Vergangenheit oder Zukunft: Gute Idee mit Haken

von Redaktion

Wird die leer stehende Schule Thansau zum Kindergarten oder gibt es einen neuen Rahmenplan für den Rohrdorfer Ortsteil?

Rohrdorf – Manche Ideen scheinen auf der Hand zu liegen – und haben bei näherer Betrachtung doch erhebliche Haken. Diese Erfahrung musste auch der Gemeinderat machen, bei dem Bemühen nämlich, die alte Thansauer Schule einer neuen Nutzung zuzuführen – und hier sogar doppelt.

Seit anderthalb Jahren steht sie teilweise leer, denn die Schüler sind nach Rohrdorf umgezogen, nur der Hort und ein Büro des TSV Rohrdorf-Thansau sind verblieben. Auf der anderen Seite benötigt Thansau dringend ein weiteres „vernünftiges“ Kindergartengebäude, denn derzeit sind sowohl in Thansau als auch in Achenmühle mehrere Gruppen in einer Containeranlage untergebracht.

70.000 Euro pro Jahr

an Container-Miete

Der Begriff macht die Situation schlimmer, als sie ist, denn solche mobilen Kindergartenbehausungen stehen in vielen Gemeinden und sind im Inneren kaum von einem echten Gebäude zu unterscheiden. Dennoch: Ein richtiger Kindergarten ist schon noch einmal etwas anderes, nicht zuletzt wegen der erheblichen Containermiete, die sich in Rohrdorf auf jährlich rund 70.000 Euro beläuft.

Was also lag näher als die Überlegung, aus der leer stehenden Schule einen Kindergarten zu machen? Auch dem Gemeinderat erschien das auf den ersten Blick als eine optimale Idee. Er erkannte aber schnell, dass es mit einigen kleineren Anpassungen nicht getan sein würde: Aus einer Schule einen Kindergarten zu machen, ist rechtlich eine Umnutzung und diese kann nur dann erfolgen, wenn alle Baubestimmungen, die bei einem Neubau zu beachten sind, auch erfüllt werden.

Dem Gemeinderat war deshalb klar, dass fachliche Expertise gefragt war und er beauftragte ein Architekturbüro mit einer Untersuchung. In der sollte geprüft werden, welche Veränderungen tatsächlich und mit welchen Kosten nötig wären, um die Schule als Kindergarten für zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen nutzen zu können. Gegebenenfalls noch mit einem zusätzlichen Mehrzweckraum, den der TSV für Fitnesskurse nutzen könne. Dieser Prüfung sollte eine zweite Variante gegenübergestellt werden: Abriss des alten Schulgebäudes und Neubau eines Kindergartens an gleicher Stelle.

Die Studie wurde nun dem Gemeinderat vorgestellt. Das Ergebnis: Beide Varianten wären möglich und beide wären nach einer ersten Kostenhochrechnung ähnlich teuer: 6,8 Millionen Euro für die Umnutzung inklusive einer nötigen Aufstockung des Nordteils, 7,25 Millionen Euro für einen Neubau.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile: Bei einer Weiternutzung des bestehenden Gebäudes läge in der positiven Waagschale der Erhalt einer in gewissem Sinn durchaus historisch bedeutsamen Bausubstanz: Die Schule ist schließlich Anfang der 50er-Jahre von den Thansauer Bürgern in eigener Arbeit errichtet worden und damit zweifellos ein identitätsstiftendes Bauwerk. Dafür aber könnte verständlicherweise das Raumprogramm nicht ganz so optimal angelegt werden wie bei einem Neubau. Der wäre von vornherein ohne Einschränkungen auf seine Nutzung hin optimiert, allerdings bei völligem Verlust eines wesentlichen Stücks der Thansauer Ortsgeschichte.

Gegenüber dieser Sachlage sah sich der Gemeinderat hin- und hergerissen. Die Betrachtung der reinen Kosten brächte – wie Hans Reck (CSU) äußerte – jedenfalls keine Entscheidungshilfe. Zwar sei der Neubau nach der Kostenschätzung um rund eine halbe Million Euro teurer. Das aber sei eine Summe, die bei den Überraschungen, die jede Sanierung eines Altbaus erfahrungsgemäß mit sich brächte, schnell aufgefressen sein könnte.

Während der Diskussion über das jeweilige Für und Wider kam dann ein neuer Gedanke ins Spiel: Seit der Beauftragung der Variantenerstellung habe sich ja einiges in Thansau getan: Mittlerweile rücke der Gedanke, auf dem Renolit-Gelände eine Wohnbebauung zu errichten in die Nähe konkreter Planungen. Es sei unabdingbar, so meinte Dr. Anette Wagner (BR), diese Entwicklung in die Überlegungen mit einzubeziehen. Und dabei gehe es nicht nur um zusätzliche Kindergartenplätze, die durch Zuzug auf dem Renolit-Gelände notwendig würden, sondern auch um weiteren Bedarf für Vereine und Kultur.

Für den Bürgermeister
plötzlich Grundsatzfrage

Für Bürgermeister Simon Hausstetter wurde die Diskussion an dieser Stelle nun aber ganz grundsätzlich: Wenn man davon ausgehe, dass das Renolit-Gelände mit Wohnraum bebaut werde, dann stelle sich die Frage, ob nicht von vornherein ein neuer, ganz anderer Kindergarten-Standort sinnvoll sein könnte. Damit hingen dann aber auch Fragen nach der seit Jahren geplanten Umgestaltung des Thansauer Festplatzes, nach einem geeigneten Feuerwehr-Standort und der Schaffung von Mehrzweckräumen für Sport und Kultur zusammen. Es brauche also eine Art Rahmenplanung für den gesamten Ort und keine nicht durchdachten Einzellösungen.

Damit, das sah auch der Gemeinderat einstimmig so, sind die Karten in der Kindergarten- und Schulnutzungsfrage noch einmal völlig neu gemischt. Da es sich aber um ein Projekt handle, das weit in die Zukunft weise, sei es sinnvoll, dass sich der neue Gemeinderat damit beschäftige und das am besten in der Form einer ausschließlich dafür anberaumten Sondersitzung.

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