Von Brahms bis zu Piraten: Wenn Geigenmusik Grenzen überschreitet

von Redaktion

Die musikalischen Geschwister Pihusch begeistern beim Konzert im Inntal-Gymnasium Raubling

Raubling – Ein außergewöhnliches Konzert erlebten 200 Besucher in der großen Aula des Inntal-Gymnasiums: Unter dem Titel „Romantic meets Rock“ präsentierte der junge Violinist Andreas Pihusch gemeinsam mit seinen Geschwistern Katharina und Matthias und Professor Johannes Umbreit, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in München, ein Programm, das klassische Virtuosität und rockige Klänge miteinander verband. Aktuell noch Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Inntal-Gymnasiums, studiert Andreas schon seit vier Jahren als Jungstudent Violine an der Hochschule für Musik und Theater. Nach einer knappen Begrüßung durch Renate Jenninger, Mitglied der erweiterten Schulleitung, begann der Abend ohne große Vorrede und führte das Publikum direkt in die Welt der klassischen Musik. Gemeinsam mit Professor Umbreit präsentierte Violinist Andreas rund 40 Minuten lang Geigenkunst auf höchstem Niveau. Auf dem Programm stand das Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms – ein Werk, das als eines der anspruchsvollsten der Violinliteratur gilt. Mit beeindruckender Souveränität meisterte der junge Musiker die Herausforderung. Zweiter Teil: Crossover mit Leidenschaft. Es ging in eine völlig andere Richtung. Mit den ersten Klängen von „He’s a Pirate“ aus „Pirates of the Caribbean“ war sofort eine mitreißende Stimmung spürbar. Auf dem Klavierschemel saß nun Katharina, Andreas‘ Zwillingsschwester. Und Andreas …wo war Andreas? Plötzlich ertönten rasante, sich nähernde Geigenklänge, Andreas schritt geigend die Treppe hinter dem Publikum herab. Und nicht nur die Musikrichtung hatte sich komplett geändert. Während Andreas vorher im Anzug auftrat, kam er jetzt in T-Shirt, Jogginghose und Socken. Mit lässiger Professionalität spielten die Geschwister das von Hans Zimmer komponierte Stück, dem dann in der gleichen Besetzung die Stücke „Caruso“ von Lucio Dalla und „Beauty and the Beast“ von Alan Menken folgten.

Dann kam ein Musikstück, für das Matthias den Klavierhocker übernahm, denn der Spanische Tanz C-Dur op.22, Romanza Andaluza von Pablo de Sarasate war deren – vor sechs Jahren – erstes gemeinsam gespieltes Stück und hatte von daher eine besondere Bedeutung für die Brüder.

Sehr persönliche Einblicke in ein Musikerleben bekam das Publikum, als Andreas zwischen den Stücken einen Überblick über einen gewöhnlichen Alltag gab. Frühes Aufstehen, intensives Üben über mehrere Stunden täglich und ein straffer Zeitplan zwischen Schule und Hochschule. „Ein Musikerleben bedeutet nicht nur Applaus, sondern vor allem viel Disziplin, Frust und wenig Schlaf“, sagte er offen – und machte zugleich deutlich, wie sehr ihn Konzerte wie dieses motivieren. Er betont aber auch: „Klar würde ich gerne öfter mal was mit Freunden unternehmen, aber oft bleibt dafür leider keine Zeit. Dennoch bin ich dankbar, dass ich gute Freunde habe, die ich nach so anstrengenden Tagen auch mal noch nachts anrufen kann und die mich dann wieder aufbauen.“

Letzten Herbst habe er ein eigenes Werk namens „Opus EINS“ komponiert, dessen Uraufführung als letzter Höhepunkt des Konzertes folgte. Die Komposition überzeugte das Publikum, das die jungen Musiker am Ende mit viel Applaus und stehenden Ovationen feierte. Karin Sönmez

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