Oberaudorf/Kiefersfelden – „Schön, dass ihr Landratten den Weg auf unsere Insel in der Luegstein Bay gefunden habt.“ Mit diesen Worten begrüßte die Piratencrew der Heimatbühne Kiefersfelden das Publikum. Anlass war das Krimidinner mit einer verflixt verzwickten Schatzsuche in vier Akten. Ort des Geschehens, der Ochsenwirt in Oberaudorf. Die Darbietung eine Uraufführung von „Holzbein-Ricos letztem Geheimnis“. Das Interesse des Publikums: gigantisch.
Alle sieben Aufführungen bereits im Vorfeld ausverkauft. Und nach der Uraufführung des Stückes, verfasst von den Urgesteinen der Kieferer Heimatbühne, Monika und Arno Keiler, war klar: „Wohl dem, der Eintrittskarten erbeutet hat.“ Denn das Stück ist ein Schmankerl, ganz zu schweigen vom Fünf-Gänge-Menü des Ochsenwirts, serviert zwischen den Akten.
Zum Stück: Wir befinden uns auf einer kleinen Insel mitten im karibischen Piratengebiet, irgendwo um das Jahr 1740. Der legendäre und gefürchtete Pirat Holzbein-Rico wurde vor einigen Wochen tot vor der Taverne aufgefunden. In seinem Holzbein fand man eine kryptische Karte. Gerüchten zufolge hatte er nie etwas von seinem erbeuteten Reichtum ausgegeben. So wartet also irgendwo ein gewaltiger Schatz darauf, geborgen zu werden.
Doch das ist nicht das einzige Rätsel. Die schreckliche Piratin Totenkopf-Josy will den Tod ihres Vaters rächen. Doch wer war der Mörder? Die ganze Insel zittert vor Angst. Skrupellos fegt die Piratin durch die Reihen, liefert sich schwere Degengefechte und sorgt für gehörig Panik.
Doch die Gier auf den vermeintlichen Schatz dominiert schnell das Geschehen. Die Schatzkarte wird eilig unter der Hand verkauft. Doch immer mehr Duplikate tauchen auf. Zudem ist sie verschlüsselt. Einem geheimnisvollen edlen Fräulein aus Jamestown scheint es zu gelingen, das Rätsel zu lösen. Oder doch nicht?
Das Publikum wird von Anfang an in die Auflösung der Geheimnisse hineingezogen. Die Gäste hatten mächtig was zu rätseln, zu kombinieren, zu buchstabieren und dann noch die bereitgelegten Schatzkarten nach einem Code zu falten. Siegesgewissheit wechselte mit Verzweiflung und dann wieder zurück. An Unterhaltung mangelte es jedenfalls nicht. Belohnt wurden die Theatergäste zwischen den Akten mit köstlichen Schlemmereien. Schließlich befand man sich beim Ochsenwirt in Oberaudorf. Da gab es den Gruß aus der Kombüse, Lucys Hafen-Suppe, geschmorten Seemannstopf, ein Piratenpfanne und eine geheimnisvolle Rumschnecke. Über Hunger klagte jedenfalls niemand. Nur fiel es schwer, sich bei soviel Gaumenfreude auf das Rätseln zu konzentrieren. Natürlich wird hier nichts verraten. Nur soviel: Nicht alles ist so, wie es scheint. Aber eines ist ganz sicher. Das Piratenstück zieht einen echt in den Bann und wird von den Akteuren der Heimatbühne prächtig gespielt.
Das wundert nicht. Wie das Autorenteam Monika und Arno Keiler unserem Reporter verriet, hatte man schon beim Verfassen für jede Rolle einen bestimmten Darsteller im Kopf. Das merkte man. Die Rollen schienen den Theaterspielern auf den Leib geschrieben. Das war auch die einhellige Meinung der Zuschauer. Sie belohnten die Akteure mit stehendem Applaus und begeisterten Zurufen. Ein herrliches Stück mit viel Abwechslung und einem köstlichen Piratengericht. Wer für die nächsten Aufführungen Karten erbeutet hat, dem sei gratuliert. roc