Mit Schwaiberln wird der Baum Schritt für Schritt und auf Kommando des Richtmeisters aufgerichtet.
Aschau im Chiemgau – Es war ein besonderer Moment für hunderte Einheimische und Gäste, die gestern ins Bergsteigerdorf gekommen waren, um das Maibaumfest im Priental zu erleben: Punkt 14 Uhr stand er – der prachtvolle neue Maibaum des Sachranger Trachtenvereins D’Geiglstoana. Gemäß dem Brauch war er mit der puren Muskelkraft von 55 stattlichen Burschen in die Höhe gehievt worden.
Damit fand ein Brauch seinen Höhepunkt, der nach der mystischen Thomasnacht, am kürzesten Tag und vor der ersten Raunacht des Jahres 2025 seinen Anfang nahm. „Am 21. Dezember wurde unsere Fichte geschlagen“, berichtet Bernhard Bauer, Vorstand des Sachranger Trachtenvereins. Doch kaum war der Baum geschepst und die Rinde ab, war er auch schon weg. Während das Stehlen des Maibaumes direkt aus dem Wald in anderen Regionen strengstens verboten ist, gehört es im Priental zur guten Tradition. Wie sich bei den gestrigen Verhandlungen um die Auslöse herausstellte, wurde der Maibaum von den Nachbarn in Hohenaschau stibitzt. Vier Monate lang bewahrten sie das Prachtstück mit einer Länge von 31 Metern, einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern und einem Volumen von 2,6 Festmetern Holz bei Hermann Kiesmüller am Burgweg in Hohenaschau auf.
Gemeinsam packten D‘Griabinga und D’Geiglstoana auch an, um den Stamm mit Lerchenöl zu behandeln, damit er natürlich und trotzdem haltbar bleibt. Während D‘Griabinga den Baum rund um die Uhr bewachten, restaurierte Erika Pospischil die Figuren des Maibaums.
Nach 131 Tagen war es gestern endlich soweit. Die Fichte wurde mit der Kutsche zum Dorfplatz gebracht. Dann begannen die Verhandlungen zwischen den Vereinen – moderiert von Bürgermeister Simon Frank. Fast wäre der Baum um einen Meter kürzer geworden. Markus Ripertinger hatte im Namen der Griabinga schon die Motorsäge angesetzt. Doch schließlich konnten sich die Trachtler doch noch einigen: Für die Hohenaschauer gibt’s mit drei Paletten das komplette Wachter-Bier. Die Aufsteller wurden mit freiem Bier und Essen zum Kraftakt gelockt. Und beim nächsten Dorffest hat jeder noch zwei Halbe bei den Sachrangern gut.
Dann wurde es ernst. Richtmeister Rudi Angermaier übernahm das Kommando. Der Baum wurde von zwei Seiten mit Schwaiberln mühsam aufgerichtet. Bei einem tonnenschweren Gewicht ist das nicht ungefährlich. Doch Punkt 14 Uhr war das Meisterwerk geglückt: der Maibaum stand. Mit hunderten Gästen wurde das Maibaumfest gefeiert – gespickt mit Tanz und Musik der Trachtenjugend und der Musikkapelle Aschau.
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