Nachruf

von Redaktion

Neubeuern – „Dieses 93-jährige Leben könnte ein ganzes Buch füllen, mit vielen Kapiteln.“ So eröffnete eine der vier Töchter von Therese Poll die Abschiedsgeschichte für ihre Mutter. Therese Poll wurde 1932 als zweites Kind von Therese und Hans Stocker geboren, gemeinsam mit den Geschwistern wuchs sie im Gärtnerei-Heibl-Haus auf und erzählte viel Gutes aus dieser Zeit. Auch wenn es ihr Vater, der ein Fuhrunternehmen gründete, nicht immer leicht gehabt habe.

Da sie ein gescheites Mädchen war, besuchte sie nach der Hauptschule in Neubeuern noch die Mädchen-Realschule in Rosenheim, wo sie Handarbeiten, aber auch kaufmännisches Rechnen und Buchführung lernte.

Danach nahm sie eine Stelle als Sekretärin und rechte Hand des Direktors der chemischen Fabrik Arthur Schopf an. Bald schon kreuzte der junge Schmiedemeister Georg Poll ihr Leben, 1953 heirateten die beiden und zogen ein Jahr später in das Schmiedehaus am Marktplatz, wo Resi Poll am 13. April 2026 friedlich im Beisein ihrer Töchter verstarb.

„Den Abschied vom Leben nahm sie mit der Grandezza, die sie zeit ihres Lebens umweht hat. Sie bestellte ihre Schwestern und den Pfarrer ein und wartete, bis der letzte Enkel da war. Dann machte sie sich auf den Weg. Ihre letzte Reise“, so die Worte ihrer Tochter Martina. „Sie hatte keine Angst vor dem Sterben und sagte bis zum Schluss, ‚ich habe ein gutes und zufriedenes Leben gehabt‘.“

Ein Massel sozusagen: einen liebenden Ehemann, vier Töchter, ihre Dirndln, wie sie sie immer nannte. Maresa, Elisabeth, Martina und Sabine.

Durch ihre Ausbildung war sie bis zum Tod vom Schmied-Schorsch 2015 die Managerin der sogenannten „Poll-Werke“, wie sie die Kunstschmiede ihres Mannes im unteren Teil des Hauses nannte.

Ihr Leben sei geprägt gewesen von Liebe, Freundschaft und Familiensinn, aber auch Großzügigkeit, Gastfreundschaft, Kreativität und viel Humor. Unvergessen die Geschichte, wie sie und die Nachbarn am Marktplatz mit Dispersionsfarbe einen wackeligen Zebrastreifen auf die Kreisstraße gemalt haben, damit der Pfarrer sicher heimkommt.

Resi Poll war eine begeisterte Bäckerin, besonders ihr Zwetschgendatschi war beliebt, leidenschaftliche Sängerin in Kirchenchor und Chorgemeinschaft und Mitglied in den Trachtenvereinen Immergrün (seit ihrem 17. Lebensjahr) und Edelweiß sowie bei der KAB, deren Fahnenabordnungen ihren letzten Weg begleiteten.

Der Seelengottesdienst, der von Pfarrer Christoph Rudolph zelebriert wurde, war stark geprägt von der Mitwirkung ihrer Töchter.

Sabine Poll-Plonus las „Windhauch“ aus dem Buch Kohelet, das betont, dass alles irdische Streben vergänglich, nichtig und flüchtig sei. Tochter Elisabeth von Samsonow, die auch die Urne aus Lindenholz geschnitzt hat, rief in ihren Fürbitten heilige Frauen wie Theresa von Avila und Lisieux an. Der Kirchenchor sang Teile aus der „Deutschen Messe“ von Schubert, die zum ersten Mal bei ihrer Hochzeit mit Georg Poll gesungen wurde, sowie Lieder, die sie selbst oft als „Klagefrau“ bei Beerdigungen gesungen hat. Auf dem Friedhof spielte eine Bläser-Gruppe ihres Enkels Georg Hiemer, die „Luegstoa Blosn“, wie sie es sich immer gewünscht und schon zu Lebzeiten mit dem Enkel vereinbart hat. pom

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