Rohrdorf – Deutlich zu spüren war er bei der konstituierenden Sitzung des Rohrdorfer Gemeinderates: der Wille zu einem gemeinsamen Aufbruch. Es ist nun beileibe nicht so, dass sich der Rat in der vergangenen Legislaturperiode nur in Grabenkämpfen verrannt hätte. Der Rat hat durchaus viel vorangebracht für Rohrdorf und war in Sachentscheidungen sehr häufig auch einer Meinung.
Dennoch teilten offenbar alle Fraktionen das Gefühl, dem Sebastian Hauser (CSU) Ausdruck verlieh, als er sagte: „Die letzten sechs Jahre waren nicht einfach und für die Zukunft ist es wichtig, dass wir zu einer richtig vertrauensvollen Zusammenarbeit zusammenfinden. Denn der Bürger verlangt von uns nicht Streit, sondern ein konstruktives Miteinander.“
Jahrzehntelangen Zwist
nicht mehr weitertragen
Bürgermeister Simon Hausstetter sah das ähnlich, weshalb er dafür warb, das, was war, hinter sich zu lassen. Nicht zuletzt deswegen, weil manche Uneinigkeit gewissermaßen aus früheren Jahrzehnten ererbt sei. Die weiter zu tragen sei unsinnig. Das, so fuhr Hausstetter fort, solle aber keinesfalls bedeuten, dass es in Zukunft keine engagierten Diskussionen geben werde, die seien vielmehr äußerst wichtig. Selbst Streit werde es auch in Zukunft vielleicht das eine oder andere Mal geben. Entscheidend sei nur, dass man immer wieder schnell zur Sachebene zurückfinde und vor allem eine Diskussionskultur pflege, die zumindest auf Respekt, vielleicht sogar auf Vertrauen fuße.
Leichter gemacht wird dieses Loslassen uralter Querelen vielleicht auch durch die Tatsache, dass die sechs neuen Gemeinderäte – Markus Erlich, Vitus Schauer, Franz Steiner,
Dr. Christoph Habersetzer, Nadine Salomon und Leo Fischbacher – durchweg jüngeren Alters sind. Und auch ganz prinzipiell darf man vermuten, dass sich die jetzige Mischung des Rates aus den „alten“, erfahrenen Profis im Gemeinderatshandwerk und den jungen Neueinsteigern vorteilhaft auswirken wird.
Dass dieser Geist eines Neuanfangs zumindest in der ersten Sitzung tatsächlich vorhanden war, zeigten die Wahlen zum ersten und zweiten Bürgermeister-Stellvertreter. Zwar fielen die Ergebnisse denkbar knapp aus – 11 zu 10 Stimmen für Martin Fischbacher (Bürgerblock) gegen Maria Haimmerer (CSU), ebenfalls 11 zu 10 Stimmen für Josef Höß (Freie Wähler) gegen Vitus Schauer (CSU). Dennoch hatten diese knappen Abstimmungen keinerlei Auswirkungen auf die positive Atmosphäre in der weiteren Sitzung.
Bei der wurden auch durchaus Weichen gestellt, etwa bei einem der wichtigsten Punkte einer konstituierenden Sitzung, dem Beschluss einer Geschäftsordnung für die kommenden sechs Jahre. Hier wird es eine Änderung bei der Behandlung von Bauanfragen geben. In das Gesamtgremium kommen zwingend nur noch die Angelegenheiten, die auch eine Änderung des Flächennutzungsplans erfordern. Das ist erfahrungsgemäß bei allen größeren Bauvorhaben der Gemeinde der Fall.
„Kleinere“ Entscheidungen wie Bebauungsplanänderungen werden in Zukunft vom Bauausschuss behandelt, der Entscheidungen, die sich während der Beratung als komplizierter herausstellen sollten, jedoch jederzeit ans Gesamtgremium übergeben kann. Unterm Strich erhofft man sich so eine deutliche Entlastung des Gemeinderates, der dadurch mehr Zeit für die Erörterung der vielen anderen wichtigen Themen hat, die auf seinen Tisch kommen.
Auch soll es noch mehr Transparenz über die vom Gemeinderat getroffenen Entscheidungen geben, ein Wunsch, den Katharina Breitrainer (Freier Wählerblock Höhenmoos-Achenmühle) in die Diskussion einbrachte. In Zukunft sollen nämlich nicht nur die einzelnen Beschlüsse protokolliert werden, sondern zumindest in groben Zügen auch die Diskussion, die zu ihnen führte. Bürgermeister Hausstetter hielt dies für ausgesprochen sinnvoll, weil es damit möglich sei, nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die jeweiligen Entscheidungswege eindeutig nachzuvollziehen.
Gutes Signal:
Gemeinsam zum Wirt
Noch ein Detail sei erwähnt, das vielleicht als Nebensächlichkeit erscheinen mag, aber durchaus beschreibt, in welcher Stimmung der Gemeinderat die nächsten sechs Jahre angeht: Nach der Sitzung trafen sich alle Räte noch gemeinsam beim Wirt. Ein Sitzungsabschluss, der in der vergangenen Wahlperiode nur relativ selten zu verzeichnen war.