Brannenburg – Feuchte Felsspalten, schmale Gänge, stilles Tropfwasser und ein Höhlensystem, das sich tief durch den Wendelstein zieht. Was von außen wie ein markanter Gipfel der bayerischen Alpen wirkt, gilt unter Geologen seit Langem als Besonderheit.
Zum Auftakt der neuen Saison für Höhlenführungen können Besucher am Samstag, 6. Juni, gemeinsam mit dem Brannenburger Höhlenforscher Peter Hofmann die Wendelsteinhöhle erkunden. Das weit verzweigte System wurde 1864 entdeckt, wissenschaftlich erstmals 1882 untersucht und 1921 als Schauhöhle zugänglich gemacht. Es gibt dort Bereiche, die selbst erfahrene Forscher faszinieren.
Während der rund 75-minütigen Führung erklärt Hofmann, wie sich in fast 1.700 Metern Höhe ein so komplexes Höhlensystem bilden konnte. Er spricht über die besonderen klimatischen Bedingungen im Berg, über Tierarten, die dauerhaft in der Dunkelheit leben, und über die Spuren geologischer Prozesse, die sich über Jahrtausende im Gestein eingeschrieben haben. Immer wieder erzählt er von eigenen Erlebnissen unter Tage – von engen Felspassagen, plötzlicher Stille und dem Moment, wenn sich hinter einer schmalen Öffnung unerwartet große Hohlräume auftun.
Viele Besucher erwarten vor allem Tropfsteine, dabei ist die eigentliche Besonderheit, wie komplex dieses Höhlensystem in dieser Höhe entstanden ist. Gerade am Wendelstein lasse sich nachvollziehen, wie Wasser, Temperatur und Gestein über lange Zeiträume zusammenwirken.
Die Führung findet im touristisch erschlossenen Teil der Höhle statt und ist auch für Familien geeignet. Wegen der konstant niedrigen Temperaturen von etwa drei Grad Celsius werden warme Kleidung und festes Schuhwerk empfohlen; außerdem sind 82 Stufen zu bewältigen. Erwachsene zahlen zehn Euro, Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren sechs Euro.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung über die Wendelsteinbahn ist erforderlich. Weitere Informationen zu Peter Hofmann gibt es unter tropfstein.de. Wer den Wendelstein bislang nur vom Gipfelkreuz oder von den Aussichtsterrassen kennt, bekommt an diesem Tag einen seltenen Blick in das verborgene Innere des Berges.