Großkarolinenfeld – Nachdem der Haushalt der Gemeinde vorgestellt war, gab es kaum noch Diskussionsbedarf im Gemeinderat. Keine Rückfragen, keine Einwände. „So unproblematisch war es noch nie“, sagte Kämmerer Philipp Stangl über die Haushaltssitzung. Am Ende beschloss der Gemeinderat den Haushalt mit 12:4 Stimmen.
Dabei geht es um ein Volumen von rund 28 Millionen Euro – etwas weniger als im Vorjahr. Der Rückgang um 3,7 Prozent liegt vor allem daran, dass heuer weniger investiert wird. Gleichzeitig steigen die laufenden Kosten weiter.
Auf der Einnahmenseite bleibt die Beteiligung an der Einkommensteuer mit 6,1 Millionen Euro weiterhin „die größte Einnahmequelle der Gemeinde“, so Stangl. Auch die Gewerbesteuer spielt mit 3,1 Millionen Euro eine zentrale Rolle – allerdings mit Unsicherheiten. Sie ist „unglaublich schwierig zu schätzen“, sagt der Kämmerer. Dabei orientierte er sich an den Vorjahren, auch wenn ihm klar ist, „dass die Wirtschaft angespannt“ ist. Seine Hoffnung: ein Niveau wie 2025.
Personalkosten und
Kreisumlage steigen
Was den Haushalt darüber hinaus wesentlich stützt: Geplante 3,6 Millionen Euro aus dem Verkauf von Grundstücken. Dieser Posten sei deshalb so hoch, „weil wir im Gewerbegebiet Marienberger Straße die Baugrundstücke verkaufen“, erklärt Stangl. Hinzu kommen 2,6 Millionen Euro aus Rücklagen – Geld, das also nicht neu erwirtschaftet wird. Gleichzeitig sinken die Schlüsselzuweisungen des Freistaats auf 2,2 Millionen Euro, was mit den guten Steuereinnahmen der Gemeinde 2024 – dieses Jahr ist die Berechnungsgrundlage – zusammenhängt. Neue Einnahmequellen gibt es aktuell nicht, erklärt Stangl. Stattdessen wurden in den vergangenen Jahren bestehende Gebühren angepasst, etwa bei Wasser und Abwasser. Vor allem die deutlich erhöhten Kanalgebühren sorgen für Mehreinnahmen bei der Gemeinde, bedeuten aber auch eine spürbare Mehrbelastung für die Bürger.
Auf der Ausgabenseite ist der größte Posten die Personalkosten mit 5,3 Millionen Euro (plus sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr), was unter anderem an den Tarifsteigerungen liegt. Fast genauso hoch fällt die Kreisumlage aus: Rund fünf Millionen Euro muss Großkarolinenfeld an den Landkreis zahlen, gut 600.000 Euro mehr als im Vorjahr. Der Grund dafür liegt im eigenen Erfolg: „Durch die positive Entwicklung bei den Steuereinnahmen 2024 steigt die Umlagekraft – und damit die Abgabe“, erklärt Kämmerer Stangl. Dazu kommen 4,7 Millionen Euro für den laufenden Betrieb – von Gebäuden über Straßen bis Energiekosten.
Investiert wird vor allem in den Grunderwerb (3,6 Millionen Euro) sowie in den Tiefbau (rund drei Millionen Euro). Gleichzeitig fließen über eine Million Euro in die Schuldentilgung.
Pro-Kopf-Verschuldung
überdurchschnittlich hoch
Für Neues bleibt wenig Spielraum. Die sogenannte freie Finanzspanne liegt bei nicht ganz 19.000 Euro. „Der finanzielle Spielraum der Gemeinde ist damit im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken“, so Stangl. Bei den Investitionen setzt die Gemeinde dennoch klare Schwerpunkte: Straßenbau, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Großprojekte wie der Ausbau der Wendelsteinstraße oder die Erschließung des Gewerbegebiets Marienberger Straße West wirken noch nach. Hinzu kommen neue Vorhaben wie ein Turnhallenboden für 360.000 Euro oder Planungskosten für das Feuerwehrhaus in Jarezöd. Auch der Unterhalt schlägt zu Buche: Allein für Gemeindestraßen sind über 900.000 Euro eingeplant. „Der Karolinenplatz wird im Sommer saniert, auch deswegen sind unsere Unterhaltskosten höher“, sagt Stangl.
Nach neuen Krediten 2025 – knapp 2,9 Millionen Euro – sind für 2026 keine weiteren vorgesehen. Stattdessen wird getilgt: Der Schuldenstand sinkt von knapp zehn auf rund 8,9 Millionen Euro. Dennoch bleibt die Pro-Kopf-Verschuldung im Vergleich zu ähnlich großen Gemeinden überdurchschnittlich hoch. Auch in den kommenden Jahren sollen keine neuen Schulden gemacht werden. „Zur Realisierung künftiger Maßnahmen ist der Verkauf von Grundstücken vorgesehen“, sagt Stangl.
Auch wenn der Haushalt 2026 ohne große Debatte beschlossen wurde: Der Gemeinde steht heuer nur noch ein enger finanzieller Rahmen zur Verfügung. Oder, wie es der Kämmerer in der Satzung selbst formuliert: Alle Einnahmemöglichkeiten ausschöpfen und die Ausgaben auf das „unbedingt notwendige Maß“ beschränken.