Anton Wallner muss gleich richtig ran

von Redaktion

Die neue Ära in Großkarolinenfeld hat begonnen. Neu-Bürgermeister Anton Wallner und die Gemeinderäte haben ihre Arbeit aufgenommen und in der ersten Sitzung wichtige Entscheidungen getroffen. Dabei ging es auch um die weiteren Bürgermeisterposten und erste Diskussionen kamen auf.

Großkarolinenfeld – Der Anblick sorgte für ein wenig Verwunderung. Auf dem Chefsessel saß plötzlich jemand ganz anderes. „Wenn sich jemand wundert, warum ich hier sitze: Das hat einen bestimmten Grund“, sagte Johann Kosek. Der Mann aus Großkarolinenfeld saß genau auf dem Platz im Sitzungssaal der Gemeinde, der eigentlich für den Bürgermeister reserviert ist. Direkt in der Mitte des Gemeinderats, zwischen den Verwaltungsmitarbeitern, mitten im Blickfeld aller Zuschauer. „Als ältester Gemeinderat habe ich die Ehre, unserem neuen Bürgermeister den Amtseid abzunehmen“, erklärte Kosek schmunzelnd.

Neuer Bürgermeister und
Gemeinderäte vereidigt

Bevor er das tat, war es ihm aber wichtig, in seiner ungewohnten Rolle noch eines zu betonen. „Wir hatten seit Langem wieder eine spannende Wahlentscheidung, es ging sehr eng zu. Aber: Ich sehe keinen Verlierer oder Gewinner. Einzig die Demokratie ist der klare Gewinner“, sagte Kosek. Er warf einen Blick zu Anton Wallner, der im März die Bürgermeisterwahl für sich entscheiden konnte, und fragte: „Geh ma’s an?“ Wallner, mit hellblauer Krawatte und im dunkelblauen Trachtenjanker, nickte, ein paar Minuten später war er ganz offiziell der neue Bürgermeister von Großkarolinenfeld.

Große Worte folgten nicht, es wurde gleich gearbeitet, direkt in die Tagesordnung eingestiegen. Mit seiner ersten Amtshandlung nahm Wallner den anderen „Neuen“ ihren Eid ab. Die sechs Anwesenden der sieben neuen Gemeinderäte holte er einzeln nach vorne – Patrick Bonnetsmüller, Alexander Eremeev, Jennifer Dürr, Annette Steinbauer, Thomas Lauricella und Hans Bodner. Und auch die neuen Mitglieder mussten gleich direkt „arbeiten“ – bei der Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters.

Vorschlagen durften die Gemeinderäte die Kandidaten. Die CSU schlug Irmi Huber vor. „Sie ist seit 18 Jahren im Gemeinderat, sie ist eine echte Großkarolinenfelderin und nicht zu vergessen: Sie hat bei der Wahl von allen Gemeinderäten die meisten Stimmen erhalten“, zählte Leonhard Krichbaumer (CSU) auf. Zudem sie wegen ihrer familiären Verbindung nach Tattenhausen die Ortsteile wie kaum ein anderer miteinander verbindet.

Die Freien Wähler-GBV nominierten Josef Baumann. Er habe zwar die Bürgermeisterwahl knapp verloren, viele Stimmen habe er dennoch erhalten. Der Wählerwille zeige, dass er Zweiter Bürgermeister werden sollte, betonte Sepp Lausch (FW). Als „Fingerzeig für die Zusammenarbeit, das Zwischenmenschliche und zum Wohle der Gemeinde“ sei Baumann so die logische Wahl. Mit 13:7 Stimmen entschieden sich die Gemeinderäte für Irmi Huber als Zweite Bürgermeisterin – eine Entscheidung, die den lautesten und längsten Applaus des Abends bescherte.

Im Amt des Dritten Bürgermeisters ändert sich nichts. Wie in den vergangenen sechs Jahren übernimmt das Roman Hörfurter. „Der Vermittler zum Wohle der Gemeinde“, wie Hans Kosek betonte. Mit seiner Erfahrung ergänze er die beiden anderen „Neulinge“. Mit 12:8 Stimmen setzte sich Hörfurter gegen Michael Höhensteiger durch. „Wenn es mal wieder heiß hergeht, werde ich die Wogen glätten, damit wir zur Sachlichkeit zurückkehren“, versprach der alte neue Dritte Bürgermeister.

Für Michael Höhensteiger hatte Anton Wallner allerdings noch eine Überraschung. Für den Fall, dass alle drei Bürgermeister verhindert sind, soll er der erste Vertreter der Gemeinde sein. Normalerweise fällt die Aufgabe dem dienstältesten Gemeinderat zu. Jetzt soll zuerst Höhensteiger, in dem die Freien Wähler-GBV „großes Potenzial“ sehen, einspringen.

Danebenbenehmen
kann teuer werden

Änderung gibt es nicht nur in der Vertretungsreihenfolge, sondern auch in der Geschäftsordnung der Gemeinde. Und der ein oder andere Punkt schmeckte nicht jedem. So sollte das Ordnungsgeld für Gemeinderäte, die die Sitzungen grob stören oder ausfallend werden, von 300 Euro beziehungsweise 600 Euro für den Wiederholungsfall auf 500 und 1000 Euro erhöht werden. Vor allem die Freien Wähler-GBV hatten dabei „Bauchweh“. „300 Euro sind für Ehrenamtliche schon viel Geld“, sagte Lausch. Zumal in Großkaro die Regelung ohnehin wohl nicht gebraucht werde.

Dem stimmte auch Wallner zu. Er glaube nicht, dass sich die Gemeinderäte untereinander beschimpfen. „Aber es ist manchmal ganz gut, wenn man weiß, dass der Rat auf Entgleisungen reagieren kann. Und vielleicht ist das für die Zusammenarbeit hilfreich“, betonte der Bürgermeister. Nach kurzer Diskussion über die Sinnhaftigkeit beließen die Mitglieder des Gremiums das Ordnungsgeld dennoch bei 300 und 600 Euro. Geändert wurde aber die Größe der Ausschüsse. Statt bislang sechs Mitglieder sitzen nun acht Gemeinderäte in den Gremien.

Respektvoller Umgang
soll das Ziel sein

Bevor diese jetzt so richtig in die neue Legislaturperiode „durchstarten“, war es Wallner am Ende doch noch wichtig, ein paar persönliche Worte loszuwerden. „Wir stehen vor wichtigen Aufgaben und Entscheidungen, die das Leben unserer Bürger in unserer Kommune beeinflussen werden“, sagte er. Die Gemeinde zeichne sich durch Zusammenhalt, Offenheit und Engagement aus. „Diese Werte sollten wir auch in unserer Arbeit als Gemeinderat leben und stärken. Lasst uns konstruktiv und respektvoll zusammenarbeiten.“ Er freue sich jetzt, „gemeinsam die Zukunft von Großkarolinenfeld zu gestalten“.

Artikel 1 von 11