Die Leidenschaft für Dirndl bleibt

von Redaktion

Zehn Jahre lang haben Lena Stumböck und Lisa Berger mit ihrem Label „Herzsach“ von Thansau aus die Trachtenwelt geprägt. Nun müssen die beiden Gründerinnen ihre Marke aufgeben. Die Entscheidung fiel den Freundinnen nicht leicht, war aber nach schwierigen Jahren ein schleichender Prozess.

Thansau – Als Lena Stumböck und Lisa Berger ihr erstes Dirndl verkauften, war das mehr als nur ein erfolgreicher Start für ihr Label „Herzsach“ aus Thansau bei Rosenheim. „Das war ein unglaublich emotionaler Moment“, erinnern sich die beiden. Plötzlich sei da draußen jemand gewesen, der ihre Arbeit genauso geliebt habe wie sie selbst. Genau dieses Gefühl habe die Dirndlmarke über Jahre getragen – und macht den Abschied nun umso schwerer.

Oma-Nähunterricht
und Dirndl-Nähkurs

Begonnen hat alles damit, dass Lena Stumböck von ihrer mittlerweile verstorbenen Oma, einer Schneiderin, das Nähen lernte. Ihre Freundin Lisa Berger bekam zu einem Geburtstag einen Dirndl-Nähkurs geschenkt. Das gemeinsame Hobby war geboren. Das erste Dirndl, das die beiden damals auf Facebook angeboten hatten, war innerhalb weniger Minuten verkauft. „Es war nie unser Plan“, sagt Lena Stumböck heute, dennoch entstand aus der Leidenschaft für Tracht heraus 2015 ihr eigener Dirndl-Laden.

Die Kleider nähten die beiden, Stumböck als studierte Modemanagerin, und Berger, die Gymnastik und Tanz studierte, alle selbst. Oft hat auch die Oma noch mitgeholfen. Meist Einzelstücke, mit viel Liebe zum Detail gefertigt. „Jedes Dirndl sollte eine eigene Geschichte erzählen“, sagen sie. Für die beiden ist ein Dirndl nämlich nicht nur ein beliebiges Kleidungsstück. „Es erzählt Geschichten, weckt Erinnerungen und begleitet oft besondere Momente im Leben“, sagen Stumböck und Berger. So durften sie auch zahlreiche Bräute aus der Region für den schönsten Tag ihres Lebens einkleiden.

An ihrer Vision habe sich über die Jahre nichts geändert – die Bedingungen drumherum wurden jedoch schwieriger. Der Trachtenmarkt sei schneller geworden, preisgetriebener und zunehmend auf Masse ausgelegt. „Kleine Labels mit Handarbeit haben es dadurch immer schwerer“, sagen die beiden Unternehmerinnen.

Besonders die vergangenen Jahre brachten das Unternehmen an seine Grenzen. Corona traf das Label hart. Zwei Jahre verkauften sie fast keine Tracht, der Umsatz blieb zeitweise nahezu vollständig aus. Gleichzeitig investierten die Gründerinnen jeden verdienten Euro wieder in Stoffe, Materialien und neue Modelle. „Irgendwann stößt man dabei einfach an Grenzen“, sagen sie rückblickend. Letztlich seien ihre Kleider Anlassdirndl geworden, weiß Stumböck. „Alles wurde extrem teuer, da verrückt die Priorität. Das Handwerk wird dann letztendlich nicht mehr gezahlt“, meint die Modemanagerin. Der Entschluss, aufzuhören, kam deshalb nicht plötzlich – es sei vielmehr ein schleichender Prozess gewesen.

Am 8. und 9. Mai wurden die meisten Dirndl in ihrem Laden in Thansau ausverkauft. Trotz aller Wehmütigkeit zwei schöne Tage für Stumböck und Berger: „Wir haben das mega genossen, dass der Laden so voll war – sehr emotional, aber schön“, schwärmt Stumböck. Einige der Kundinnen trugen die ersten Dirndl, die sie vor Jahren von „Herzsach“ gekauft hatten. Auch zahlreiche Nachrichten und Fotos erreichten die beiden Frauen. „Damit haben wir gar nicht gerechnet – alle waren sehr herzlich.“

Gegenseitige
Unterstützung

Die Basis für das gemeinsame Label war neben ihrer Leidenschaft für Tracht auch ihre enge Freundschaft. Streit gab es kaum, erinnert sich Lena Stumböck. Die beiden haben sich fast rund um die Uhr gesehen, wohnten zeitweise Tür an Tür. „Das kann bestimmt nicht jeder, aber uns hat es extrem gestärkt“, so Stumböck. Ein Geheimnis ist wohl die gegenseitige Unterstützung: „Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Aber wir haben unsere Schwächen nie ausgenutzt, im Gegenteil, wir haben uns immer gegenseitig raufgezogen”, verrät Lena Stumböck.

Ganz vorbei ist für Lisa und Lena dennoch nicht alles. Auf Instagram schreiben sie davon, „ein neues Kapitel aufzuschlagen“. Was genau kommt, verraten sie noch nicht, aber nun sei Raum für Neues, sagen die beiden Frauen. Vermissen werden sie die kreativen Prozesse, die Begegnungen mit Kundinnen und das besondere Gefühl, Menschen mit ihren Dirndln glücklich zu machen. „Das war immer das Schönste.“

Gegenentwurf zu „Fast Fashion“

Artikel 11 von 11