Kiefersfelden – Das Interesse in der Bevölkerung war groß an der Vorstellung der Zielszenarien im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung für die Gemeinde im Gasthof „Bergwirt“. In seiner Begrüßung betonte Bürgermeister Hajo Gruber (UW), „dass dieses Thema uns alle berührt“.
Der Rathauschef weiter: „Aufgrund der Vorgaben des ‚Wärmeplanungsgesetzes‘ (WPG) hat die Gemeinde den Auftrag zur Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung“, denn danach soll bis zum Jahr 2040 die CO2-Neutralität bei der Wärmeerzeugung in Gebäuden Fakt sein.
Eine Milliarde Euro pro
Bürger für fossile Energie
Zur Zwischenstandsanalyse waren Fachleute des beauftragten Planungsunternehmens DME Consult Rosenheim vor Ort, die detailliert über den aktuellen Stand der Wärmeplanung berichteten und zentrale Erkenntnisse sowie mögliche Szenarien für eine zukünftige Versorgung vorstellten. Nicht nur für Stephan Kittke (DME) ist es „erschreckend, wie abhängig wir von fossilen Brennstoffen sind. Aktuell gibt Deutschland jährlich 81 Milliarden Euro dafür aus“.
Für die Zahlenerhebung der zukünftigen Wärmeplanung erfolgte eine Bestandsanalyse des Wärmebedarfs und der Versorgungsinfrastruktur im Gemeindegebiet. Weiter auf der Agenda standen CO2-Einsparpotenziale wie Erdwärme, Abwärme, Photovoltaik (PV) oder Solarthermie sowie die Ermittlung des zukünftigen Strombedarfs. Diese Datenmenge führt zur Zielsetzung des Gesetzes: eine Deckung des zukünftigen Wärme- und Strombedarfes mit erneuerbaren Energien sowie Eignungsgebiete für Wärmenetze und Einzellösungen zu identifizieren.
Für die Erhebung der Wärmeverbrauchsdaten wurden die Gebiete Kiefersfeldens in sogenannte Cluster eingeteilt, aus denen sich dann ein realer jährlicher Wärmebedarf pro Einwohner errechnen ließ. Dieser liegt bei etwa 12.114 Kilowattstunden (kWh), das ist niedriger als der Bayernschnitt, der mit rund 14.185 kWh errechnet wurde.
87 Prozent Anteil
für Gas, Öl und Holz
Der Kieferer Gesamtanteil an fossilen Brennstoffen beträgt über 87 Prozent, darunter fallen Gas, Heizöl sowie auch Holz/Holzpellets, und der gesamte CO2-Ausstoß summiert sich auf 24.021 Tonnen pro Jahr. Aus der Analyse vieler weiterer Erhebungen im Gemeindegebiet erkannten die Fachleute eine hohe Anzahl an Gebäuden mit hoher Baualtersklasse (knapp 58 Prozent älter als Baujahr 1980), einen enormen Bedarf an Gebäudesanierungen und eine sehr hohe Anzahl von Gas- und Öl-Heizungen mit enormen CO2-Emissionen bei einem insgesamt nur geringen Anteil an erneuerbaren Energien.
Die Frage stellte sich dann von allein: Wie kann Kiefersfelden die Vorgaben des WPG bis zum Jahr 2040 erfüllen? Die Rosenheimer Fachleute legten dafür schon realisierbare Vorschläge auf den Tisch. So die deutliche Erhöhung beim Einbau von Wärmepumpen, der Dächeraufrüstung mit PV-Anlagen und/oder Solarthermie bis hin zur nachwachsenden Biomasse Holz.
In die Berechnungen konnten weitere Energieträger wie der klimaneutrale Wasserstoff nicht einbezogen werden, da nach Gesprächen mit dem zuständigen Energieversorger „bayernets“ aktuell keine genaue Aussage zur Verfügbarkeit von Wasserstoff in Kiefersfelden getroffen werden kann. Auch sind derzeit keine explizit ausgewiesenen Kapazitäten für Windkraft in der Gemeinde vorhanden und das maximale Potenzial für Wasserkraft scheint ausgeschöpft.
Aus dieser Potenzanalyse ergeben sich die Erkenntnisse, dass es im Gemeindegebiet zwar nur noch eine geringe ungenutzte Kapazität an Solarthermie und PV-Potenzial gibt. Im Gegensatz dazu steht jedoch eine große, bisher ungenutzte Reserve bei der Energiegewinnung aus Fließgewässern und ebenso bei der energetischen Gebäudesanierung im Raum. Insgesamt also „eine gute Voraussetzung zur Reduzierung von Emissionen für Kiefersfelden“, wie es die Fachleute auf den Punkt brachten.
Aber wie geht es nun weiter? Künftige Untersuchungen und Erhebungen stehen auf der „To-do-Liste“, ebenso die Prüfungen von möglichen Versorgungsmöglichkeiten für eine dezentrale Energieversorgung. Es folgt die Entwicklung von Maßnahmen und Vorschlägen für die Gemeinde und die Formulierung des Zielszenarios und der entsprechenden Umsetzungsstrategie. Das alles und eine Bürgerbeteiligung bei der zweiten Öffentlichkeitsveranstaltung, voraussichtlich am 24. September, sind fest geplant.
Gedanken über eigenen
Energieverbrauch machen
Bei der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, dass es eine allgemeingültige Strategie zur Energieeinsparung nicht gibt. Und so waren die Schlussworte von Stephan Kittke zwar nicht allheilbringend, aber realistisch: „Wir müssen dahin kommen, dass wir weniger Energie brauchen.“ Und nach Bürgermeister Hajo Gruber „sollte sich auch jeder selbst Gedanken dazu machen, die Gemeinde kann nur unterstützen. Allerdings werden wir keine Projekte durchführen, die den Einzelnen ruinieren könnten“.