Bad Endorf – „Das wird doch nie was“, prophezeiten Pessimisten, als Wolfgang Kirner und Helmut Fleidl den Bad Endorfer Markt neu beleben wollten. Am Kirchplatz und in der Schulstraße war das einstige Treiben längst am Einschlafen. Doch die Tradition, die in Mauerkirchen mit dem größten Viehmarkt Bayerns einst ihren Anfang genommen hatte, sollte nicht einfach verschwinden. „Also gab es nur zwei Möglichkeiten: Es hinzunehmen und sich darüber zu ärgern, dass nichts mehr los ist – oder selbst anzupacken und etwas Neues auf die Beine zu stellen“, sagt Wolfgang Kirner.
Menschen begeistern
und mitziehen
Nach Jahrzehnten in Vereinen und der Kommunalpolitik wusste er genau, wie man Menschen mit guten Ideen begeistert und mitzieht. So hatte er beispielsweise schon den Bau des Trachtenheims sowie die Gründung der Blaskapelle „D‘Bachecker“ und des Theatervereins Hirnsberg initiiert. In Helmut Fleidl, seinem Spezl im Privatleben und Gemeinderat, fand er den idealen Mitstreiter – erfahren in der Organisation von Dorffesten und Weihnachtsmärkten. „Ich habe viele Ideen, Wolfi hat die Kontakte – das war die perfekte Konstellation“, sagt Fleidl lachend.
Gemeinsam entwickelten sie die Idee, die Marktsonntage in die Hauptgeschäftsstraße von Bad Endorf zu verlegen, zusammen mit den Vereinen ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie auf die Beine zu stellen und auch die Geschäftsleute mit einem verkaufsoffenen Sonntag einzubinden. Im Rathaus stieß das Vorhaben zunächst auf wenig Begeisterung.
Erst mit der Wahl von Alois Loferer zum Bürgermeister im Jahr 2020 war der Weg für ihre Initiative frei. „Es war höchste Zeit, den Markt aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien und das Markttreiben mit dem verkaufsoffenen Sonntag in der Bahnhofstraße zusammenzuführen“, sagt Bürgermeister Alois Loferer. „Deshalb stand es außer Frage, die Idee umzusetzen.“
Und so stellten Wolfgang Kirner und Helmut Fleidl mit Vereinen, Tourist-Info und Gemeindeverwaltung zwei Marktsonntage auf die Beine, die von Anfang an ein voller Erfolg waren. Seit 2022 säumen am ersten Sonntag im Mai und im Oktober rund 90 Marktstände die Bahnhofstraße. Vereine aus Bad Endorf und externe Händler sorgen von 10 bis 17 Uhr für ein vielfältiges Angebot – von kulinarischen Spezialitäten über traditionelles Handwerk und regionale Produkte bis hin zu praktischen Alltagswaren.
Ab 11 Uhr spielt traditionell auf der Bühne vor dem Rathaus die Musik. Am 3. Mai sorgen die Musikkapellen Bad Endorf und „Bachecker Blech“ Hirnsberg-Pietzing, die Jugendblaskapelle, die Schüler der Musiklehrervereinigung, die Vogtareuther Musi und das Musikduo „musicmadewithlove“ für Stimmung.
Mit Kinderkarussell und Schiffschaukel, Hüpfburg und Bungee-Jumping sowie einem Kinderprogramm gibt es Angebote für die kleinen Besucher. Fürs leibliche Wohl ist an den Ständen entlang der Bahnhofstraße, in Bad Endorfer Cafés und Restaurants sowie mit einem Kuchenverkauf im Pfarrheim gesorgt. Damit alle Besucher Platz finden, stellt die Rosenheimer Brauerei Auerbräu kostenlose Biertischgarnituren zur Verfügung. „Ohne diese überragende Unterstützung wäre vieles nicht möglich“, betont Helmut Fleidl dankbar.
Zu einer guten Tradition der Marktsonntage ist inzwischen auch das Stockschützenturnier geworden, das mit 18 Mannschaften einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnet. Auch die Oldtimerfreunde Höslwang sind ein fester Bestandteil des Programms. „Für ihre große Ausstellung am Busbahnhof bringen sie jedes Mal neue Highlights mit – etwa einen uralten, holzbefeuerten Bulldog, in diesem Jahr einen Mini-Lanz-Bulldog“, kündigt Wolfgang Kirner an.
„An den Marktsonntagen kommt die ganze Region zu uns“, freut sich Helmut Fleidl über die große Resonanz. Dann tummeln sich auf den 800 Metern zwischen Kirche und Wiebel-Park etwa 15.000 Besucher – und auch das Geschäft der Einzelhändler brummt. Laut einer Umfrage des Gewerbevereins machen sie an den beiden verkaufsoffenen Sonntagen einen Rekordumsatz – manche Geschäfte sogar mehr als im gesamten restlichen Jahr.
Die Marktsonntage haben sich längst etabliert. „Dass die Idee so gut funktioniert und der Endorfer Markt innerhalb kurzer Zeit eine echte regionale Marke geworden ist, freut mich ganz besonders“, betont der Bürgermeister. Wolfgang Kirner ist besonders glücklich, weil „sie aus der Tradition heraus wieder zu einem gesellschaftlichen Ereignis geworden sind und unsere Marktgemeinde mit ihren Vereinen sichtbar machen.“
„Vor allem aber sind sie ein Fest der Gemeinschaft – und das nicht nur am Veranstaltungstag, sondern bereits in der Vorbereitung“, sagt Helmut Fleidl und beschreibt, mit wie viel Herzblut sich beispielsweise die Mitstreiter der Vereine, die Mitarbeiter des Bauhofs oder Florian Reitmair und Petra Wolfert vom Ordnungsamt engagieren.
Selbst die Sicherheitstechnik für die Sperrung der Bahnhofstraße und einen reibungslosen Markt ist „made in Bad Endorf“. Entwickelt wurde sie von Wolfgang Kirner in seinem Metallbaubetrieb. Die Firma hat er inzwischen an seinen Nachfolger übergeben. Und auch für den Marktgemeinderat kandidierte der 67-jährige Zweite Bürgermeister nicht noch einmal. „Nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik möchte ich Verantwortung abgeben, in die zweite Reihe treten und es jüngeren Leuten ermöglichen, sich einzubringen“, sagt er. Kirner möchte künftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, aber auch weiterhin helfen, wenn er gebraucht wird.
„Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt sein Spezl Helmut Fleidl (67) mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Denn es ist eine Zäsur. Die Zusammenarbeit mit Wolfi hat einfach Spaß gemacht.“
Die Pessimisten haben sich geirrt: Aus den neuen Marktsonntagen in Bad Endorf sind echte Besuchermagneten geworden. Doch aufgebaut sei solch ein Angebot schnell, sagen die beiden „Anschieber“ bescheiden. Nun komme es darauf an, die Veranstaltung kontinuierlich weiterzuentwickeln, um die Besucher immer wieder mit neuen Attraktionen zu überraschen.
Talkrunden mit Bad
Endorfer Spitzensportlern
Am 3. Mai ist es die Bühnenshow, die begeistern wird, denn dieses Mal präsentiert sich Bad Endorf von seiner sportlichen Seite. Nach dem Medaillenregen bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina 2026 haben Wolfgang Kirner und Helmut Fleidl erfolgreiche Wintersportler der Bundespolizeisportschule Bad Endorf eingeladen. Dabei sein werden Jörn Wenzel (Bob, Olympiasieger 2026), Daniela Maier (Skicross, Olympiasiegerin 2026), Hannah Neise (Skeleton, Olympiasiegerin 2022), Felix Loch (Rodeln, mehrfacher Olympiasieger und aktuell Gesamtweltcup-Sieger), Maira Jasch (Eisschnelllauf, Olympia-Teilnehmerin 2026), Felix Hoffmann (Skispringen, Olympia-Teilnehmer 2026), Luca Roth (Skispringen) und Johanna Puff (Biathlon, Europameisterin). In Talkrunden mit OVB-Sportredakteur Thomas Neumeier geben sie um 12 und 15 Uhr spannende Einblicke in den Bad Endorfer Spitzensport, präsentieren ihren Sieger-Viererbob und geben Autogramme.