Verliebte Bänkerin veruntreut halbe Million

von Redaktion

Eine 62-jährige Bankangestellte muss sich wegen Untreue vor Gericht verantworten. Sie hat mehrfach ohne Autorisierung Geld vom Konto eines Kunden aus Albaching ins Ausland überwiesen. Insgesamt handelt es sich um eine Summe von über 430.000 Euro.

Albaching/Ebersberg – Es ist ihre unerbittliche Sehnsucht nach Zuneigung, die eine 62-jährige Frau jetzt auf die Anklagebank des Amtsgerichts Ebersberg gebracht hat.

Dort muss sich die gebürtige Pfaffingerin (Kreis Rosenheim) an diesem trüben Aprilmorgen wegen Untreue verantworten. Denn für ihre vermeintlich große Liebe missbrauchte sie ihre Position als Vermögensberaterin in einer Ebersberger Bank – und brachte einen ihrer Kunden um knapp eine halbe Million Euro.

Laut Anklage überwies die Bankberaterin dank einer Vermögensverfügung über mehrere Monate hinweg Geld vom Konto eines 87-jährigen Kunden ins Ausland. Insgesamt belief sich der Betrag an unautorisierten Überweisungen auf über 430.000 Euro, rechnet der betroffene Rentner jetzt vor Gericht vor. Bereits seit mehreren Jahrzehnten sei er Kunde bei der HypoVereinsbank in der Ebersberger Innenstadt. Zur Angeklagten habe er stets ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. „Sie war mir sehr sympathisch und hat immer alles bestens für mich erledigt“, betont der Mann aus Albaching (Kreis Rosenheim). So habe er der Frau sogar unterschriebene Blankoschecks anvertraut, damit sie für ihn dringende Überweisungen tätigt, wenn er sich gerade im Urlaub befindet.

„Ich habe ihr hundertprozentig vertraut“, betont der Rentner. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Denn unter anderem mit eben diesen Schecks schob die Bankberaterin sein Vermögen auf Konten in den USA und Großbritannien.

„Ich wollte doch niemandem schaden. Ich war in einer Blase. Ich war verliebt“, schluchzt die Frau jetzt weinend eine Entschuldigung von der Anklagebank. Das Geld, so beteuert sie unter Tränen, habe sie nie für sich behalten wollen. Im Gegenteil: „Ich wollte doch nur dem Karl helfen.“

„Karl Brahms“, ein gut aussehender, weißhaariger Mann, Ende 50, Exporthändler, mit einem Faible für Skifahren und Helicopter. So offenbarte sich zumindest die vermeintlich große Liebe der 62-Jährigen auf einem Online-Datingportal. Wie sich im Nachhinein herausstellt: ein Liebesbetrüger. „Ich habe mich einsam gefühlt. Er war sehr eloquent und hat beteuert, dass er mich liebt“, erinnert sich die Angeklagte.

Entsprechend naiv reagierte sie, als „Karl“ sie eines Tages um rund 80.000 Euro bittet. In den Niederlanden, so erzählte er es in Chatnachrichten, stecke seine Ware im Zoll fest. Mit dem Geld müsse er Gebühren bezahlen. Da die Angeklagte selbst nicht über eine so hohe Summe verfügte, wandte sie sich an ihren langjährigen, vertrauten Kunden. Mit dem Einverständnis des gutgläubigen 87-jährigen Albachingers überwies sie schließlich den Betrag – und in den folgenden Monaten weitere fünfstellige Summen. „Er hatte ja immer wieder finanzielle Probleme“, erklärt die Bankberaterin ihre liebesbedingten Taten. Von diesen weiteren Überweisungen habe allerdings der Rentner erst durch seine Kontoauszüge erfahren. Einen Teil des Geldes hat der 87-Jährige aber glücklicherweise bereits von der Bank erstattet bekommen. Den Rest, rund 71.000 Euro, muss ihm die Bankberaterin via Wertersatz zurückzahlen. So legt es Richter Frank Gellhaus fest. Zudem erhält die Bankberaterin eine eineinhalbjährige Bewährungsstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig.

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