Nußdorf – Zum „Heimat.Erlebnistag.Bayern“ thematisierten Führungen „Die Steinhauer im Inntal“. Jürgen Tremmel zeigte den Neubeurer Mühlsteinbruch, Michaela Firmkäs in Nußdorf die Mühlen, die diese Steine nutzten.
Gipsstein wurde im Tagebau gewonnen, bei 160°C gebrannt, gemahlen und über Inn und Donau gehandelt, da er vor allem für Kirchenstuck diente. Um 1800 bauten vier Nußdorfer eigene Gipsmühlen, die Mitte des 19. Jahrhunderts wegen der günstigeren, industriellen Konkurrenz aufgaben.
Der „Unterroßner“ stellte daraufhin aus mergelhaltigem Kalkstein „hydraulischen Kalk“ her. Dieser wurde bei 1.100°C gebrannt, war witterungsbeständig und diente als Mörtel und Verzierung. Als feuerpolizeiliche Vorgaben Holzdächer verboten, nutzte sein Nachbar den Zement für eine Dachplatten-Werkstatt.
Auch in Rosenheim etablierte sich der Baustoff: Michael Bernrieder eröffnete eine Zementniederlage und produzierte Betonwaren, darunter Rohre für die 1875 begonnene städtische Kanalisation.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Inntal mehrere Zementfabriken. Im frühen 20. Jahrhundert verdrängte der künstlich gemischte, qualitativ konstante Portlandzement kleinere Betriebe. 1930 wurde das Rohrdorfer Zementwerk gegründet.
Reguläre, barrierefreie Mühlenführungen (1,5 Stunden, ohne Anmeldung) finden bis Oktober jeden ersten und dritten Donnerstag um 17 Uhr ab dem Nußdorfer Rathaus statt. Themenführungen sind über das Verkehrsamt oder die Ortsheimatpflege buchbar.re