Die gute Stube für Feriengäste geräumt

von Redaktion

50 Jahre Erholungsgebiet Samerberg – Ein Dorf und seine Tourismus-Geschichte

Samerberg – Heuer jährt sich das Prädikat „Erholungsgebiet Samerberg“ zum 50. Mal. Am 26. April 1976 wurde die Auszeichnung zum ersten Mal ausgestellt. Doch den Tourismus am Samerberg an sich gibt es schon viel länger, betont Bürgermeister i.R. Georg Huber. Zahlreiche Bilder, Schriftstücke und Erinnerungen erzählen eine über 100 Jahre alte Geschichte.

Zu Beginn des Fremdenverkehrs sah alles noch ein bisschen anders aus als heute. Elisabeth Kronsteiner, ehemalige Schulleiterin am Samerberg, erzählte von der Entwicklung des Tourismus. Angefangen von Pilgerreisen, über die Zeit, in der das Reisen nur etwas für die Adeligen war, bis hin zu der Zeit der Industrialisierung, als auch in der Region die ersten Gäste die Berggipfel erklommen. In den 1920er-Jahren sei der Samerberg ein Eldorado für viele Künstler gewesen, die später den Samerberg sogar zu ihrer Wahlheimat machten.

Erster Tourismusboom in
den 30er- und 40er-Jahren

In den 30er- und 40er-Jahren lebte der Tourismus am Samerberg so richtig auf, Elisabeth Kronsteiner sprach sogar vom Fremdenverkehrsboom. Von 1934 bis 1939 wurden durch die nationalsozialistische Organisation KDF (Kraft durch Freude) über 40 Millionen Reisen verkauft. Dies sei auch am Samerberg zu spüren gewesen. Ab den 50er-Jahren, nach der Zeit des Wiederaufbaus, wurde auch das Urlaubmachen wieder erschwinglicher und gehörte bald zum Standard dazu.

In dieser Zeit wurden während der Urlaubssaison die Einheimischen regelrecht auf der Diele geparkt. Denn jede Kammer wurde vermietet. Die Zimmer gehörten während der Saison den zahlenden Gästen. Das eigene Wohnzimmer mit den Gästen zu teilen war selbstverständlich. Georg Huber konnte sich noch gut daran erinnern, wie die Luft in der Stube gestanden habe, schließlich durfte man damals noch drinnen rauchen.

Auch die Vereine spielten damals eine wichtige Rolle für den Tourismus. Heimatabende, Oimtanz mit Barbetrieb, Weinfest und etliche andere Veranstaltungen wurden zur Unterhaltung der Touristen organisiert.

Ramona Sattlberger und Konrad Estermann ließen es sich am Festabend nicht nehmen, einige Anekdoten aus Sicht der Vermieter zu erzählen. Humorvoll berichteten sie von so manchen Erlebnissen, Begegnungen und alten Geschichten, die den ganzen Saal zum Lachen brachten.

Roswitha Estermann, Erste Vorsitzende des Tourismusvereins am Samerberg, erzählte von der Entwicklung der Gästevermietung in der Zeit von den 80er-Jahren bis heute. Auch sie berichtete, dass es anfangs noch wenig Privatsphäre gab. Doch im Laufe der Zeit gab es Zimmer mit fließend Wasser, extra Aufenthaltsräume für die Gäste und nach und nach auch die ersten Ferienwohnungen. Die „Fremden“ wurden zu „Gästen“ und sehr oft auch zu Freunden. Aus dem „Verkehrsbüro“ wurde die „Tourist Information“ und durch etliche Werbemaßnahmen in Zusammenarbeit mit Anton Hötzelsperger wurde der Samerberg immer bekannter.

In den 90er-Jahren machte „Urlaub auf dem Bauernhof“ die große Runde. Eine großartige Möglichkeit auch für den Einheimischen, seine eigenen Produkte zu vermarkten. In den 2000er-Jahren entstanden die Wanderhöfe am Samerberg und auch die erste Homepage der Gemeinde. Seit einigen Jahren gibt es nun auch eine Instagram-Seite.

Auch Georg Huber berichtete von seinen Erinnerungen. Schließlich durfte er die Entwicklung des Tourismus von Kindheit an hautnah miterleben. Auch er sei eines der Kinder gewesen, das noch seine Kammer hergeben musste. Im späteren Leben begleitete er 24 Jahre lang als Erster Bürgermeister das Geschehen und die Entwicklung des Tourismus in seiner Gemeinde. Das Wandern sei dabei immer ein zentrales Thema gewesen.

In den 70er-Jahren entdeckten die Drachenflieger die Hochries als Flugberg, später die Gleitschirmflieger. Der Samerberg bekam sein eigenes Autobahnschild. 2008 wurde die Hochriesbahn von der Gemeinde Samerberg und der Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins übernommen und auch wenn es mit der Bahn immer wieder Höhen und Tiefen gegeben habe, sei dies schlichtweg ein wichtiges Merkmal einer Tourismusregion.

Auch der Bike Park, eine Wassertretanlage, das Naturschwimmbad, das Bauerngolf in Grainbach, die Gastronomie, der Moarhof im Eventbereich und vieles mehr seien Teil des Ganzen und machen den Samerberg zu dem, was er heute sei.

Die Leiterin der Tourist Information, Monika Schimanski, berichtete vom breiten Angebot, welches der Samerberg heute zu bieten hat. Vom einfachen Zimmer über Ferienwohnungen, Chalets, Almen, Übernachtung im Baumhaus, Stellplätzen für Wohnmobile bis hin zur Übernachtung im Hotel sei für jeden etwas dabei. Doch dahinter stecke gerade für die Tourist Information noch sehr viel mehr. Die Schnelllebigkeit ginge auch an ihnen nicht vorbei.

Zu ihren Hauptaufgaben gehöre mittlerweile die Pflege der Online-Plattformen. Eine eigene Buchungsplattform, soziale Medien, Google und Co. wollen auf dem Laufenden gehalten werden. Doch im Gegenzug dazu seien Verbindlichkeit, Prospekte und das persönliche Gespräch nach wie vor wichtig und gefragt.

Die Gemeinde profitiert
vom Tourismus

Sie betonte, dass der Tourismus in der Gemeinde gleichzeitig auch Wertschöpfung für die Einheimischen sei. Alle Freizeitangebote seien ja für die Bewohner des Samerbergs genau so nutzbar. Der Samerberg sei ein lebendiger Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum. Jeder Besuch wirke weiter und so schaffe es Wert für die Menschen, die hier leben, die ortsansässigen Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen, sowie die Landschaft, die gepflegt wird. Kurzum: Der Tourismus am Samerberg erhalte und verbessere, was den Samerberg ausmache und darauf könne man stolz sein.

Am Ende der Veranstaltung wurde ein Gewinnspiel ausgelost, für welches die Gäste an diesem Abend während der Veranstaltung einige Fragen beantworten mussten. Susanne Kunz, neue Bürgermeisterin der Gemeinde Samerberg durfte drei glückliche Gewinner ermitteln. Der erste Preis und damit eine Übernachtung auf der Hochries ging an Georg Osterhammer, den zweiten Preis – ein Gutschein für den Bike Park, gewann Meinrad Sobetzko. Anna Heiss gewann einen Gutschein vom Schuh und Trachten Auer und damit den dritten Preis.

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