Aschau im Chiemgau – Große Freude in der Pfarrgemeinde: Nach monatelanger, aufwendiger Restaurierung ist ein bedeutendes Stifterbild aus der Barockzeit in die Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ zurückgekehrt. Das auf einer außergewöhnlich großen Kupferplatte gemalte Kunstwerk wurde in den Werkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) in München restauriert und ist nun wieder für die Öffentlichkeit sichtbar.
Wichtiges Zeugnis
der Regionalgeschichte
Das rund 160 mal 55 Zentimeter große Gemälde gilt als kunsthistorisches Kleinod und zugleich als wichtiges Zeugnis der Regionalgeschichte. Nach der feierlichen Rückgabe hat es seinen Platz neben dem Eingangsportal der Pfarrkirche eingenommen.
Lange Zeit führte das Werk ein Schattendasein. Die stark verschmutzte Stiftertafel lagerte in der Sakristei und geriet weitgehend in Vergessenheit. Erst im Herbst 2023 rückte sie wieder ins öffentliche Interesse, als Kreisheimatpfleger Karl J. Aß das dem Priener Barockmaler Jakob Carnutsch zugeschriebene Gemälde im Rahmen einer Ausstellung über vergessene Künstler im Chiemgau präsentierte.
Dort wurde Regina Bauer-Empl, Restauratorin der Hauptabteilung Kunst der Erzdiözese München und Freising, auf das Werk aufmerksam. Besonders bemerkenswert sei die Verwendung einer großformatigen Kupferplatte als Bildträger. „Meist finden wir Kupfer auf kleinen Votivtafeln oder als Druckplatte für Grafiken. Ein Gemälde dieser Größe auf Kupfer ist eine Seltenheit und zeugt von hoher Qualität“, erklärt sie.
Die Restaurierung stellte die Fachleute vor große Herausforderungen. Vor allem die Randbereiche waren durch Abplatzungen, Kratzer und Verformungen stark beschädigt. Verschmutzungen und gelöste Farbschichten verdeckten viele Details.
„Durch die Arbeiten konnten Farbwirkung und zahlreiche Details zurückgewonnen werden. Gleichzeitig bleibt das empfindliche Material für kommende Generationen erhalten“, betonte Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.
Möglich wurde das Projekt auch durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Clubs Chiemsee. Zudem lieferte die Aschauer Historikerin Martina Stoib mit einer aktuellen Forschungsstudie wichtige neue Erkenntnisse zur Geschichte des Bildes und seiner Stifterfamilie.
Als Urheber des Gemäldes wird der Barockmaler Jakob Carnutsch (1650 bis 1716) vermutet, der unter anderem für die Schlösser Ho- henaschau und Wildenwart tätig war. Im Zuge der barocken Umgestaltung der Aschauer Pfarrkirche soll er im Jahr 1702 den Auftrag für das Stifterbild erhalten haben.
Im Mittelpunkt der Darstellung steht die wohlhabende Hofwirtsfamilie Mayr von Niederaschau. Auftraggeber war der Unternehmer Thomas Mayr, Besitzer des „Hofwirts“ – heute die Residenz Winkler. Durch Beteiligungen am Bergbau, an der Binnenschifffahrt, am Weinhandel und als Großbauer gelangte er zu beträchtlichem Reichtum. Auf dem Gemälde ließ er sich gemeinsam mit seiner Familie vor dem Altar der Münchner Herzogspitalkirche mit dem wundertätigen Marienbild darstellen.
Die kunstvoll ausgearbeiteten Wappen, die prächtigen Gewänder und die Porträts spiegeln den hohen gesellschaftlichen Rang der Familie wider. Gleichzeitig erzählt das Bild aber auch von den Schattenseiten der Zeit: Im Vordergrund sind 18 gefatschte Kinder zu sehen, die durch kleine Kreuze als verstorben gekennzeichnet sind. Sie erinnern an die hohe Kindersterblichkeit des frühen 18. Jahrhunderts.
Die Erbin setzte sich
selbst ein Denkmal
Wie Historikerin Martina Stoib herausfand, wurde das Gemälde später mehrfach erweitert. Nach 1707 sowie zwischen 1753 und 1755 kamen weitere Familienmitglieder hinzu. Maßgeblich verantwortlich dafür war vermutlich Maria Anna Mayr, die erfolgreiche Erbin des Hofwirts und Stifterin der benachbarten Kreuzkapelle. Mit der Ergänzung ihrer eigenen Familie setzte sie sich ebenfalls ein Denkmal – und schuf zugleich ein einzigartiges Zeugnis der Aschauer Familien-, Sozial- und Kirchengeschichte.
Aschaus Pfarrer Paul Janssen zeigte sich bei der Rückkehr des Kunstwerks besonders erfreut. Das Stifterbild sei nun wieder „zum Sprechen gebracht worden“ und könne seine Geschichte erneut den Menschen erzählen.