Aschau im Chiemgau – Dass die Almwirtschaft den Almbauern am Herzen liegt, zeigte sich auf der sehr gut besuchten Jahresversammlung der Bezirksalmbauernschaft. Mitglieder des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), Jungbäuerinnen und Jungbauern, Almpersonal sowie die stellvertretenden Bürgermeister aus Aschau und Bernau waren der Einladung von Bezirksalmbauer Jakob Müller gefolgt.
Rechtssicherheit zum Wolf fehlt noch immer
Müller machte keine großen Worte: Alles sei „gut gelaufen und das Vieh gesund heruntergekommen“. AVO-Vorsitzender Sepp Glatt fasste ebenfalls kurz und bündig die Aktivitäten des vergangenen Jahres zusammen. Insbesondere erwähnte er den Wolf. Es fehle nach wie vor Rechtssicherheit: „Da müssen wir dranbleiben.“ Deutlich machte er ebenso, dass die Beweidung, auch auf Almen, erhalten bleiben müsse. Gemeinsam, auch mit anderen Bundesländern, müsse man sich auf allen Ebenen stark machen: „Die in Brüssel haben manchmal besseres Verständnis für uns und mehr Know-how.“
Einblicke in aktive Arbeit
der Almbauern
Geschäftsführerin Brigitte Meier warb um rege Teilnahme an der 32. Internationalen Almwirtschaftstagung Ende Juni in Saalfelden am Steinernen Meer, der Hauptalmbegehung am 5. August am Schönberg in Lenggries und am Almbauerntag im Oktober. Des Weiteren bat sie, den Almbestoß so schnell wie möglich zu melden. Dabei geht es um die Zahl der aufgetriebenen Tiere pro Alm oder pro Hektar Almfläche.
Almfachberater Christian Tegethoff vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim ging auf praktische Dinge ein, seien es Bewilligungen beispielsweise für Zäune oder der Alpenweide-Viehverkehr. Auch für den grenzüberschreitenden Auftrieb und Abtrieb von Nutztieren braucht es eine Genehmigung, die einen Monat vorher einzuholen ist. Er ging auch auf die Öko-Regelung 5 ein, die eine ergebnisorientierte extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen zum Ziel hat. Mindestens vier Kennarten sollten auf der Fläche möglichst auch in größerer Anzahl vorkommen und mittels Fotos nachgewiesen werden. „Die Kennarten bleiben“, sagte Tegethoff. „Es blüht schon einiges, wie Wundklee oder Frauenmantel.“ Auch warb er dafür, die Almwirtschaft präsenter zu machen – beispielsweise durch Almschwendaktionen.
Diplom-Biologin Christiane Mayr vom Landschaftspflegeverband stellte in einem Vortrag den „Artenreichtum auf den Almweiden“ vor. Dieser Artenreichtum stehe für Vielfalt an Lebensräumen wie Magerrasen, Moore, artenreiches Extensivgrünland. Er beziehe sich aber auch auf die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten und auf letzte Rückzugsräume für gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten. Für Raunen sorgte ihr Satz: „Mehr als 95 Prozent der europaweit besonders gefährdeten Trocken-und Magerstandorte befinden sich in der Almregion der Landkreise Rosenheim, Berchtesgadener Land, Traunstein und Miesbach.“
Beweidung ist wichtig
für Artenvielfalt
Für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Almen brauche es eine regelmäßige und gründliche Beweidung: „Sonst drohen Grasfilzbildung und Verbuschung“, betonte sie. Dafür seien ein angemessener Bestoß, almeigener Dünger, regelmäßige Schwendmaßnahmen und der Schutz und Erhalt von Tümpeln für Amphibien wie die Gelbbauchunke erforderlich.
Der Landschaftspflegeverband habe in den vergangenen Jahren mit den Almbewirtschaftern zusammengearbeitet, aber man könne auch in Eigenregie viel erreichen. Sie riet dazu, einzelne Dornsträucher wie Wildrosen oder Berberitzen in der Lichtweide zu belassen, da sie dem Neuntöter als Nistplatz und Sitzwarte dienen. Oder eben auch einzelne Disteln stehen zu lassen: „Die sind wichtige Nahrungsquellen für Insekten, insbesondere die allseits hochbedrohten Wildbienen.“ Mit dem Erhalt oder dem Anlegen von Steinwällen und Steinhaufen schaffe man Verstecke oder Sonnenplätze für Reptilien wie Schlingnatter, Kreuzotter und Zauneidechse.
Aschaus Zweiter Bürgermeister Michael Andrelang dankte den Almbauern: „Ihr leistet wichtige Arbeit.“ Auch wenn das für viele selbstverständlich sei. Zum Abschied gab Jakob Müller Denkanstöße: Das Weidevieh werde weniger, im Flachland sei mittlerweile viel Fläche vorhanden. „Und der Wolf hat eine Plattform, aber Insekten und Pflanzen können nicht heulen.“