Stephanskirchen – Nicht nur der Blick auf die Zapfsäule beschert Autofahrern Sorgenfalten auf der Stirn. Auch beim Thema Heizen stellen sich zahlreiche Bürger die Frage: Wie soll das noch weitergehen? Insbesondere die Preise für fossile Brennstoffe wie Gas und Öl gehen durch die Decke. Zahlreiche Kommunen beschäftigen sich deshalb schon jetzt und damit vor Ablauf der gesetzlichen Frist (30. Juni 2028) mit der Wärmeplanung. So auch Stephanskirchen. Bereits im Juli 2025 beauftragte die Gemeinde das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) mit der Erstellung eines Konzepts. Das Unternehmen gab nun Einblicke in den bisherigen Stand der Dinge.
Knapp ein Drittel der
Haushalte heizt mit Öl
Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte Adrian Hausner die bisherigen Ergebnisse. „Wir haben die letzten Monate Gas gegeben“, so Hausner. Dafür habe das INEV zunächst den Wärmebedarf ermittelt. Also: Wo wird im Gemeindegebiet am geballtesten geheizt? Und wo stehen welche Häuser und von welchen Energieträgern werden sie versorgt? Hausner erklärte, dass zwischen Schloßberg und Haidholzen der größte Bedarf bestehe, da dort die Besiedelung am dichtesten sei.
Die Analyse ergab, dass 57 Prozent der untersuchten beheizten Gebäude private Haushalte sind, 32 Prozent entfallen auf industrielle Bauten.
Am meisten geheizt wird in der Gemeinde nach wie vor mit Heizöl: Rund 30 Prozent der Haushalte sind auf den fossilen Brennstoff angewiesen. 16,4 Prozent der Haushalte heizen mit Gas, 16,3 Prozent mit Biomasse, sprich mit Pellets, Hackschnitzeln oder Scheitholz.
Hausner erklärte, dass auch das Potenzial für die Heizung der Zukunft betrachtet wurde: Wo ist Oberflächen- oder Solarthermie beziehungsweise Photovoltaik möglich, wo Biogas, und wo empfehlen sich eher Wärmepumpen? „50 Prozent der Gebäude wären uneingeschränkt für Wärmepumpen geeignet“, so Hausner. Denn zahlreiche Wohngebäude in der Gemeinde seien sanierungsbedürftig. Um die angepeilte Klimaneutralität zu erreichen, müssten bis 2045 rund 40 Gebäude pro Jahr saniert und heizungstechnisch aufgerüstet werden. „Sehr ambitioniert, aber machbar“, meinte der Experte.
Gleichzeitig sei auch das Potenzial für Wärmenetze geprüft worden. Dabei handele es sich oft um private Betreiber, die ganze Straßen, Viertel oder gar Ortsteile versorgen können. Auch die bereits vorhandenen Wärmenetze, betrieben von Konrad Bixner und Hans Hamberger, wurden betrachtet und auf eine mögliche Erweiterung geprüft.
Dass das Thema viele Stephanskirchener interessiert, hat sich bereits bei der Infoveranstaltung Ende Februar im Rathaus gezeigt: Rund 100 Bürger erschienen zu dem Infoabend, darunter auch die Nahwärmenetzbetreiber, die dort ihr Interesse an einem möglichen Ausbau signalisiert hätten, fasste Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) abschließend zusammen.
Auch wenn es sich um eine Bekanntgabe handelte und dementsprechend kein Beschluss gefasst wurde, hatten die Gemeinderäte die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Günther Juraschek (CSU) wollte wissen, wie sehr die aktuelle Überarbeitung des Heizungsgesetzes durch die Bundesregierung die kommunale Wärmeplanung beeinflusst. Hausner erklärte, dass diese durchaus für Unsicherheit sorge.
Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 soll zwar weiter verfolgt werden, allerdings wolle die Große Koalition den Anteil an erneuerbaren Energien, der dafür eingesetzt werden soll, von 65 auf zehn Prozent senken. „Wie die Klimaziele dann erreicht werden sollen, ist mir ein Rätsel“, meinte Hausner. Für ihn sei dies ein klarer Rückschritt. Auch bezüglich der Kosten. Denn nach der Auffassung mancher Verbraucher und auch Politiker, etwa Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, seien die Klimaziele infrage zu stellen, unter anderem, weil sie zu teuer seien.
Reiche setzte sich jüngst unter anderem für Fracking, die heimische Gasförderung, ein. „Wenn man sich die aktuelle Lage anschaut, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die fossilen Brennstoffe in Zukunft günstiger werden“, fand Hausner.
Machbarkeitsstudie
der nächste Schritt
Stephan Mayer (Parteifreie Bürger) hielt die Ergebnisse des Konzepts für gut. „Aber wie lässt es sich umsetzen?“ Hausner erläuterte, dass das Interesse der Leute abgefragt werden muss. Der nächste Schritt wäre also eine sogenannte Machbarkeitsstudie, um Zahlen und Fakten zu schaffen.
Aber auch der Dialog mit den Betreibern bereits vorhandener Nahwärmenetze stehe nun im Fokus, ergänzte Brigitte Weber, Verwaltungsmitarbeiterin für den Sachbereich Mobilität und Klimaschutz.