Stephanskirchen – Seit rund vier Jahren liegt das sogenannte Pöschl-Grundstück in der Eichendorffstraße brach. Findet in Haidholzen eine größere Baumaßnahme statt (wie aktuell der Ausbau der östlichen Haidenholzstraße), nutzt die Gemeinde das Grundstück zum Abstellen von Baustellenfahrzeugen.
Um dem Wildwuchs ein Ende zu bereiten, haben die Stephanskirchener Grünen, SPD und Gemeinderätin Petra Schnell im Januar einen Antrag auf eine Zwischennutzung des Grundstücks gestellt. Eigentlich sollte dort ein neuer Kindergarten entstehen. Gebraucht wird dieser bislang nicht. Derzeit reichen die Plätze der fünf Betreuungseinrichtungen für alle Kinder aus.
Um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, hatte die Gemeinde vor Kurzem das Augsburger Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) mit einer Bedarfsrechnung beauftragt. Das Ergebnis: Die Gemeinde ist für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter, der ab 1. August gilt, gewappnet. Auch bei den Kitas droht laut der Bedarfsrechnung kein Engpass bei den Betreuungsplätzen. Im Gegenteil. Das SAGS geht davon aus, dass aufgrund der sinkenden Geburtenrate die Zahl der zu betreuenden Kinder von 420 im Betreuungsjahr 2025/2026 bis 2032 auf 362 Kinder sinken wird. Insbesondere die Zahl der Krippenkinder gehe zurück.
Wie Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) bei der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte, sei auch in den kommenden Jahren nicht mit einer Bebauung zu rechnen. Eine Zwischennutzung als Grünanlage beziehungsweise Aufenthaltsort für Jung und Alt sei also denkbar.
Die Gemeinde hatte das Grundstück 2019 gekauft. Schon damals lag ein Planungsziel zugrunde: der Bau einer weiteren Betreuungseinrichtung für Kinder. Allerdings hatten andere dringende Projekte Vorrang und so passierte erst einmal nichts.
Mit dem Antrag kam wieder Schwung in das Vorhaben. Bei einem Ortstermin wurden Nutzungsmöglichkeiten durchgesprochen. Bauamtsleiter Wolfgang Arnst erläuterte, warum eine Teilung des Grundstücks von Vorteil wäre. Demnach sollen 1.000 Quadratmeter der Verwaltung weiterhin als Lagerfläche dienen, 1.700 Quadratmeter sollen jetzt zu einem Aufenthaltsort in der Ortsmitte werden.
Die Nutzung als Lagerfläche sei laut Arnst doppelt praktisch. Im Boden des vorderen Grundstücksteils befände sich noch immer Altmaterial nach dem Abriss. Die Folge: „Der Boden müsste großzügig abgetragen werden“, so der Bauamtsleiter. Ein nicht nur kostspieliges, sondern auch zeitintensives Unterfangen. Zusätzlich sollen der Zaun erneuert und zwei Eingänge geschaffen werden: einer zum Kirchparkplatz gerichtet, der andere am Kirchweg. „Wir könnten dann im Spätsommer oder Herbst ansäen, damit die Anlage im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden kann“, sagte der Bauamtsleiter.
„Wir würden uns wünschen, dass möglichst schnell etwas passiert“, fügte Gemeinderätin Janna Miller (Grüne) hinzu. Zwar hätten sie ursprünglich gehofft, es könne die gesamte Fläche genutzt werden. Jedoch sei nachzuvollziehen, warum eine Teilung vorteilhafter ist. Auch Petra Schnell (fraktionslos) erinnerte daran, dass es die Idee bereits vor Jahren gab. „Einfach mal machen“, meinte sie.
Günther Juraschek (CSU) gab zu bedenken, dass es wegen des Spielplatzes am Vogelhainweg in Haidholzen immer wieder Reibereien zwischen älteren Kindern, die Fußball spielen, und kleineren Kindern gibt. Auch der Lärmpegel sorge immer wieder für Beschwerden, ergänzte Hubert Lechner (Parteifreie Bürger).
Während ein Großteil des Gremiums Zustimmung signalisierte, äußerte Christian Ladner (Parteifreie Bürger) aber auch Kritik: „Ich erinnere mich, dass es damals kritische Stimmen zum Kindergartenneubau gab“, sagte er. Sollte sich der Bestimmungszweck nun ändern, könnte das „manchem sauer aufstoßen“. Mair betonte abermals, dass es sich nur um eine Zwischennutzung handeln soll.
Herbert Bauer (Parteifreie Bürger) wies darauf hin, dass der Gehweg, der vom Parkplatz der Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Pöschl-Anwesen führt, für Rollstuhlfahrer ohne Hilfe nicht zugänglich sei, da die betonierte Rampe viel zu steil und klein sei. Mair sagte, dass das Grundstück der Kirche gehöre, versprach jedoch, sich mit der Kirchenverwaltung auszutauschen und den barrierefreien Zugang im Rahmen der Baumaßnahme vorzunehmen.