Pittenhart – „Meine Zeit steht in deinen Händen“ singt der Kirchenchor zu Beginn des Trauergottesdienstes für Erna Hundsberger. Bald nach dem 90. Geburtstag war die Zeit hier auf der Erde für sie zu Ende. Bei guter Gesundheit konnte sie im Februar ihren 90. Geburtstag feiern, freute sich über die vielen Glückwünsche und die heiteren Stunden, die sie im Kreis der Familie, Nachbarn und Freunde verbringen durfte.
Einige Tage nach der Feier besuchte sie auch ehemalige Mitarbeiterinnen ihres Edeka-Ladens, um bei einer fröhlichen Kaffeerunde ihrer früheren Chefin zu gratulieren.
Zufrieden war sie, hatte Freude am Leben und war dankbar für alles, was sie erleben durfte, das sagte sie noch bei ihrem 90. Geburtstag. Die Familie bemerkt aber, dass sie immer mehr abbaute und zunehmend Hilfe brauchte.
Eine Woche nach Ostern wendete sich plötzlich das Blatt: Erna Hundsberger kam ins Krankenhaus, wo sie sich einer kleinen Operation unterziehen musste. Die Operation schien auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein, so ihre Angehörigen. „Oma ging es sichtlich besser und wir waren sehr zuversichtlich“, berichten sie. Umso überraschender, als tags darauf die Nachricht vom Krankenhaus kam, dass Erna Hundsberger für immer eingeschlafen ist.
Als erstes Kind von Florian und Anna Niedermaier erblickte Erna das Licht der Welt. Zusammen mit ihren Brüdern Florian und Hermann ist sie in der Kfz-Werkstatt und Tankstelle Niedermaier aufgewachsen. Für eine Ausbildung im Einzelhandel bot sich das elterliche Geschäft an, dazu wurde die Berufsschule in Traunstein besucht. Damals eine Seltenheit, wenn ein junges Mädchen den Führerschein machte. Für die Tochter eines Autohauses eine Selbstverständlichkeit. Nach Ausbildungsende führte Erna Niedermaier der berufliche Weg Richtung Tegernsee. Am Wochenende kam sie immer nach Hause.
Mit dem Schreiner Josef Hundsberger verband sie eine herzliche Freundschaft. Die beiden pflegten gemeinsame Hobbys wie das Motorradfahren und Tanzen. Aus der Freundschaft wurde bald eine unzertrennliche Liebe. Am 27. September 1958 wurde geheiratet.
Das Hundsberger-Anwesen mit Lebensmittelgeschäft und Schreinerei wurde ihr neues Zuhause und fortan stand Erna im Laden, bediente die Kunden und arbeitete im Büro ihres Mannes mit. Tochter Erna wurde geboren und später dann die Enkel Georg und Christine, und fünf Urenkel machten die Familie komplett. Zu ihren Urenkelinnen sagte sie oft, dass sie sich für die Mädchen einen so guten Mann wünsche, wie sie mit Josef hatte.
Kurz nach dem Tod von Josef gab es für Erna nochmals eine einschneidende Veränderung in ihrem Leben: Sie zog um. Das Haus von Enkel Georg, seiner Frau Sandra und den drei Urenkelinnen wurde zu ihrem neuen Dahoam.
Am 8. Mai hieß es beim Trauergottesdienst Abschied nehmen von einer Frau, deren Lebensfreude und Herzlichkeit ansteckend war. emk