Stephanskirchen – Nach der Kommunwalwahl am 8. März hat mit dem Mai auch die Amtsperiode des neuen Gemeinderates begonnen. Bei der konstituierenden Sitzung leisteten nicht nur die acht neu ins Gremium gewählten Mitglieder ihren Eid. Gleichzeitig stimmte der Rat über die Vertreter ab, die Karl Mair bei den Aufgaben des Bürgermeisters unterstützen. Obwohl sich in beiden Wahlgängen mindestens eine Frau zur Wahl stellte, unterlagen sie ihren männlichen Mitbewerbern deutlich.
Anerkennung und
Vertrauensvorschuss
Bevor es an die Vereidigung der neuen Gemeinderäte ging, läutete Bürgermeister Mair (Parteifreie) die Sitzung mit einer Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen Sebastian Liebl ein. Liebl war von 1978 bis 1996 über drei Amtsperioden Mitglied des Gemeinderates und hätte in seiner Amtszeit dazu beigetragen, dass die Gemeinde „über das reine Flächenwachstum hinaus auch an Lebensqualität gewinnt“, so Mair.
Er bedankte sich für das Wahlergebnis von über 86 Prozent, das ihm die zweite Amtszeit als Rathauschef gesichert hat. „Ein Zeugnis der Anerkennung für die Arbeit der vergangenen sechs Jahre und ein Vertrauensvorschuss zugleich.“ Er betonte, dass in diesem Gemeinderat erstmals drei Mitglieder unter 30 Jahren dabei seien. „Das letzte Mal, dass ein Gemeinderat unter 30 Jahren gewählt wurde, war 2002. Und das war ich selbst“, so Mair amüsiert.
Als „sehr schade“ bezeichnete der Rathauschef den Frauenanteil innerhalb des Gremiums. Lediglich vier Gemeinderätinnen bringen künftig die weibliche Perspektive ein. Auch wenn Frauen die Hälfte der Gesellschaft ausmachten, sei es letztlich der Wählerwille, der so entschieden hätte.
Mair betonte die generationelle Vielfalt des Gremiums, das für die kommenden sechs Jahre aus sieben Gruppierungen/Parteien bestünde. Erstmals seit 1946 hätte die SPD keine Fraktionsstärke erlangt. Dafür seien laut Geschäftsordnung zwei Sitze nötig. AfD und Freie Wähler hingegen würden diese erstmals erreichen. Mair appellierte an alle Ratsmitglieder, den respektvollen Umgang miteinander zu wahren und „im Sinne der Gemeinde“ an einem Strang zu ziehen. „Wir machen keine Bundes- oder Landespolitik, sondern für die Kommune.“
Anschließend nahm er Mirko Hentsche (Freie Wähler), Ludwig Labonte (CSU), Leonhard Lechner (CSU), Doris Reisinger (Grüne), Harald Schoger (AfD), Bernhard Stein (Freie Wähler), Martin Thanner (Parteifreie Bürger) und Michael Wiesheu (CSU) den Eid ab.
Spannend wurde es bei der Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters: Florian Beck (Bayernpartei) schlug Fraktionskollegen Robert Zehetmaier vor, der bereits in den vergangenen sechs Jahren gezeigt hätte, „dass er zu jeder Zeit erreichbar und der Beste für den Job“ wäre. Janna Miller (Grüne) warb für sich selbst, da sie „Zeit und Lust hätte, sich zu engagieren“. Nach zwölf Jahren im Kreistag und ihrer beruflichen Tätigkeit bei einer Behörde verfüge sie über ausreichend Erfahrungen für das Amt. Das Ergebnis: 21 zu vier Stimmen für Zehetmaier, der die Wahl annahm.
Bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister kandidierte Miller erneut. Stephan Mayer (Parteifreie Bürger) schlug Fraktionskollegin Christine Wallisch vor, die „als Frau aus der Mitte der Bevölkerung und des Gemeinderates ihr ehrenamtliches Engagement in den vergangenen sechs Jahren unter Beweis gestellt“ hätte. Günther Juraschek (CSU) warb für Fraktionskollege Thomas Hoffmann, der als „Teilzeit-Rentner“ nun ausreichend Zeit für den Job hätte. „Er kennt die Gemeinde und die Gemeinde kennt ihn“, so Juraschek. Mit 14 Stimmen setzte sich Hoffmann gegen die beiden Frauen durch.
Sollten alle drei Bürgermeister verhindert sein, übernehmen Matthias Wenig (Grüne) und Christine Wallisch (Parteifreie Bürger) die Aufgabe als Stellvertreter. Was folgte, waren formale Angelegenheiten: die Änderung der Geschäftsordnung, die Besetzung der Ausschüsse sowie die Bestellung der Verbandsräte für den Abwasserzweckverband Simssee.
Erste Wortmeldung:
„Ich will zum Seefest“
Bei der Bekanntgabe des ersten Klausurtermins des Gemeinderates wies Michael Wiesheu (CSU) mit seiner ersten Wortmeldung als Gemeinderat darauf hin, dass am gleichen Datum das Seefest stattfindet und bat Mair, den Termin zu verschieben. Der Rathauschef entgegnete, der Termin sei bewusst so gewählt, da das Gremium in der Vergangenheit im Anschluss an die Klausur zusammen zum Seefest ging. „Es wird in Zukunft öfter zu Überschneidungen kommen. Bitte sehen Sie zu, dass Sie an wichtigen Terminen teilnehmen“, sagte Mair.