Polizei ermittelt nach Wilderei-Verdacht im Chiemgau

von Redaktion

Eine Serie von Wilderei-Fällen stellt die Polizei im Chiemgau vor ein Rätsel. In Eggstätt wurde ein kopfloses Reh gefunden, in Bergen tauchten zwei abgetrennte Rehköpfe sowie Innereien auf. Die Ermittler in Prien und Traunstein prüfen einen Zusammenhang und hoffen auf Zeugenhinweise.

Eggstätt – Ein toter Rehbock mit abgetrenntem Kopf. Das Bild, welches sich einem Autofahrer in Eggstätt am Morgen des 22. April bot, dürfte alles andere als ansehnlich gewesen sein. Im Straßengraben entdeckte er ein kopfloses Reh, welches offensichtlich nicht durch einen Wildunfall ums Leben gekommen war. Der Autofahrer meldete den Fund schließlich beim zuständigen Jäger, Josef Linner, der sich direkt auf den Weg zum toten Tier machte.

„Das Reh hatte eine Schussverletzung“, erklärt Linner gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Das war eindeutig gewildert.“ Der Kopf des Tieres konnte allerdings nicht mehr gefunden werden. „Ich habe mit meinem Hund noch mal gesucht, aber links und rechts der Straße sind Wiesen“, sagt Linner. „Da weiß man gar nicht, wo man überhaupt anfangen soll mit dem Suchen.“

Was ein potenzieller Täter mit dem Kopf des Rehbocks vorhabe, kann sich Linner nicht so recht erklären. „Man kann ihn als Trophäe präparieren und an die Wand hängen. Recht viel mehr kann man damit aber nicht anfangen“, sagt er.

Nicht gesucht, aber dennoch gefunden wurden hingegen gleich zwei Rehköpfe in der Gemeinde Bergen im Landkreis Traunstein. Der erste Kopf wurde laut Mitteilung der dortigen Polizei bereits am 10. April entdeckt. Der zweite Kopf tauchte dann am 20. April im unteren Bereich des Wanderwegs zwischen dem Wanderparkplatz Kalkofen und dem Hochfelln auf. Dass dieser von dem Tier stammt, welches am 22. April bei Eggstätt gefunden wurde, ist also auszuschließen. „Das ist irgendwann in der Nacht passiert“, vermutet Linner anhand des Zustands des Tiers. „Der Körper war schon steif, aber im Bauchraum war es noch leicht warm.“ Da allerdings der Kopf des toten Eggstätter Rehs bisher nirgends zu finden war, schließt die Polizei einen Zusammenhang zwischen den Wilderei-Fällen nicht aus. Zwar könne es sich natürlich um einen Zufall handeln, erklärt die zuständige Polizistin Alexandra Rieger von der Wasserschutzpolizei in Prien am Chiemsee. Einen Zusammenhang möchte man aber dennoch nicht ausschließen. Hinzu kommt, dass in der Nacht auf Sonntag, 19. April, Innereien eines Rehs an einer Hütte der Bayerischen Staatsforsten im Hochfelln-Berggebiet hinterlassen wurden.

Um dem Täter auf die Spur zu kommen, benötige die Polizei nun dringend die Mithilfe von möglichen Zeugen, erklärt Rieger. „Wer verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, etwas gesehen oder gehört hat, soll sich unbedingt melden“, appelliert Rieger. „Die Bürger sind schon aufmerksam, das darf man nicht unterschätzen.“ Linner zeigt sich hingegen weniger optimistisch. „Wenn man denjenigen nicht auf frischer Tat ertappt, wird da nichts geschehen.“

Zeugen gesucht

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