Kranke Familie nach Nigeria abgeschoben

von Redaktion

Eine alleinerziehende Mutter aus Bad Endorf ist mit ihren zwei Kindern nach Nigeria abgeschoben worden. Helfer sprechen von einer überraschenden Abholung in der Nacht. Aufgrund des medizinischen Zustandes der Familie bleiben offene Fragen.

Bad Endorf/Bad Feilnbach – Es ist das traurige Ende für eine hoffnungsvolle Familie und deren Umfeld in Bad Endorf. Seit mehr als einem halben Jahr stellte das Leben Happiness A. und ihre beiden sechs- und siebenjährigen Kinder auf eine harte Probe. Die 27-Jährige, eine alleinerziehende Mutter aus Bad Endorf, kam vor sieben Jahren als Flüchtling aus Nigeria nach Deutschland, zog zwei hier geborene Kinder groß und galt in ihrem Umfeld als integriert. Seit Herbst 2025 stand, wie berichtet, jedoch fest, dass sie das Land verlassen muss. Was eigentlich bereits im November vergangenen Jahres hätte geschehen sollen.

Doch die Familie befand sich in einem denkbar schlechten Zustand und es gelang in den vergangenen Monaten immer wieder, eine Aufschiebung der Abschiebung zu erreichen. Bis vor wenigen Tagen. „Jetzt kam nachts die Polizei“, erklärt nun Elisabeth Haus, Mitglied des Endorfer Helferkreises und seit Jahren an der Seite der Familie. Happiness A. und ihre Kinder seien zum Flughafen gebracht worden. Der Flug nach Nigeria ging um 6 Uhr.

In den vergangenen Jahren hatte die junge Frau, die mit ihren Kindern in einer Gemeinschaftsunterkunft lebte, stets eine Duldung erhalten, was keinem Aufenthaltstitel entspricht. Das hatte auch das Landratsamt auf OVB-Nachfrage bestätigt. Im Oktober 2025, als sie erneut bei der Ausländerbehörde ihre Duldung verlängern lassen wollte, wurde der 27-Jährigen jedoch stattdessen eine „Grenzübertrittsbescheinigung“ ausgehändigt mit der Aufforderung, den Schengenraum zu verlassen. Ihr und einem Helferkreis war es bis zuletzt gelungen, die Ausreisefristen immer wieder zu verlängern. Denn: „Ich kann mich nicht selbst versorgen, da ich an Sichelzellanämie leide“, hatte Happiness A. gegenüber dem OVB erklärt.

Familie auf medizinische Versorgung angewiesen

So habe die junge Frau in den vergangenen Jahren mehrmals die Intensivstation aufsuchen und Bluttransfusionen sowie andere lebensrettende medizinische Versorgung erhalten müssen. Auch die Kinder haben besonderen Förderbedarf, bei ihrer Tochter ist Autismus diagnostiziert. Nicht nur eine Pflegefamilie aus Bad Feilnbach, die in bestimmten Notfällen der Mutter auf die Kinder aufpasste, auch der Helferkreis Bad Endorf unterstützte die Familie seit Jahren und hoffte bis zuletzt, dass man eine „Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen“ erwirken könne.

Happiness A. bekam seitens der Ausländerbehörde im Dezember eine Art „to-do-Liste“, wonach sie die medizinischen Dokumente und Pässe beschaffen und einen Gerichtsbeschluss zum alleinigen Sorgerecht erwirken sollte. Zudem hatte Happiness’ Gastroenterologe einen Arztbrief verfasst, in dem der Mediziner auf die Schwere der Erkrankung hinwies und infrage stellte, ob eine entsprechende Behandlung in Nigeria gewährleistet werden könnte. Dabei sprach er von potenzieller Lebensgefahr und hielt es deshalb aus medizinischer Sicht für unverantwortlich, die Patientin abzuschieben. Lange Zeit versuchte die Mutter, ihre Kinder vom belastenden „Schwebezustand“ abzuschirmen und ihnen einen halbwegs sorgenfreien Alltag, etwa mit Schule, zu ermöglichen. Doch es half letztlich alles nichts.

Familie in Lagos gelandet, Mutter hat sich gemeldet

„Ich war noch dort, konnte aber die Polizei nicht mehr überzeugen“, berichtet Elisabeth Haus von den dramatischen Augenblicken, in denen die Familie abgeholt wurde. Happiness habe seit einigen Tagen eine akute Schmerzkrise, daher hatte Haus den Krankenwagen gerufen, „aber die Polizei hat die Sanitäter nicht zu ihr gelassen“. Daraufhin schickte sie alle medizinischen Dokumente an die Notfallambulanz am Flughafen.

Laut Haus kam die Abschiebung „vollkommen überraschend“, da nach Angaben der Ausländerbehörde die medizinischen Unterlagen seitens des Gesundheitsamtes noch geprüft wurden. „Happiness hat bis heute keinen Bescheid über das Ergebnis dieser Prüfung erhalten“, sagt Haus. Das Asylverfahren sei ebenso noch nicht abgeschlossen gewesen. Ihre große Sorge: „Sie hat in Nigeria eine viel kürzere Lebenserwartung.“ Auch ihre autistische Tochter habe dort mit großen Problemen zu rechnen.

Klar ist: Die Familie ist mittlerweile sicher in Lagos gelandet. Von dort aus geht es weiter zu Verwandten nach Edo State. Haus hatte noch keine Gelegenheit, zu erfahren, wie es den Kindern geht, „aber Happiness hat eine Sprachnachricht hinterlassen, auf der sie gefasst und ruhig klang“. Viele weitere Hintergründe, etwa wie es für die Familie dort weitergeht und warum es nun doch – für die Familie so überraschend – zur Abschiebung kam, gilt es nun zu klären.

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