Ehrung zum 100-jährigen Jubiläum durch den Bayerischen Fußballverband (BFV): (von links) Vorstand Udo Verbega, Vorstand Günther Edlmann, Michael Baumann und Carmen Jutta Gardill vom BFV, Vorstand Eric Löffelmann und Fußballabteilungsleiter Sebastian Reinthaler. Fotos Heistracher
Kirchensur – „Wir Menschen brauchen Feste“ – damit leitete Pfarrer Mario Friedl den Gottesdienst zum Festtag „100 Jahre TSV Schnaitsee“ ein. Und damit sprach er dem Jubelverein aus der Seele. Mit Stolz und großer Vorfreude blickt der ganze Verein auf das große Jubiläumsfest im Juli. Schnaitsee und Umgebung sollen auf den Beinen sein, wenn an den unterschiedlichen Festtagen gefeiert wird.
In der Predigt Bezug
auf Sport genommen
Mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der festlich geschmückten Pfarrkirche begann der Festtag. Die Vereinsfarben Rot-Weiß dominierten den Kirchenschmuck ebenso wie die Kleidung der vielen Besucher. In seiner Predigt nahm Mario Friedl immer wieder auch Bezug zum Sport und was es heißt, sich sportlich zu verhalten. Einige Kinder vom TSV Schnaitsee trugen im Anschluss die Fürbitten vor, in denen auch den Gründern des Vereins und den früheren Verantwortlichen gedankt wurde. Man gedachte auch all der verstorbenen Mitgliedern des Vereins und hier besonders des kürzlich verstorbenen Ufo Unterforsthuber, der so gerne noch dieses Fest miterlebt hätte.
Offizieller Rahmen
für die Ehrengäste
Angeführt von der Vereinsfahne ging es nach dem Festgottesdienst zum Vereinswirt Taverna Ägäis, wo Vorstand Eric Löffelmann alle Ehrengäste und Gäste im vollen Wirtssaal nochmals herzlich begrüßte. In einer kurzen Ansprache berichtete er über die Diskussionen im Verein, ob denn ein großes Fest überhaupt möglich sei. Eine große Feier heiße zunächst viel Arbeit. „Wollen wir das?“, war eine oft gestellte Frage. „Ja, wir wollen das“, bekräftigte Eric Löffelmann nun, „100 Jahre Vereinsjubiläum sind so cool, das muss gefeiert werden“. Mit dem Festsonntag wolle man einen offiziellen Rahmen für die Ehrengäste von den Verbänden schaffen und auch die Festschrift erstmals vorstellen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen zeigte sich Bürgermeister Thomas Schmidinger immer noch erfreut, dass er das Amt des Schirmherrn übernehmen durfte. Und tatsächlich hatte er von den Verantwortlichen vor Wochen einen großen Schirm erhalten, den er auf dem Weg von der Kirche zum Wirt schon gut gebrauchen konnte.
In seiner Rede stellte er den mitgliederstärksten Verein in der Gemeinde lobend vor, der mit seinen gut 1.500 Mitgliedern schon fast ein kleines Unternehmen ist. Als ehemaliger TSV-Fußballer hob er auch die Mannschaftssportarten besonders hervor. „Man verliert gemeinsam, man gewinnt gemeinsam. Und man gewinnt meist dann, wenn man aus Niederlagen lernt“, berichtete das Gemeindeoberhaupt aus seiner aktiven Zeit. Beim Übergang zum nächsten Redner stellte Thomas Schmidinger auch fest: „Wir haben beim TSV Schnaitsee schon Tore geschossen, da gab es den Ort Traunreut noch gar nicht“. Dem konnte der ehemalige Bürgermeister von Traunreut, Franz Parzinger, nur entgegnen, dass der TuS Traunreut immerhin älter ist als die Gemeinde Traunreut. Franz Parzinger war in seiner Funktion als Kreisvorsitzender vom Bayerischen Landessportverband nach Schnaitsee gekommen, um dem TSV mit einer großen Ehrenurkunde zum Jubiläum zu gratulieren. Zudem dankte er allen ehrenamtlich engagierten im Verein. Ohne Ehrenamt gäbe es fast nirgends ein Sportangebot. Und er bat alle Mitglieder, die Vereinsverantwortlichen zu unterstützen, gerade im arbeitsreichen Festjahr. Den Gratulationen schlossen sich dann auch Carmen Jutta Gardill und Michael Baumann vom Bayerischen Fußballverband an. „Im Kreis Inn-Salzach gibt es 213 Vereine, aber heuer können nur zwei Vereine ihr 100-jähriges Jubiläum feiern – das ist schon cool“ meinte Michael Baumann, der neben einer Urkunde auch ein paar Geschenke mitbrachte.
Nach einer kurzen Pause stellten Mane Heistracher und Thomas Schachner dann die lang erwartete Festschrift vor. „Just in Time und druckfrisch wie eine warme Bäckersemmel“ kann nun endlich darin geblättert werden.
Vereinsvermögen
verzecht
Verantwortlich für den historischen Teil sind Marius und Fabian Schmidinger, die sich von Berlin aus in mehr als einjähriger Arbeit durch Archive, Unterlagen und Fotoalben wühlten.
Den aktuellen Teil mit den Berichten aus den Abteilungen organisierte Florian Jellbauer mit den jeweiligen Abteilungsleitern. „100 Jahre TSV – 100 Jahre Geschichte und Geschichten“ war das Motto der beiden Redner, die launig von bemerkenswerten Ereignissen und Anekdoten berichteten. Ähnlich wie beim großen FC Bayern gibt es auch beim TSV Schnaitsee Wurzeln zum MTV 1879 München. Das war den meisten Gästen unbekannt. Auch dass der TSV Schnaitsee vor 1946 zunächst nur Sportverein Schnaitsee, dann DJK Schnaitsee hieß, war nicht wirklich bekannt.
Bei den Anekdoten nicht fehlen durfte die Geschichte, als die Vereinsverantwortlichen 1954 nach dem Gewinn der Nationalelf bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz vor lauter Freude das Vereinsvermögen verzechten. Im Anschluss war der Verein pleite und wurde für zwei Jahre vom Sportbetrieb ausgeschlossen. Gänzlich unbekannt war den meisten auch, dass die Eishockeyabteilung des TSV Trostberg von Schnaitseern gegründet und etliche Jahre geprägt wurde. Emotional wurde es, als die Familie Verbega für ihr herausragendes Engagement gelobt wurde. In drei Generationen stellte die sportbegeisterte Familie fast 50 Jahre den Vorstand im TSV – da brandete ein Sonderapplaus auf.
Einen solchen gab es auch für Annelies Reindl, die als erstes weibliches Mitglied beim TSV geführt ist und spontan für ihre 70-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Mit Verweisen auf viele weitere Anekdoten und Fakten konnten Mane Heistracher und Thomas Schachner großes Interesse erzeugen, der Verkauf lief am Ende der Veranstaltung bestens.
Mit Kaffee und Kuchen bei Live-Musik von der „Glääsamgeingmusi“ klang der Nachmittag spät aus. Der Start ins Festjahr vom TSV Schnaitsee war mehr als geglückt.