Leben im Theater schon ab 7 Uhr

von Redaktion

Das Dach des über 200 Jahre alten Volkstheaters in Flintsbach ist saniert und das Gebäude für die Zukunft gesichert. Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden haben diesen Kraftakt möglich gemacht.

Flintsbach – Kurz nach 7 Uhr begann am Flintsbacher Volkstheater in den vergangenen Monaten schon der Betrieb. Auf dem Gerüst klopfte ein Hammer gegen altes Holz, unten wurden Bretter getragen, aus einer offenen Tür drang der trockene Geruch von Staub und frischem Gebälk. Einer stellte die Thermoskanne ab, ein anderer suchte Werkzeug, dann begann wieder dieses Arbeiten, das man im Dorf monatelang hören konnte. Es waren keine großen Gesten, aus denen hier etwas entstand, sondern viele kleine Handgriffe. Und doch ging es in diesen Monaten um nicht weniger als das Dach über einem Haus, ohne das Flintsbach nicht ganz Flintsbach wäre.

Ein Kraftakt,
der nicht zu sehen ist

Heute sieht man davon fast nichts mehr. Das Dach ist fertig, die neuen Ziegel liegen sauber in der Fläche, der Stadel ist wieder geschlossen – fast so, als sei nie etwas gewesen. Gerade das ist vielleicht das Beste an dieser Sanierung: Sie drängt sich nicht in den Vordergrund. Aber was jetzt so ruhig und selbstverständlich aussieht, war über Monate ein Kraftakt aus Sorge, Organisation, Förderanträgen und Facharbeit. „Das Dach des über 200 Jahre alten Theaterhauses war dringend sanierungsbedürftig“, sagt der Erste Vorsitzende Anton Obermair.

Statiker, Zimmerermeister und Denkmalschützer erkannten rasch, dass der alte Dachstuhl geschwächt war, einzelne Balken Schäden aufwiesen und die alte Eindeckung zudem asbesthaltig war. Was nach einem technischen Befund klingt, war für den Theaterverein eine Grundsatzfrage. Denn es ging nicht nur um Denkmalschutz, sondern auch darum, den Stadel für die Zukunft zu erhalten.

Die Temperaturen im Saal hatten sich längst als unzumutbar erwiesen. Im Winter wurde es so kalt, dass Proben teils in Winterkleidung stattfinden mussten; im Sommer wiederum staute sich unter dem Dach eine Hitze, die für Publikum und Spieler zur Belastung wurde.

Dann stand plötzlich eine Zahl im Raum, die für einen ehrenamtlich getragenen Verein erst einmal schwer auf den Boden fiel: rund 378.000 Euro. Viel Geld für ein Haus, das seit Generationen nicht vom großen Betrieb, sondern vom Mitanpacken lebt. Dass das Projekt trotzdem begonnen werden konnte, lag an einer Förderung des Freistaats Bayern in Höhe von 235.500 Euro, ermöglicht auf Fraktionsinitiative von CSU und Freien Wählern, sowie an weiteren 20.000 Euro der Sparkassenstiftung Zukunft.

Doch auch mit dieser Unterstützung blieb genug offen. Sanierungen dieser Größenordnung lassen sich nicht einfach bezahlen; sie müssen getragen werden, finanziell und menschlich. So betragen die tatsächlichen Kosten 423.000 Euro mit 4.200 geleisteten Arbeitsstunden.

Im Herbst rückten die Spezialfirmen an. Zunächst musste die alte Eindeckung unter strengen Sicherheitsauflagen abgetragen und entsorgt werden. Im Container landete, was jahrzehntelang Schutz geboten hatte und nun selbst zur Gefahr geworden war. Plötzlich war sichtbar, was sonst nur wenige zu Gesicht bekommen: das Tragwerk eines Hauses, das seit 1823 Sommerhitze, Winterkälte, Bühnenbilder, Kulissen, Stimmen und Beifall mitgetragen hat.

Manche Hölzer waren überraschend gut erhalten, andere mussten ausgetauscht werden. Aus statischen Gründen wurde von innen in jedes Sparrenfeld ein zusätzlicher Sparren eingezogen. Darüber hinaus wurde eine Aufdachdämmung aus Holzfaser eingebracht, die den historischen Bau energetisch deutlich verbessert, ohne ihm den Charakter zu nehmen.

Vielleicht erklärt genau das die besondere Stellung des Volkstheaters Flintsbach besser als jede Festrede. Dieses Haus ist nicht bloß eine Bühne, sondern ein Ort, der tief in die Geschichte des Dorfes hineinreicht. Seit 1675 wird in Flintsbach nachweislich Theater gespielt. Generationen standen hier auf den Brettern, halfen hinter den Kulissen, nähten Kostüme, bauten Bühnenbilder, verkauften Karten oder saßen Jahre später im Publikum und sahen den Nächsten zu. Das Theater ist hier keine hübsche Zugabe zum Ortsleben, sondern wesentlicher Teil davon, Teil einer 350 Jahre alten dörflichen Kultur.

Das Haus ist gesichert,
das Spiel kann beginnen

Nun ist das Dach fertig, und der Stadel wirkt, als habe er einmal tief durchgeatmet. Die neuen Ziegel schützen, die Dämmung wird die Sommerabende erträglicher machen. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten inzwischen, die Bauphase ist beendet. Spenden und Unterstützung bleiben dennoch willkommen, weil ein solches Haus auch nach einer Sanierung Aufmerksamkeit braucht. Aber die Richtung stimmt. Das Haus ist gesichert, und mit ihm bleibt ein Ort, an dem Vergangenheit nicht ausgestellt, sondern weitergespielt wird.

Schon bald wird man unter dem neuen Dach wieder lachen, zuhören, sich aufregen und applaudieren. In der Spielsaison 2026 spielt das Volkstheater Flintsbach Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“. Die öffentliche Generalprobe ist für Freitag, 12. Juni, angesetzt, die Premiere folgt am Samstag, 13. Juni. Der Kartenvorverkauf hat online bereits begonnen, telefonische Reservierung ist montags bis freitags von 11 bis 13 Uhr unter 08034/8333 möglich.

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