Prutting – Bei einer Wertungsprüfung der Feuerwehr Prutting wird ein Szenario simuliert: Eine Person ist in einem verunfallten Auto eingeklemmt. Die Aufgaben sind vielfältig und müssen gleichzeitig ausgeführt werden: Die Unfallstelle muss inspiziert werden, um die Anzahl der Personen im Auto und deren Verletzungsgrad festzustellen. Gleichzeitig gilt es, die Unfallstelle abzusichern und eine Löschsicherung aufzubauen. Dazu wird ein Schlauch ausgerollt und unter Wasserdruck gesetzt, falls das Fahrzeug im weiteren Verlauf in Brand gerät.
Alles in Griffweite
– wie beim OP-Besteck
Benötigte Gerätschaften, wie beispielsweise Spreizer und Rettungsschere, werden auf einer Matte ausgelegt, damit alles für den eigentlichen Rettungseinsatz geordnet in der Nähe des Fahrzeugs bereitliegt. Zudem muss das Fahrzeug mit Holzklötzen unterbaut werden, um es für die folgenden Arbeiten zu stabilisieren.
Die entscheidende Frage ist, wie lange ein Einsatztrupp für all diese Aufgaben benötigt. Zehn Minuten? 15? 20? Die Antwort ist: genau 240 Sekunden. Diese Leistung ist beeindruckend. Die Feuerwehrmänner arbeiten wie in einer ausgefeilten Choreografie, jedoch unter hohem Tempo und erheblichem psychischen Stress. Bei einem realen Unfall kämpft ein Mensch möglicherweise um sein Leben. Bei der Wertungsprüfung hingegen dürfen die 240 Sekunden unter keinen Umständen überschritten werden, und es dürfen keine Fehler passieren, da die Gruppe sonst durchfällt.
Es ist verständlich, dass eine solche Leistung nicht von ungefähr kommt. Die Wertungsprüfungen, von denen es zwei im Jahr gibt – einmal technische Hilfeleistung bei einem Unfall und einmal eine Brandsimulation – stellen lediglich die Spitze des Übungseisbergs dar. Um die geforderte Leistung erbringen zu können, wird mehrmals im Monat in verschiedenen Bereichen trainiert.
Die Wertungsprüfungen selbst sind ebenfalls keine einmalige Angelegenheit: Es gibt sechs Stufen in jedem der beiden Einsatzbereiche, bis die Ausbildungsspitze erreicht ist. Bei den Prüfungen sind immer alle Stufen vertreten, von der ersten bis zur sechsten und letzten. Dabei nützt es einem Feuerwehrmann mit Stufe sechs nichts, wenn er selbst Spitzenleistungen erbringt, das Team in seiner Gesamtheit jedoch nicht die geforderte Leistung zeigt; dann ist auch er durchgefallen. Dies ist im Grunde ein Vorgriff auf reale Einsätze: Feuerwehr ist immer absolute Teamleistung, und nicht umsonst sind alle Wehren meist wirklich verschworene Gemeinschaften.
In zehn Jahren keine
Gruppe durchgefallen
In Prutting ist in den vergangenen zehn Jahren keine Gruppe bei den Wertungsprüfungen durchgefallen. Dies sei, so betonte Kommandant Hans Hell, nicht zuletzt auch der Verdienst von Ludwig Redl, der für die Ausbildung der Feuerwehrmänner verantwortlich ist. Auch bei der aktuellen Prüfung erhielten die beiden angetretenen Gruppen höchstes Lob von Kreisbrandinspektor Franz Hochhäuser.
Um zu einer solch hervorragenden Truppe gehören zu dürfen, bedarf es vor allem eines, wie der Kreisbrandinspektor nach der Wertungsprüfung dankbar betonte: „Die Bereitschaft, viel von seiner Freizeit für den Dienst am Nächsten opfern zu wollen.“ Dies gilt allein schon wegen der zahlreichen Übungen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man jederzeit – egal, ob am Wochenende oder mitten in der Nacht – zu einem Einsatz gerufen werden kann.
Dass die Gemeinde den Wert ihrer Feuerwehr sehr wohl schätzt, zeigte sich daran, dass bei der Wertungsprüfung nicht nur Bürgermeister Johannes Thusbaß, sondern auch seine beiden Stellvertreterinnen Agnes Bucher und Barbara Stein sowie etliche Gemeinderäte anwesend waren.
Elitetruppe ist offen
für Späteinsteiger
Wer in Prutting Engagement in der Feuerwehr zeigen möchte, muss sich übrigens nicht schon in früher Jugend entscheiden, um Mitglied dieser – man darf es so sagen – Elitegemeinschaft werden zu können. In Prutting wurde die Ausbildung seit 2022 so umgestaltet, dass auch „Späteinsteiger“ eine Chance haben. Der Vorteil für die Wehr dabei ist: Wer mit 14 Jahren dazu stößt, geht oft wieder verloren, wenn ihn Beruf oder Studium aus dem Heimatort wegführt. Wer später dazu kommt, hat in der Regel die Ausbildung hinter sich und einen festen Arbeitsplatz gefunden – die Überlegung, sich bei der Feuerwehr zu engagieren, kann hier von Dauer sein.
Derzeit gibt es in Prutting acht solcher erwachsenen Quereinsteiger, die, wie Kommandant Hans Hell lobend feststellt, „voller Enthusiasmus“ dabei sind. Eines steht jedenfalls fest: Wer das Pech hat, in der Umgebung von Prutting zu verunfallen, hat zumindest in einem Punkt auch wieder Glück: Er weiß, dass die Männer der Pruttinger Feuerwehr absolute Spitzenprofis sind – schneller als hier kann einem nicht geholfen werden.