötig erschwert wird.
Hinzu kommt, dass am Luegsteinsee auch das barrierefreie Baden längst mehr ist als ein gut gemeintes Zusatzangebot. Die entsprechende Zertifizierung läuft noch bis Oktober 2026, danach steht auch hier die nächste Re-Zertifizierung an. Bereits jetzt aber verfügt der See über eine Ausstattung, die in Bayern alles andere als selbstverständlich ist: Eine neun Meter lange Rampe führt direkt ins Wasser, zwei Strandrollstühle mit seitlichen Schwimmkissen können gegen ein Pfand kostenlos genutzt werden, dazu kommen ein barrierefreies Umkleidehäuschen, stufenlose Zugänge, barrierefreie Toiletten und zwei ausgewiesene Behindertenparkplätze. Menschen mit Behinderung erhalten damit nicht nur theoretisch Zugang zum See, sondern praktisch und würdevoll.
Nur wenige Minuten vom Ortszentrum entfernt, am Fuß einer Felswand gelegen, verbindet das Gelände des Luegsteinsees Naturerlebnis mit einer Infrastruktur, die unterschiedliche Bedürfnisse ernst nimmt. Der Eintritt ist frei, es gibt große Liegewiesen, ruhige Bereiche zum Entspannen, aber auch Angebote für Familien und sportlich Aktive – von der Wasserrutsche bis zur Freestyle-Schanze. Für ältere Menschen sind es die schattigen Liegeflächen, die sanften Übergänge und die gut begehbaren Wege, die den Aufenthalt erleichtern; für Familien mit kleinen Kindern wiederum die Übersichtlichkeit des Geländes und die kindgerechten Bereiche.
In Oberaudorf sieht man darin seit Jahren keinen Nebenaspekt, sondern einen Teil kommunaler Qualität. Schon 2024 war die Gemeinde für ihr barrierefreies Tourismusangebot am Lueg-steinsee im Rahmen einer Feierstunde im Bayerischen Staatsministerium ausgezeichnet worden. Damals betonte Martina Schweinsteiger, Leiterin der Tourist-Information, wie wichtig das bundesweit einheitliche Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ für Gäste mit Behinderungen oder Mobilitätseinschränkungen sei. Die damalige Auszeichnung verstand die Gemeinde als Bestätigung – und offenbar auch als Auftrag, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.
Barrierefreiheit ist hier
einfach selbstverständlich
Die erneute Zertifizierung des Rundwegs zeigt nun, dass aus einem einmaligen Projekt ein verlässliches Angebot geworden ist. Gerade darin liegt die eigentliche Stärke des Luegsteinsees: Barrierefreiheit wird hier nicht als Sonderlösung verstanden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil eines Ortes, der für möglichst viele Menschen offen sein soll.
Das macht den See zu einem attraktiven Ausflugsziel für Rollstuhlfahrer, Senioren, Familien mit Kinderwagen und alle, die Erholung suchen, ohne erst Hindernisse überwinden zu müssen. Oberaudorf zeigt damit einmal mehr, dass Inklusion nicht groß verkündet werden muss, wenn sie vor Ort sichtbar gelingt. re