Ärger über Sperrung, Hoffnung auf Besserung

von Redaktion

Der kurze Weg zur Nachbargemeinde Kufstein ist dicht. Die Ortsdurchfahrt Kiefersfelden wird saniert. Die kurzfristige Ankündigung der Vollsperrung, die schneller und günstiger sein soll, sorgt bei Bürgern und Geschäftsleuten für Ärger.

Kiefersfelden – Es war schon fast gespenstisch ruhig in der Kiefer, als vergangenen Montag früh die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt in Kraft trat. Sowohl ab der Einfahrt zu den SB-Märkten Penny und Rossmann in der Kufsteiner Straße in Richtung Staatsgrenze als auch von dort zurück in Richtung Kiefersfelden ging nichts mehr – wegen der rund viermonatigen Sanierung der Staatsstraße 2089.

Über die Hintergründe dieser Vollsperrung vom 18. Mai bis zum 17. Oktober wurde am Tag der Sperrung die Bevölkerung bei einer Bürgerversammlung im Gasthof Bergwirt durch das zuständige staatliche Bauamt Rosenheim sowie durch die Gemeindeverwaltung informiert. Im großen Saal waren alle Plätze besetzt und sogar auf den Stehrängen herrschte dichtes Gedränge, als Alexander Eisner, zuständiger Abteilungsleiter beim Staatsbauamt Rosenheim, die Kieferer Bürger auf den neuesten Stand brachte.

Vollsperrung ist sicherer
– und billiger

Vor allem die Frage: „Warum eine Vollsperrung der Staatsstraße und nicht halbseitig?“, beherrschte die Versammlung. Hier führte der Fachmann vor allem klare gesetzliche und arbeitsschutzrechtliche Vorgaben an. Demnach sind für den Arbeitssicherheitsbereich pro Fahrbahn mindestens 4,20 Meter vorgesehen, im betreffenden Straßenbereich sind aber insgesamt nur etwa 6,50 Meter Breite gegeben, daher die zwingende Vollsperre.

Ein weiterer wichtiger Aspekt blieb dabei aber unberührt, den Alexander Eisner trotzdem aufführte: „Wenn wir eine halbseitige Sperrung hätten einführen können, wäre die Bauzeit sicher mindestens um das Doppelte gestiegen und auch die Kosten wären steil nach oben gegangen“. Zu denen selbst nahm er nur kurz Stellung. Insgesamt sind 3,4 Millionen Euro aufgerufen, wovon der Freistaat Bayern sich mit zwei Millionen Euro beteiligt, der Rest in Höhe von 1,4 Millionen Euro ist von der Gemeinde zu schultern.

Ein wichtiger Aspekt der Vollsperrung war auch die Erreichbarkeit von Wohnungen, Kita, Geschäften und Werkstätten, die im Sperrbereich angesiedelt sind. Hier versprach der Fachmann eine „grundsätzliche Erreichbarkeit“, was nur bedingt auf Zustimmung der Betroffenen stieß. Sie monierten vor allem die monatelange Ungewissheit über die Maßnahme, was Bürgermeister Hajo Gruber (UW) so nicht stehenließ, „denn wir wurden erst Ende der vergangenen Woche vom Bauamt Rosenheim über den genauen Ablauf informiert und haben das dann auch schnell weiter kommuniziert“. Die späte Information wiederum rechtfertigte Alexander Eisner damit, „dass die Ausschreibungsfrist erst zwei Wochen vor Baubeginn endete und wir vorher keine verbindlichen Meldungen rausgeben konnten. Grundsätzlich aber war allen klar, dass es eine Vollsperrung für diesen Bereich geben würde, ausgenommen davon natürlich die Durchgängigkeit für Rettungsfahrzeuge wie Feuerwehr, Rotes Kreuz oder Polizei“.

Noch einmal ergriff der Bürgermeister das Wort und versprach, „dass wir versuchen werden, alle Bürger zeitnah und ausführlich über Bauphase, Sperrungen oder Dauer auf den verschiedensten Kanälen zu informieren“. Aufatmen gab es auch für die Botschaft, vor allem in der Geschäftswelt: „Wir sind weiterhin auch von Tirol aus zu erreichen, nur der Weg ist anders. Es ist in unser aller Interesse, dass unsere Geschäfte offen bleiben, das ist überlebenswichtig für uns“, so Gruber abschließend.

In der teils sehr emotional geführten Diskussion konnten wohl nicht alle, sicher auch berechtigten Einwände ausgeräumt werden, aber es gab insgesamt eine breite Zustimmung, die ein Kieferer Bürger so auf den Punkt brachte: „Durch diese Maßnahme wird die Gemeinde sicher aufgewertet“.

Seit dem 18. Mai wird die Ortsdurchfahrt der Gemeinde Kiefersfelden, die Staatsstraße 2089, in zwei Abschnitten saniert, ist dafür komplett gesperrt. Der Verkehr wird großräumig über die Bundesautobahn A 93 und für Fahrzeuge unter 60 km/h über Ebbs (Tirol) umgeleitet. Eine innerörtliche Umleitung über die König-Otto-Straße und die Dorfstraße war wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht möglich.

Im ersten Bauabschnitt, der am vergangenen Montag begonnen hat, wird von der Landesgrenze bis zur Einfahrt ins Gewerbegebiet (Penny-Markt, Rossmann, HWG), unmittelbar vor den Sportplätzen, die Fahrbahn der Staatsstraße 2089 auf der gesamten Länge herausgefräst und danach erneuert. Auf Höhe der König-Otto-Kapelle und des Sportplatzes sind zwei neue Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen. Auf Kosten der Gemeinde entsteht in diesem Bereich zusätzlich ein neuer Gehweg zwischen der Einmündung zur König-Otto-Straße und der Kreuzung Kufsteiner Straße/Bahnhofstraße.

Zweiter Bauabschnitt
ab Mitte August

Der zweite Bauabschnitt (ab 14. August) beginnt an der Einfahrt zum Gewerbegebiet und schließt die Kreuzung Bahnhofstraße/Kufsteiner Straße mit ein. Hier wird ebenfalls die Fahrbahn erneuert. Zugleich wird der bereits bestehende Gehweg zum Sportplatz zu einem Geh- und Radweg ausgebaut. Geplant ist dann, die gesamte Ortsdurchfahrt ab dem 20. November wieder für den Verkehr freizugeben.

Hintergrund dieser umfangreichen Straßenbaumaßnahme ist vor allem eine deutliche Belastungsreduzierung der von vielen als Raserstrecke und Parkzone genutzten Staatsstraße, sowie der Einbau von Elementen, die der Entschleunigung dienen, wie Querungshilfen, neue Parkplätze und sichere Geh- und Radwege. Der westliche Teil der Kufsteiner Straße mit seinem langen Standstreifen, der bisher allenfalls durch wildes Parken für Unmut sorgte, macht Platz für einen Gehweg mit Allee und Entwässerungsgraben, gänzlich ohne Parkmöglichkeiten. Dafür werden aber in Höhe der dann ehemaligen Einfahrt der König-Otto-Straße in die Kufsteiner Straße neue Pkw-Stellplätze geschaffen, inklusive eines barrierefreien Parkplatzes.

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