Elternprotest gegen höhere Kita-Gebühren wirkt

von Redaktion

In drei Kindereinrichtungen in Bad Endorf werden die Elternbeiträge angehoben. Nach heftiger Kritik der Eltern und intensiven Beratungen zwischen Gemeinde, Träger und Elternbeiräten wurde die ursprünglich geplante Erhöhung jedoch abgeschwächt.

Bad Endorf – Die Elternbeiträge in der Kita Katharina und im Kindergarten am Kirchplatz in Bad Endorf sowie im Kindergarten Glühwürmchen in Hirnsberg steigen. Diese drei Einrichtungen gehörten zum insolventen Katharinenheimverein und wurden im September 2025 von der TGE-gTrägergesellschaft mbH für die Einrichtungen der Schwestern vom Göttlichen Erlöser übernommen. Seither sind sie unter dem Dach der Haus St. Marien gGmbH in Bad Endorf zusammengefasst.

Gebührenerhöhung
schon 2025 beschlossen

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens war dem Gemeinderat im Juli 2025 der Haushaltsplan mit Gebührentabelle für die drei Kindereinrichtungen vorgelegt und mehrheitlich beschlossen worden. Demnach sollten die Elternbeiträge im Kindergarten abhängig von der Buchungszeit um 45 bis 50 Euro steigen. Für vier bis fünf Stunden wären Gebühren von 195 statt bisher 150 Euro angefallen, für sieben bis acht Stunden 245 Euro statt bisher 200 Euro – abzüglich des Zuschusses von monatlich 100 Euro.

In der Kinderkrippe waren Steigerungen zwischen 110 und 130 Euro vorgesehen. Für eine Buchungszeit von drei bis vier Stunden zahlen Eltern aktuell 220 Euro, künftig sollten es 330 Euro sein. Bei einer Buchungszeit von sieben bis acht Stunden sollten die Elternbeiträge von derzeit 320 Euro auf 450 Euro steigen. Im Unterschied zum Kindergarten gibt es den Zuschuss von 100 Euro nicht für alle Familien. Das Krippengeld wird nur bis zu einer haushaltsbezogenen Einkommensgrenze von circa 60.000 Euro pro Jahr gezahlt. Viele Familien müssen den Elternbeitrag in der Krippe also aus eigener Kraft stemmen. Spielgeld von fünf Euro und eine Essenspauschale von rund 70 Euro pro Monat kommen in der Kita noch hinzu.

Trotz der Zustimmung des Gemeinderates wurde die neue Gebührentabelle in den Kitas der Haus St. Marien gGmbH ab September 2025 noch nicht eingeführt. Der Träger wollte sich nach eigenen Angaben nach der Übernahme der Einrichtungen erst einmal einen Überblick verschaffen.

Im Februar 2026 lag dem Gemeinderat schließlich der Haushaltsplan für 2026 vor – mit dem Antrag auf die Übernahme eines Defizits von etwa 158.000 Euro und der Gebührentabelle ab 1. April. Dieses Mal rückten die Elternbeiträge stärker in den Fokus, denn der Aufschrei der Familien war groß. Sie starteten eine Petition und forderten die Marktgemeinde auf, die Erhöhung abzulehnen und mit Träger, Gemeinde und Elternschaft einen transparenten Umgang mit dem festgestellten Defizit zu ermöglichen.

Der Rat folgte dem Begehren. Der Tagesordnungspunkt wurde zwar beraten, aber eine Entscheidung vertagt. Es folgten intensive Beratungen von Gemeindeverwaltung, Elternbeiräten und der Haus St. Marien gGmbH, bei denen Planungen, Kosten und Stellenplan beleuchtet wurden. Das Ergebnis stellte Bürgermeister Alois Loferer (CSU) den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung vor: Für die Familien war ein Kompromiss gefunden worden.

Erhöhung nun
etwas moderater

Die Erhöhung der Elternbeiträge fällt etwas moderater aus. Für vier bis fünf Stunden steigen die Gebühren im Kindergarten nun von 150 auf 190 Euro, für sieben bis acht Stunden von 200 auf 240 Euro – abzüglich des Zuschusses von 100 Euro. Zum Vergleich: Im „Spatzennest“ der Gemeinde Aschau im Chiemgau zahlen Eltern etwa 20 Euro pro Monat weniger. Bei den „Hartseewichteln“ in Eggstätt sind es sogar 75 Euro oder 90 Euro weniger, und im KiFaZi in Halfing sind es etwa 30 Euro weniger.

Vergleich mit den
Nachbargemeinden

„Die Krippe ist überproportional hoch ausgelastet“, informierte Loferer. Deshalb habe die Gemeinde hier besonderen Handlungsbedarf gesehen. Die geplanten Steigerungen wurden je nach Buchungszeit um 35 bis 60 Euro gedämpft. Eine Betreuung von drei bis vier Stunden täglich kostet künftig 295 statt bisher 220 Euro. Der Elternbeitrag für sieben bis acht Stunden am Tag soll von derzeit 320 auf 415 Euro steigen. Ein Blick in die Nachbargemeinden: Im „Spatzennest“ zahlen die Eltern ähnlich hohe Gebühren – und das schon seit September 2024. Die Eltern der „Hartseewichtel“ kommen mit 100 Euro weniger aus. Sie zahlen 314,60 Euro für sieben bis acht Stunden. Im KiFaZi in Halfing fallen die Gebühren für die gleiche Betreuungszeit sogar um 141 Euro geringer aus – sie liegen bei 273 Euro.

Der Kompromiss für die Bad Endorfer Eltern erhöht das Defizit, das die Gemeinde ausgleichen muss. Es steigt im Jahr 2026 um mehr als 14.000 auf 172.288 Euro. „Die Gemeinde gibt jährlich insgesamt etwa 1,8 Millionen Euro für Kinderbetreuung aus. Das ist ein Fünftel unseres Verwaltungshaushaltes“, so Alois Loferer. In den Defizitverträgen sei keine Deckelung vorgesehen, damit die Träger die steigenden Kosten nicht über die Elternbeiträge ausgleichen und die Gemeinde steuernd eingreifen könne. „Das zeigt unser hohes Verantwortungsgefühl für die Familien in unserer Gemeinde, die wir nicht über Gebühr belasten wollen“, betonte der Bürgermeister.

Gerhard Schloots (ÜWG) plädierte dafür, den Haushaltsplan der Haus St. Marien gGmbH von einem externen Unternehmen dahingehend prüfen zu lassen, ob wirklich sämtliche Fördermöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Martin Lauber (ÜWG) unterstütze diesen Vorschlag, da „ein ehrenamtlicher Gemeinderat diese komplexe Problematik gar nicht überschauen“ könne. Helmut Fleidl (ÜWG) hat sich für ein kommunalpolitisches Seminar der Hanns-Seidl-Stiftung für Gemeinderäte angemeldet. Bei künftigen Debatten über Kita-Haushaltspläne wird er gewappnet sein.

Josef Forstner (CSU) sprach sich dafür aus, den Beschluss vom Juli 2025 umzusetzen, auch wenn „eine Erhöhung weh tut“. Die Kindergartengebühren seien nicht zu hoch. Und ob ein Kind eine Krippe besuche, könne jede Familie selbst entscheiden.

Der Gemeinderat stimmte dem Haushaltsplan der Haus St. Marien gGmbH für 2026 mit der neuen Gebührentabelle und dem Stellenplan mit 15:2 Stimmen zu. Außerdem soll eine jährliche harmonische Anpassung der Elternbeiträge zu Beginn eines Betreuungsjahres erfolgen. In die entsprechenden Beratungen sollen Eltern und Gemeinde vom Träger frühzeitig einbezogen werden.

Der Rechnungsprüfungsausschuss des Gemeinderates wurde einstimmig beauftragt, den Haushaltsplan noch einmal von einer auf Kitas spezialisierten Beratungsgesellschaft prüfen zu lassen.

Partner sind enger
zusammengerückt

„Wir sind sehr froh über diese Entscheidung“, reagiert Anja Müller, Pressesprecherin der TGE-gTrägergesellschaft mbH, auf die Nachricht. Und auch die Eltern, die die Gemeinderatssitzung verfolgten, gingen mit einem guten Gefühl nach Hause. Ihr Engagement hat sich doppelt gelohnt: Die Elternbeiträge werden moderater erhöht. Elternbeiräte, neuer Träger und Gemeinde sind enger zusammengerückt. „Für dieses konstruktive Miteinander sind wir sehr dankbar“, so Anja Müller.

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