Raubling – Markus Böck steht in einem grünen Shirt inmitten seiner vielen Pflanzen, die Ärmel hochgekrempelt. Der 49-Jährige ist Gärtnermeister und liebt seinen Job – vor allem, weil er jeden Tag „mit etwas Lebendigem arbeiten“ kann. Die Gärtnerei „Blumen Böck“ in Raubling hat er 2013 von seinen Eltern übernommen. Doch Böck kennt sich nicht nur mit Blumen aus – er weiß auch einiges über Gemüsepflanzen. Und vor allem, welche davon man im Beet und welche sogar auf dem Balkon ziehen kann.
Italienkräuter
für den Balkon
„Hier haben wir Italienkräuter“, sagt Böck und deutet auf Rosmarin, Thymian, Salbei und Oregano. Für den Balkon könne man sich daraus einen Kasten zusammenstellen und die verschiedenen Kräuter hineinpflanzen. „Da hat man alles für den täglichen Gebrauch zusammen“, so der Gärtnermeister. Den Kasten platziert man am besten an einem schönen, hellen Standort.
Gut eignet sich Erde mit Tonanteil, denn diese kann Wasser besser speichern. Dennoch müsse man an manchen Tagen im Sommer zweimal gießen. „Die Pflanzen sind schnell beleidigt, wenn sie mal zu lange trocken stehen“, sagt Böck. Alternativ könne man einen Wasserspeicherkasten kaufen. „Der ist ein bisschen teurer in der Anschaffung, hat aber am Boden ein Reservoir, in dem Wasser aufbewahrt wird“, sagt Böck. Diese Kästen seien gerade für die sehr sonnigen Standorte geeignet.
Inzwischen gibt es sogar einige Gemüsesorten, die gut mit den Bedingungen auf dem Balkon zurechtkommen – zum Beispiel kleinwüchsige Pflanzen wie die Balkontomate. Pflücksalat könne ebenfalls gut auf dem Balkon gepflanzt werden. Davon erntet man jeweils nur ein paar Blätter. „Letztlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Böck. Wer genug Platz hat, könne sogar einen großen Topf mit Bohnen oder Schlangengurken auf dem Balkon unterbringen.
Im Normalfall sind diese aber im Beet besser aufgehoben. Genau wie Karotten, Tomaten oder auch Zucchini. Das Beet sollte im Garten einen sonnigen Platz bekommen. In den Boden könne man vorab organischen Dünger einarbeiten. „Optimalerweise vielleicht sogar schon im Herbst“, sagt Böck. So zersetzt sich die Masse bereits und im Frühjahr muss das Beet nur noch „gut durchgegraben“ werden.
Auch bei wenig Platz können Hobbygärtner ihre Leidenschaft ausleben. Blumen funktionieren immer, sagt der Erste Vorsitzende des Kleingartenvereins Rosenheim, Rainer Schulze. „Wenn es nicht gerade Sonnenblumen sind, die sehr hoch wachsen, viele Nährstoffe ziehen und einen großen Wurzelballen haben“, betont er. Einige Gemüsesorten klappen ebenfalls: „Kohlrabi, Rettich und Radieserl lassen sich in kleinen Gärten gut ziehen“, sagt Schulze. Schwierig werde es mit Zucchini, Kürbis oder Gurken. Diese Pflanzen benötigen viel Platz. Bei allen Überlegungen, was im Beet angebaut wird, sei eines entscheidend: „Was man selbst gerne isst“.
Ob klein oder groß, ein Beet will gepflegt werden. „Das Gießen am Morgen ist wichtig“, betont Schulze. Gelegentlich könne man die Erde aufhacken, besonders bei Trockenheit oder nach einem Regenguss. Unkräuter, die von allein aufgehen, sollten entfernt werden. „Giersch ist ein sehr lästiger Geselle, der permanent entfernt werden muss“, betont Schulze. Sonst übernehme er die „Weltherrschaft“ im Beet.
Pflanzenpartnerschaften
sind von Vorteil
Von Vorteil sind außerdem sogenannte „Pflanzenpartnerschaften“, wie Gärtnermeister Markus Böck erklärt. „Es gibt Pflanzen, die sich gegenseitig gut ergänzen“, sagt er. So könne man etwa Zwiebeln mit Karotten kombinieren oder auch Gemüse und Kräuter. „Oft ist es so, dass der Geruch und die Wurzeln von Knoblauch Insekten fernhalten“, erklärt Böck. Andere Pflanzen würden Insekten wiederum anziehen, was auch positiv sein kann: „Dann sind gleich Bestäuber da.“
Man sollte aber auf das Unkraut achten, wie Böck betont. „Am besten die Erde regelmäßig durchhacken oder ausgrasen“, empfiehlt der Gärtnereichef. Der Boden sollte nährstoffreich sein. In der Region sei die Erde aber meist ohnehin recht gut, da sie mit einem Lehmanteil ausgestattet ist, der Wasser gut speichert.
Wer einen Boden hat, auf dem die Pflanzen gedeihen, hat oftmals ganz andere Probleme. „Schnecken sind eine Herausforderung“, sagt Böck. Der Standort des Beetes mache allerdings schon viel aus. Es sollte etwa nicht in der Nähe einer großen Hecke liegen. Im Hochbeet sei es leichter, die Schnecken fernzuhalten. Alternativ arbeiten manche Gärtner mit Schneckenzäunen oder Kupferbändern, die die Tiere fernhalten sollen.
„Wenn es keine Gemüsepflanzen sind, kann man mit einem naturnahen Schneckenkorn auch mal ein bisschen Abhilfe schaffen, weil man sonst gegen einen extrem dominanten Feind anarbeitet“, betont Böck. Er gibt aber zu, dass es ein bisschen Nervenstärke im Umgang mit Schnecken braucht. „Es ist immer ärgerlich, wenn über Nacht alles futsch ist.“
Das Problem hat man auf dem Balkon seltener. Wer hier kein Gemüse anbauen will, kann ihn sich trotzdem mit Blumen schön einrichten. „Ganz klassisch sind Hängepetunien oder Geranien“, sagt Gärtnermeister Markus Böck. Gut funktionieren auch die Edelpelargonie, die Solanum-Stämmchen oder die Margerite. „Das sind so klassische Pflanzen, die den Sommer über auf dem Balkon bleiben und im Winter im Keller untergebracht werden“, erklärt Böck.
Beeren kommen sowohl auf dem Balkon als auch im Garten gut zurecht, etwa spezielle Hängeerdbeeren oder Balkonhimbeeren. Vor allem Heidelbeeren liegen Böck zufolge derzeit im Trend. „Heidelbeeren kann man im Topf auf dem Balkon ziehen“, sagt der Gärtner. Dafür sollte allerdings Moorbeeterde verwendet werden – sowohl im Garten als auch im Topf.
Heidelbeeren wachsen
im Beet und im Topf
Ist die Heidelbeere im Garten eingepflanzt, kommt sie besser mit dem Winter klar. „Da wächst sie gut in den Boden ein. Man kann eine Frostschutzhaube darüber geben und sie gedeiht trotzdem“, erklärt Böck. Ein Balkongärtner müsse etwas improvisieren, etwa den Topf in eine Ecke rücken und unten schön einpacken oder die Erde mit Reisig zudecken, damit nichts durchfriert.
Doch auch für alle, die weder Garten noch Balkon haben, gibt es in Rosenheim eine grüne Oase: den Kleingartenverein. „Leider sind wir für die nächsten Jahre mit Wartenden ausgebucht“, sagt Vorsitzender Rainer Schulze. Wer allerdings eine Zeit abwarten könne, sei herzlich willkommen. „Alle Interessenten können sich auf unserer Homepage informieren und Kontakt mit uns aufnehmen“, betont er.