Stephanskirchen – Im Anschluss an die letzte Gemeinderatssitzung der noch aktuellen Wahlperiode fand in Stephanskirchen die Verabschiedung der alten Gemeinderäte statt. Acht Gremiumsmitglieder scheiden aus, weil sie sich nicht mehr zur Wahl gestellt haben oder die Wähler nicht überzeugen konnten. Die Feierlichkeit fand im kleinen Kreise in der Aula der Otfried-Preußler-Schule statt, dem größten Bauprojekt der vergangenen Legislaturperiode.
Viele wichtige Projekte auf
den Weg gebracht
Bürgermeister Karl Mair blickte in seiner Rede positiv auf die Zusammenarbeit zurück, die „von schwierigen Rahmenbedingungen, wie dem Ukraine-Krieg oder der Corona-Pandemie geprägt“ war. Dennoch hätten sie gemeinsam viele größere und kleinere Projekte umsetzen können: Neben dem Schulumbau, der mit acht Millionen Euro zu Buche geschlagen hat, wurden auch die Westerndorfer Straße und die Luisenbrücke am Simssee saniert, es entstand ein barrierefreier Steg am Badeplatz in Baierbach und auch der Ankauf des alten Sparkassengebäudes für die Unterbringung einer Arztpraxis seien wichtige und dringliche Vorhaben gewesen, so der Bürgermeister.
In aufsteigender Reihenfolge nach Dauer als Gemeinderatsmitglied begann Mair die Verabschiedungen: Zunächst dankte er Hans Kink, der im Februar 2026 nach dem Rücktritt von Petra Hofmann für die CSU nachgerückt ist, für sein Engagement. Kink war bereits von 2008 bis 2014 Gemeinderat in Stephanskirchen. In der vergangenen Legislaturperiode schaffte er es nicht sofort in das Gremium. „Aber die nächste Generation steht ja bereits in den Startlöchern“, so der Bürgermeister. Denn bei der Kommunalwahl im März 2026 waren Vater und Sohn für die CSU angetreten.
Ebenfalls mit zweieinhalb Monaten Amtszeit als Gemeinderat wurde Sebastian Scheuerer (Freie Wähler) verabschiedet, der ebenfalls im Februar 2026 für Christian Helget nachgerückt war. Persönliche Worte in seine Richtung fand Mair aber nicht. „Man sieht sich immer zweimal im Leben. In unserem Fall im Gemeinderat.“ Damit spielte er wohl auf die Auseinandersetzungen zwischen Scheurer und ihm als Rathauschef während der Auflösung der Ziegelberger Feuerwehr an. Scheuerer, der damals Kommandant der Feuerwehr war und die Auflösung aus Sicht der Gemeinde mit angestoßen hatte, klagte später gegen die Verwaltung und den Bürgermeister.
Zwei bis zwölf Jahre als
Gemeinderäte
Zweieinhalb Jahre als Gemeinderat hat Andreas Scheibenzuber (Parteifreie Bürger) verbracht, der 2023 für Erika Riedrich nachgerückt war. Scheibenzuber, der sich seit vielen Jahren im Sportverein sowie im Krieger- und Veteranenverein engagiert, beschrieb Mair als „Mann der leisen Töne“, einen, der nicht viel Wahlkampf um seine Person gemacht hat. „Vielleicht hat es deswegen nicht mit der Wiederwahl geklappt“, so Mair. Zum Abschied fand Scheibenzuber aber die richtigen Worte in Richtung der Wiedergewählten: „Lasst das parteipolitische Geplänkel und konzentriert Euch auf die Sache.“
Nach sechs Jahren im Gremium scheidet auch Dr. Nicole Eckert (Grüne) aus, die aus beruflichen Gründen nicht anwesend sein konnte. Mair berichtete von ihr als engagierte Bürgermeisterkandidatin (2020) und Gemeinderätin, die für ihre Themen brannte. „Nicole zeichnet ihre unkonventionelle Art aus“, so Mair, und erinnerte dabei an ein besonderes Ereignis: Am 5. Juli 2022 heiratete Eckert während einer Ausschusssitzung ihren Partner Stefan Schiller. Außer der damaligen OVB-Reporterin, dem Bürgermeister, der die Trauung durchführte und dem Brautpaar wusste niemand von der Aktion.
Auf zwölf Jahre als Gemeinderat blickt Hubert Lechner zurück, der 2014 einen Sitz für die Parteifreien Bürger quasi von seinem Bruder übernommen hatte. Da auch sein Neffe im Gemeinderat ist, müsse es ein „kommunalpolitisches Gen in der Familie geben“, vermutete Mair und verriet seinen Spitznamen: „Du bist die Angela Merkel unserer Partei“. Denn er sei, so wie die Alt-Bundeskanzlerin, ebenfalls Physiker und geschätzt für seine strukturierte, analytische Art. Lechner dankte und erinnerte sich an Mairs Übertritt von der CSU zu den Parteifreien im Jahr 2019. „Wir haben uns damals immer heimlich im Trauungszimmer versteckt. Dort hat uns niemand vermutet“, erinnerte er sich. Als der Entschluss dann endgültig gefasst und alles vorbereitet gewesen sei, habe er damals in die Whatsapp-Gruppe seiner Gruppierung geschrieben: „Der Adler ist gelandet.“
Vom Elternbeirat
in den Gemeinderat
Ebenfalls nach zwölf Jahren hat sich Steffi Panhans (SPD) als Gemeinderätin verabschiedet. Wegen eines anderen, sehr zeitaufwendigen Projekts habe sie sich entschlossen, nicht noch einmal zu kandidieren. Als Fraktionsvorsitzende der SPD und Dritte Bürgermeisterin (2020 bis 2026) habe sie sich „als meinungsstarke Gemeinderätin“ für Umwelt, Kultur und soziale Gerechtigkeit eingesetzt und auch mal kritisch nachgefragt. Panhans betonte, wie wichtig ihr Demokratie und deren Grundwerte sei und hielt die Fahne hoch, „weiterhin als Gemeinde Farbe zu bekennen“. Sorge bereite ihr auch, dass die „Parteien der politischen Mitte“ zwei Sitze an „Rechts-Außen-Parteien“ abgeben müssen.
24 Jahre und damit vier Legislaturperioden hat Petra Schnell (früher CSU, ab 2020 fraktionslos) als Gemeinderätin verbracht. Zur Zeit ihrer Wahl waren Gerhard Schröder Bundeskanzler und Edmund Stoiber Bayerns Ministerpräsident. „So lange ist das schon her“, so Mair. Als erste Jugendbeauftragte der Gemeinde habe sich Schnell schnell behaupten können. Das Projekt, das für immer mit ihrem Namen verbunden bleiben wird, sei der Funpark in Waldering. Die Skateanlage, die 2011 von einem Schweizer Architekten entworfen wurde und 100.000 Euro gekostet hat, hat die Gemeinderätin gemeinsam mit mehreren Jugendlichen erkämpft. Dass seit 15 Jahren nichts daran saniert werden musste, zeige laut Mair wie hochwertig das Projekt damals gebaut worden war. Außerdem wird die Anlage bis heute sehr gut und von Kindern aller Altersgruppen genutzt.
Schnell berichtete, wie ihre politische Karriere begonnen hatte: als Mutter im Elternbeirat des Kindergartens und später in der Schule. Ein Vorbild sei ihr Lonika Herzog gewesen, die ihr zwischen „lauter Männern in der CSU“ geraten hätte: „Mach dein Ding.“ Etwas bedrückt sei sie deswegen, dass in dieser Wahlperiode nur vier Frauen in das Gremium gewählt wurden.
Bürgermedaille für langjäh-
riges Theater-Engagement
Ebenfalls zur Ruhe setzt sich nach 24 Jahren Ehrenamt im Gemeinderat Gerhard Scheuerer (Parteifreie). Der durch seinen Stewa-Markt „wohl bekannteste Gemeindebürger“ brennt aber nicht nur für die Kommunalpolitik. Seit mehr als vier Jahrzehnten engagiert er sich für den Theaterverein und gilt als Urvater der Freilichtspiele. 2011 erhielt er für sein langjähriges Engagement die Bürgermedaille der Gemeinde. Als Gemeinderat hätte er „kein Theater, keine Show gemacht“ und seine Fragen immer an richtiger Stelle platziert.
Scheuerer erinnerte sich an Beschlüsse, die er abgelehnt hatte, etwa den Mähroboter für den Sportplatz, der wie sich gezeigt hat, nicht genutzt wird. Und an die Vereidigung Karl Mairs als Bürgermeister, die er als ältestes Gemeinderatsmitglied 2020 vorgenommen hatte. Nach über 500 Sitzungen in denen er seinen „Eid sehr ernst genommen“ habe, blicke er dankbar auf die zahlreichen Freundschaften zurück, die er in knapp einem Vierteljahrhundert geschlossen hat.