Diese Erfahrung mussten zumindest etliche Teilnehmerinnen gleich bei der ersten Spielrunde machen. Denn da galt es, einen Halbliterkrug mit Bier – alternativ Schorle – schnellstmöglich auszutrinken, sich dann umgedreht auf den Kopf zu setzen, damit das nächste Teammitglied sich an seinen Krug machen konnte.
Wer trinkfest ist,
ist klar im Vorteil
Klar, dass hier die trinkerprobten Männer – mit Ausnahme weniger trinkfester Frauen – die Nasen vorn hatten: Die schütteten das Nass scheinbar ohne zu schlucken einfach in sich hinein, während jene Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts sichtlich zu kämpfen hatten, den halben Liter wegzuschaffen.
Auch bei der nächsten Runde war Bier im Spiel, wenn hier auch weniger das Trinken das Problem war als vielmehr das Öffnen der Flasche. Das musste nämlich von einem Schubkarren aus erledigt werden, der von einem Teammitglied gesteuert wurde, dem man gemeinerweise die Augen verbunden hatte. Überraschenderweise konnte die Flasche, die auf einem Pfosten stand, fast immer zielgerecht angesteuert werden. Überraschend, weil es für den „blinden“ Schubkarrenlenker sicher nicht leicht war, herauszufinden, welcher von den Zurufen, die von den umstehenden Teammitgliedern auf ihn einprasselten, jetzt wohl der tatsächlich wegweisende war. Schwieriger gestaltete sich die Aufgabe des Schubkarreninsassen: Der musste die Flasche an dem in den Pfosten eingebauten Flaschenöffner erst einmal aufkriegen, um sie dann während des Hindernisparcours zu leeren.
Nass ging es weiter. Denn jetzt galt es, mit Schwämmen möglichst viel Wasser in einen Eimer zu bekommen. Natürlich nicht einfach so: Die Schwämme mussten geworfen werden, und ein Teammitglied sollte sie auffangen und dann in den Eimer ausdrücken. Das Problem dabei: Der „Fänger“ stand hinter einer Holzwand, die nur Löcher für Kopf und Arme hatte.
Einen Schwamm so zu fangen geht nur, wenn dieser wirklich zielgenau geworfen wird, denn große Bewegungsfreiheit hat der Mensch hinter der Holzwand ja nicht.
Mit Köpfchen
statt mit Tempo
Klar im Vorteil waren jene Mannschaften, die das Ganze etwas langsamer und überlegt angingen – also vor allem die mit vielen weiblichen Mitgliedern. Die Männer setzten teilweise auf brachiales Tempo und rissen deshalb gleich zweimal die Hindernisse, die es zu überwinden galt, bevor man zur Abwurflinie kam.
Da Highland Games zumindest teilweise im Freien abgehalten werden müssen, begann der Nachmittag vor dem Zelt mit Zweikämpfen auf einer Art Schwebebalken: Es galt hier nicht nur selbst die Balance zu halten, sondern zu versuchen, den Gegner mit einem Strohsack vom Balken herab ins Aus zu schicken. Auch hier gaben alle Teilnehmer alles, so sehr, dass nicht selten gleich beide vom Balken fielen.
Da das Wetter an diesem Tag echt „Highland-Games-artig“ oder, anders formuliert, richtig schottisch war – also alle fünf Minuten Sonne, Regen, Graupel im Wechsel. Manche der Wettkämpfe, die eigentlich als Outdoor-Veranstaltungen geplant waren, wie das Seilziehen, mussten doch wieder im Zelt ausgetragen werden. Was dem vollen Einsatz, den alle Teams hier zeigten, aber keinen Abbruch tat. Immerhin das Baumstammwerfen konnte dann doch noch draußen abgehalten werden. Eigentlich wollten die Schiedsrichter auf diesen Part wegen des ständig wechselnden Wetters verzichten, gaben aber gegenüber dem lautstarken Protest aller Teilnehmer klein bei: Nicht wenige hatten, wie sie meinten, sich vorher mit Probebaumstämmen darauf vorbereitet und wollten dieses Training nicht umsonst gemacht haben.
Unterm Strich waren die Highland Games eine Riesengaudi, nicht nur für die Zuschauer, sondern mindestens ebenso sehr für die zehn Teams selbst.