Halfing – Für den Speicher des Halfinger Rathauses gibt es immer wieder neue Ideen. Erst stand er den Vereinen als Lagerfläche und Proberaum zur Verfügung. Dann sollte er in eine Gemeinschaftspraxis umgebaut werden. Nun könnten Büros entstehen. Oder doch nicht? Der Beschluss gibt Rätsel auf.
Proberaum seit
September gesperrt
Im September gab es in Halfing mächtig Ärger: Theaterverein, Feuerwehr, Trachten- und Dorfverein sollten ihre Lagerflächen auf dem Dachboden des Rathauses räumen. Der Gemeinderat sprach sich mehrheitlich dafür aus, diesen etwa 300 Quadratmeter großen Bereich des Dachgeschosses zu einer Gemeinschaftspraxis um- und auszubauen. Schon im Juni 2026 sollte sie bezugsfertig sein.
Da das Dachgeschoss über keinen geeigneten zweiten Fluchtweg verfügt und unterm Dach nur Abstellflächen für Vereine erlaubt sind, wurde im September auch der Proberaum von Halfinger Blasmusik, Trachtenverein „Almenrausch“ sowie Musik- und Gesangsverein „für jeglichen Aufenthalt, für Proben und andere Veranstaltungen“ gesperrt.
Verwaltungsgemeinschaft
unter einem Dach
In der letzten Sitzung des alten Gemeinderates im April stand der Speicher des Gemeindehauses erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Allerdings ging es nicht um die Gemeinschaftspraxis: „Dieser Antrag wurde zurückgezogen“, informierte Noch-Bürgermeisterin Regina Braun.
Jetzt sollte der Gemeinderat einen „Vorratsbeschluss“ fassen, um den Speicher zu Verwaltungsräumen umzubauen. Diese werden dringend gebraucht: für die Mitarbeiter der Gemeinde Halfing und der Verwaltungsgemeinschaft Halfing-Höslwang-Schonstett sowie für die Bürgermeister aus Höslwang und Schonstett. „Nach Auskunft der Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes haben wir einen rechtswidrigen Zustand. Eigentlich müssten die Außenstellen in Höslwang und Schonstett geschlossen werden“, erläuterte Regina Braun. Doch die Halfinger Verwaltung sei bereits an der Grenze ihrer Räumlichkeiten angelangt.
Das Raumpotenzial im Rathaus ist an die Pläne für Reismühle und Brunnerhaus gekoppelt. Sobald das Neubauprojekt für die Halfinger Mitte fertig ist, soll die Bücherei dorthin umziehen. Dann stünde das Erdgeschoss des Rathauses für Büroräume zur Verfügung. Doch so weit ist es noch lange nicht.
Im November 2025 hatte der Gemeinderat entschieden, für die Gestaltung des Ensembles aus Reismühle und Brunnerhaus einen Architektenwettbewerb auszuloben. Dabei muss das Gebäude der Reismühle in die Gestaltung eingearbeitet werden. Das Brunnerhaus wird abgerissen. Bis Ende 2026 sollen die Entwürfe vorliegen. Im ersten Quartal 2027 könnte der Gemeinderat dann einen Siegerentwurf auswählen. Die Nutzungsänderung des Speichers ist für eine Übergangszeit also eigentlich alternativlos.
Erst ein Grundsatz-, dann
ein Vorratsbeschluss?
Trotzdem betonte die Noch-Bürgermeisterin, dass es nur ein Vorratsbeschluss sei, aber nicht gebaut werden solle. Dem Beschlussvorschlag lag ein konkreter Plan bei, wie der Dachboden umgestaltet werden soll. Demnach sind mehrere Büros von einer Größe von etwa zehn bis 15 Quadratmetern geplant. „Die Lagerflächen werden damit nicht gemindert, aber unsere Registratur wäre legalisiert“, erläuterte Regina Braun, denn das Archiv der Gemeinde befindet sich bereits auf dem Dachboden.
Sepp Stettner (Freie Wähler Halfing) stellte einen Antrag nach Gemeindeordnung für einen Grundsatzbeschluss. Sein Argument: „Vor einem Bauantrag auf Nutzungsänderung muss der Gemeinderat erst einmal entscheiden, ob er den Umbau des Speichers zu Verwaltungsräumen überhaupt will.“ Der Antrag wurde mit einem 8:3-Votum abgelehnt. Hans Landinger (Halfinger Wählervereinigung) wollte den Begriff „Vorratsbeschluss“ genauer definiert wissen. Die Bürgermeisterin erläuterte, dass sich die Gemeinde mit diesem vorsorglichen Beschluss „die Möglichkeit eröffnet, diese Räume umzunutzen“, wie es mit der Registratur teilweise schon geschehe. Tobias Hofer (Freie Wähler Halfing) kritisierte den Beschlussvorschlag als falsches Signal: „Wir haben den Vereinen in Aussicht gestellt, dass ein zweiter Fluchtweg gebaut wird.“
Alternative
für Ärzte gefunden
Da sich für die Gemeinschaftspraxis eine Alternativlösung gefunden hat, gab es zumindest die Hoffnung, dass sich auch für die Vereine bis zur Fertigstellung von Brunnerhaus und Reismühle eine Zwischenlösung findet. Dort sollen später Bürgersaal, Vereins- und Probenräume sowie eine Bühne entstehen. In der Ratssitzung gab es aufgrund der Formulierung „Bauantrag auf Nutzungsänderung“ ein wenig Verwirrung. Der Beschlussvorschlag wurde daraufhin auf „Antrag auf Nutzungsänderung“ korrigiert.
Baurechtlich hat das keine Auswirkungen, auch wenn Stefan Schlaipfer (CSU) den Vorschlag machte, den Antrag ohne Plan einzureichen. Denn ob Bauantrag oder Antrag auf Nutzungsänderung: Nach Informationen der Handwerkskammer München entspricht auch ein Antrag auf Nutzungsänderung einem normalen Bauantrag. Deshalb müssten der Baubehörde dafür neben dem eigentlichen Änderungsantrag auch Planunterlagen vorgelegt werden. Doch Stefan Schlaipfer, der seit 1. Mai neuer Bürgermeister der Gemeinde Halfing ist, versicherte: „Wir bauen nichts.“
Auch für Büros wird ein
Fluchtweg benötigt
Sein Vorschlag, die Nutzungsänderung des Speichers auf Verwaltungs- und Lagerräume auszuweiten, wurde vom Gemeinderat mit 9:3 Stimmen befürwortet. Falls der Dachboden eines Tages doch für Verwaltungsräume gebraucht und die Nutzungsänderung vollzogen wird, müsste auch ein Brandschutzkonzept erstellt werden. Denn nach wie vor gilt die Empfehlung von Landratsamt und Kreisbrandinspektion, dass vor einer Nutzung des Dachgeschosses für den Aufenthalt von Menschen ein geeigneter zweiter Fluchtweg zu errichten ist.
Nicht für alle Vereine
wurde Lösung gefunden
Mit dem aktuellen Beschluss können Theaterverein, Feuerwehr, Trachten- und Dorfverein zumindest ihre Lagerflächen behalten. Für Halfinger Blasmusik, Trachtenverein „Almenrausch“ sowie Musik- und Gesangsverein ändert sich nichts. Nach dem abrupten Ende des Proberaums auf dem Speicher des Rathauses sollten für sie in Schule, Pfarrheim oder Mehrzweckhalle kurzfristige Lösungen gefunden werden. Offenbar ist das nicht gelungen. Nun denkt der Trachtenverein sogar darüber nach, die Proben einzustellen.