Eggstätt hat große Aufgaben zu bewältigen

von Redaktion

Bei der Bürgerversammlung in Eggstätt zog Bürgermeister Christoph Kraus Bilanz. Er stellte laufende und geplante Projekte vor und machte zugleich deutlich, vor welchen großen finanziellen und infrastrukturellen Herausforderungen die Gemeinde aktuell steht.

Eggstätt – Die Bürgerversammlung war abermals ein großer Besuchermagnet – der Saal beim Unterwirt zu Eggstätt war voll, und natürlich waren auch wieder zahlreiche Gemeinderäte sowie Vertreter von Schule, Polizei und der Verwaltung dabei. Bürgermeister Christoph Kraus gab einige statistische Zahlen aus der 3.063 Einwohner starken und 14 Ortsteile umfassenden Gemeinde am Hartsee bekannt: 50 Kinder besuchen den gemeindlichen Kindergarten „Hartseewichtel“, 47 Kinder sind im Kindergarten St. Georg und 94 Grundschüler lernen an der Grundschule. Kraus dankte allen in der Gemeinde Tätigen und allen, die sich bei der Feuerwehr, der Ambulanz, in den Vereinen oder anderweitig ehrenamtlich einbringen.

Erfolgreich realisierte
Projekte

Er blickte auf erfolgreich realisierte Projekte zurück – etwa die Barrierefreiheit der Bücherei – und dankte dem gemeindlichen Beauftragten für Menschen mit Behinderung für sein Engagement. Zudem erinnerte Kraus daran, dass der Christine-Stadler-Rundweg fertiggestellt wurde, der Birner-Garten und der Rathausplatz mit verschiedenen Maßnahmen aufgehübscht wurden sowie die ADAC-Radlstation installiert wurde.

Am Rathausplatz und am Hartseeparkplatz sollen demnächst zwei E-Ladesäulen zur Verfügung stehen. Im Rathaus schreite die Digitalisierung voran. Das Rosi-Mobil werde weiter Eggstätt bedienen, und auf dem Dach der Kläranlage unterstütze eine PV-Anlage den laufenden Betrieb. Der Bürgermeister informierte über die Pläne für einen verbesserten Brandschutz im Rathaus und in der Grundschule, die kommunale Wärmeplanung, das Car-Sharing-Projekt Mikar sowie die Beschaffung eines Gerätewagen Logistik für die Feuerwehr. Er betonte, dass der Gemeinderat bei allen Projekten sehr auf die Kosten achten müsse.

Im Zusammenleben mit dem Biber, der sich an der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und ihren Zuflüssen angesiedelt hat, gebe es einen Kompromiss, so Kraus. So gebe es an vier Stellen die Erlaubnis, dauerhaft die Biberdämme zu entfernen. Am Mühlbach in Bachham ist das einmalig erlaubt.

Kraus sprach auch den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung an, der mit dem neuen Schuljahr im September beginnt.

Nach einer Elternbefragung der künftigen Erstklässler sei deutlich geworden, dass etwa die Hälfte der Kinder eine Betreuung bis 14 Uhr und drei Kinder eine längere Betreuung an unterschiedlichen Tagen benötigen.

Auch in den Ferien bräuchte nicht einmal eine Handvoll Kinder eine Betreuung, so Kraus. Im kommenden Schuljahr könnte man sich deshalb eventuell mit der Nachbargemeinde Breitbrunn-Gstadt zusammentun und möglicherweise erst ab dem Schuljahr 2027/28 eine eigene OGTS-Langgruppe einrichten.

Das Retentionsfilterbecken in Natzing bleibt weiterhin eine große Herausforderung. Die Versickerungsleistung sei weiterhin mangelhaft, informierte Kraus. Die Verwaltung prüfe derzeit Regressansprüche gegenüber der Baufirma. Alle Schritte würden eng mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim abgestimmt.

Ein weiteres drängendes Problem ist die Sanierung der über 50 Jahre alten Hartseehalle. Die Gemeinde hat eine Förderung über das Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beantragt, wartet aber noch auf eine Rückmeldung. Ein Dauerbrenner in der Gemeinde ist die Schaffung von Bauland. Das Unterwirtsfeld ist seit 30 Jahren Thema. Problematisch bleibt die Straßensanierung: Der Ausbau von 100 Metern Straße koste mit Entsorgung, Unterbau, Entwässerung, Beleuchtung und Neuaufbau etwa 300.000 Euro, machte Kraus klar.

Geschäftsleiter Johannes Halser gab einen Einblick in den Haushalt der Gemeinde mit einem Gesamtvolumen von 7,4 Millionen Euro. Rund 4,8 Millionen Euro seien an Steuereinnahmen zu erwarten. Die hohen Ausgaben – angefangen bei der Kreisumlage, über Personalkosten und laufende Ausgaben bis zu geplanten Investitionen – fordern stringente Sparsamkeit. Halser: „Die Gemeinde muss sich auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren.“

Vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass die Gemeinde Eggstätt ein Bußgeld in Höhe von 23.000 Euro zahlen musste. Das war fällig geworden, weil Eggstätt keine wasserrechtliche Genehmigung hatte, um Niederschläge über die Kanalisation in öffentliche Gewässer einleiten zu dürfen. Rupert Reichthalhammer vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Engelsberg gab bei der Bürgerversammlung einen Einblick in die Entwässerungsproblematik.

Topografischen
Bestand erfasst

Reichthalhammer machte darauf aufmerksam, dass das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim die Gemeinde Eggstätt in den vergangenen Jahren mehrfach aufgefordert habe, abgelaufene oder fehlende Genehmigungen neu zu beantragen.

Im September 2025 schließlich wurde sein Büro damit beauftragt, das nachzuholen. Dafür wurde unter anderem der topografische Bestand erfasst. Der Gemeinderat habe einer Kanalreinigung und TV-Befahrung im Bereich Einleitstelle Hofsee zugestimmt, die demnächst erfolge.

Erst danach könne das weitere Vorgehen zur Vorreinigung von belasteten Regenwetterabflüssen geplant und eine wasserrechtliche Erlaubnis zur Einleitung von Niederschlagswasser beim Wasserwirtschaftsamt beantragt werden.

Artikel 2 von 11