Bad Endorf – In der Marktgemeinde soll die Klimawährung „Klima-Taler“ eingeführt werden. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates stellte Christine Wildgruber von der Arbeitsgruppe „Klima im Alltag“ die Klima-Taler-App vor. Um den Klimaschutz ganz einfach in den Alltag der Menschen zu integrieren, sei die App eine gute und einfache Möglichkeit, so Wildgruber. Sie motiviere spielerisch zu klimafreundlichem Verhalten. Die Arbeitsgruppe will dafür das erforderliche Netzwerk knüpfen.
So einfach und spielerisch
funktioniert die App
Christine Wildgruber erläuterte die Funktionsweise der App. Diese erkenne beispielsweise automatisch, wie man unterwegs ist – ob zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus, Bahn oder doch mit dem Auto. „Die App hilft auch dabei, Strom, Wärme und Wasser zu sparen“, so Wildgruber. Dafür können Zähler entweder mit der App verbunden oder einfach fotografiert werden. Nutzer bekommen je nach Haushaltsgröße ein Monatsbudget. Wenn sie es unterschreiten, sammeln sie Klima-Taler.
Die Klimawährung wird auf CO2-Einsparungen umgerechnet. Ein Klima-Taler entspricht fünf Kilogramm CO2. Die kann man einsparen, wenn man beispielsweise eine 25 Kilometer weite Fahrt mit einem Auto mit Verbrennermotor durch eine Fahrt mit dem Rad ersetzt. Für einen Klima-Taler kann man auch 14,3 kWh Strom sparen, denn nach Informationen des Umweltbundesamtes verursacht eine Kilowattstunde (kWh) Strom aus dem deutschen Mix etwa 350 Gramm CO2.
Mit Klima-Talern für nachhaltige Mobilität und sparsamen Verbrauch will die Bad Endorfer Arbeitsgruppe starten. Man kann die Aktion aber auch ausweiten – unter anderem auf nachhaltigen Konsum, vegane Ernährung, den regionalen Einkauf, Secondhand-Angebote, Repair-Ideen oder Unverpackt-Angebote – letztlich auf alles, was Lebensstil und Konsumverhalten eines Menschen und damit seinen ökologischen Fußabdruck ausmacht.
Klima-Taler machen natürlich nur Sinn, wenn man sie auch irgendwo einlösen kann – nachhaltig funktioniert das natürlich vor Ort. Deshalb sucht die Arbeitsgruppe in der Marktgemeinde nun Klima-Partner: Gewerbetreibende, die in Restaurants, bei Veranstaltungen, in Kosmetikstudios, beim Friseur, im Einzelhandel oder in Supermärkten klimafreundliches Leben belohnen.
Diese könnten für Klima-Taler etwa Rabatte, Gutscheine, einen Espresso, individuelle Vergünstigungen oder Zusatzleistungen anbieten.
Für Unternehmer ist die Klima-App nicht nur ein Bekenntnis zum Klimaschutz, sondern zugleich ein kostenloses Marketinginstrument für mehr Aufmerksamkeit und Umsatz.
Die App beinhaltet auch eine Karte, die alle teilnehmenden Händler und ihre Leistungen für Klima-Taler anzeigt. Zum virtuellen Klima-Taler-Marktplatz gehören schon über 750 Partner in mehr als 50 Städten und Gemeinden. „Die Klima-Taler sind überall einlösbar“, erläuterte Christine Wolfsgruber. Man könne also in Bad Endorf CO2 sparen und die Klima-Taler in München einlösen.
Gemeinde muss für App
eine jährliche Lizenz zahlen
Für Bürger ist die App kostenfrei. Kommunen müssen entsprechend der Einwohnerzahl eine jährliche Lizenz zahlen. In Bad Endorf wären das 1990 Euro netto pro Jahr. Damit ermöglicht die Gemeinde lokalen Händlern und kommunalen Unternehmen eine kostenfreie Teilnahme.
Der Gemeinderat ermächtigte Bürgermeister Alois Loferer zum Kauf der App. Dieser soll allerdings erst dann erfolgen, wenn sich ausreichend Gewerbetreibende an der Aktion beteiligen. „Das Netzwerk zu knüpfen, ist ein Riesenaufwand“, betonte der Bürgermeister.
Der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates sei daher der Startschuss für die Arbeitsgruppe. „Wir werden jetzt alle Gewerbetreibenden anschreiben“, kündigte Christine Wildgruber an. Außerdem sollen Plakate in der Gemeinde über die Aktion informieren.