Aschau im Chiemgau – Die Energiezentrale am nördlichen Ortsausgang von Aschau nimmt Gestalt an. Schon im vergangenen Sommer hatte der Gemeinderat den Grundstein für die „Priental Wärme“ und eine zentrale Wärmeversorgung für Aschau gelegt und beschlossen, für die Energiezentrale ein „Sondergebiet Energie und Versorgung“ auszuweisen. Im März war der nächste Meilenstein erreicht: Wolfgang Wimmer vom Biomassehof Achental und Bürgermeister Simon Frank besiegelten die Gründung der Priental Wärme GmbH notariell.
Linksabbiegerspur zur
Energiezentrale
Nun liegt auch der Vorentwurf für die Gestaltung des Sondergebietes vor. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Maximilian Wüstinger vom Frasdorfer Architekten- und Stadtplaner-Büro den Vorentwurf vor. Bei der Planung wurden extreme Hochwasser- und Starkregenereignisse berücksichtigt, ebenso die Grünstrukturen. So sollen die alte Linde und das Gehölz nördlich des Ahgrabens erhalten bleiben. Auch die Biotopflächen nördlich des Ahgrabens bleiben unangetastet, versicherte Wüstinger. Das Gelände wird von der Staatsstraße aus erschlossen. Dafür entstehen eine Linksabbiegerspur und eine eigene Betriebszufahrt. Die Betriebsfläche umfasst circa 4.600 Quadratmeter, davon entfallen 250 Quadratmeter auf eine 20-KV-Schaltstation der Bayernwerke. Das Areal soll eingegrünt werden, informierte Wüstinger. Angedacht sei hier „eine lockere Bepflanzung“.
Im ersten Bauabschnitt soll das Heizhaus mit Maßen von 25 mal 20 Metern, das Hackgutlager mit 27 mal 20 Metern und die Schaltstation mit 15 mal 5 Metern errichtet werden. Später dann könnte eine Erweiterung mit einem Heizhaus mit einer Größe von 16 mal 20 Metern dazukommen. Das Gebäude soll 2,5 Meter ins Erdreich reichen. Die Kamine werden bis zu fünf Meter über den First hinausragen.
Wüstinger erklärte, dass schon im Vorfeld zahlreiche Gutachten und Untersuchungen erstellt wurden. Aktuell laufen noch vertiefende Untersuchungen zum Bodengutachten. Was Lärm, Anlagenimmissionen und Kaminhöhen, Geruch, Staub oder Stickstoff angeht, so seien laut der Abteilung Immissionsschutz des Landratsamtes Rosenheim keine Konflikte zu erwarten. Vertiefende Untersuchungen laufen noch. Das gelte auch bezüglich Hochwasserschutz und Artenschutz.
Dank der geplanten Linksabbiegespur seien auch keine Verkehrskonflikte zu erwarten. Aus den Reihen des Gemeinderates kamen Nachfragen zur Hochwasser-Situation. Gerhard Knickenberg (ZfA) fragte nach der Höhenlage des Gebäudes. Claudia Hess (Bündnis 90/Grüne) wollte die Zufahrt genauer erläutert wissen. Wüstinger verwies auf das Gelände: „Die Höhenlage sollte passen.“ Die Zufahrt werde dem Gelände folgen, rage selbst bei einem HQ 100 noch etwa 10 bis 15 Zentimeter über die möglichen Überflutungsbereiche hinaus, so Wüstinger.
Martin Stuffer vom Bauamt verwies auf ein sehr konstruktives Gespräch zwischen Ingenieurbüro, staatlichem Bauamt und Verwaltung.
Es werde eine kleine Zufahrtsvariante werden, um wenig Fläche zu verbrauchen und wenig Kosten zu verursachen. „Die Grundstücksverhandlungen laufen noch“, informierte Bürgermeister Simon Frank (ZfA). Der Bau der Linksabbiegerspur soll noch im Herbst beginnen. Das sei „relativ sportlich“, betonte Stuffer, denn zuerst müsse der Bebauungsplan ausgelegt werden, um Planungssicherheit zu erreichen, ehe mit der Ausschreibung begonnen werden kann. Josef Schramm vom Bauamt ist optimistisch, denn es seien „keine größeren Konflikte zu erwarten“. Im Mai soll die frühzeitige Beteiligung anlaufen, dann lägen mögliche Einwände noch vor dem Sommer vor.
Neue Schaltstation
an der Energiezentrale
Monika Schmid (FWG) hakte aufgrund der geplanten Schaltstation nach. Im Zuge der Baumaßnahme an der Blumenstraße war die dortige Trafostation weggekommen. Nach Einschätzung der Bayernwerke sei eine neue Station an der Energiezentrale ideal, informierte Stuffer. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: Eine neue Relaisstation könne hoffentlich dazu beitragen, dass Aschau „nicht mehr Letzter“ sei, „wenn mal wieder der Strom weg ist“ und die Gemeinden wieder zugeschaltet werden.
Der Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung des Bebauungsplanes stimmte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme zu. Bürgermeister Simon Frank wies darauf hin, dass die Priental Wärme GmbH als Vorhabensträger alle Kosten trage und der kommunale Haushalt nicht belastet werde. Die Energiezentrale sei ein „großer Meilenstein in der Energie- und Wärmewende“.