Prutting – Drei Männer mit zusammen 90 Jahren Gemeinderatserfahrung. Josef Schmid, der 28 Jahre im Gemeinderat war, Dr. Mathias Huber, der dem Gremium 30 Jahre angehörte, und Stefan Schöne, der sogar 32 Jahre dabei war, sind alle in ihren Sechzigern und frühen Siebzigern. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie sich über die Hälfte ihres erwachsenen Lebens in den Pruttinger Gemeinderat eingebracht haben.
Dieses so leicht dahingesagte „die Hälfte ihres Lebens“ geht am Eigentlichen vorbei: Denn sie waren nicht nur über Jahrzehnte einfach so dabei, sie haben nicht mehr und nicht weniger als einen Gutteil ihrer Lebenszeit an die Gemeinde abgegeben. Es sind nicht nur Gemeinderats- und Ausschusssitzungen nötig, sondern auch Zeit für Vor- und Nachbereitung und vor allem Zeit für die Bürger. Nachfragen, Beschwerden, Wünsche, Vorschläge – all das wird selten zuallererst ins Rathaus getragen. Der direkte, weil am leichtesten greifbare Ansprechpartner ist eben sehr oft der Gemeinderat nebenan. Gemeinderat zu sein ist kein Nebenjob, da sind sich die drei einig. Entweder man ist mit Haut und Haar dabei, oder man lässt es bald wieder sein. Die drei lassen es jetzt beruhigt sein, die Nachfolger sind schon im Amt.
Der besondere Geist
von Prutting
Jetzt stellt sich natürlich und ganz von selbst die Frage: Warum tut sich ein Mensch das eigentlich an, vor allem nicht nur einmal, sondern immer wieder, bis dann irgendwann 30 Jahre voll sind und der junge Bürgermeister mit einer kommunalen Verdienstmedaille ankommt? Die Antwort, die die drei auf diese Frage haben, ist auf den ersten Blick überraschend – und doch auch wieder nicht. Keiner von den dreien hat große und hehre Worte parat, keiner erzählt etwas vom „Dienst an der Gesellschaft“, den man für sich als Aufgabe gesehen hätte.
Sie hängen es alle drei tiefer und sehen einen Hauptgrund im Ort selbst. Denn in Prutting sei noch echtes Zusammenleben da, das sich vor allem darin äußere, dass gemeinsam angepackt werde, wenn irgendetwas zu tun sei. Ob es Großprojekte sind, wie der eigenhändige Bau des Dorfstadels, mittlere wie etwa die Organisation von Großfesten, wie zum Beispiel das 1.100-jährige Ortsjubiläum, oder kleinere, wie der Bau der Terrasse beim Wirtshaus: Es finden sich immer welche, die Hand anlegen, und genügend, die diese durch Zuarbeiten und Hilfestellungen unterstützen.
„Was krieg ich dafür, was springt für mich raus und wo ist mein Zeitausgleich?“, solche Fragen, meint etwa Stefan Schöne, seien den meisten Pruttingern fremd. Und er hat auch eine Idee, woher das kommen könnte: weil es in Prutting über die Vereine eine äußerst engagierte Jugendarbeit gibt und die Betreuer dort weder Zeit noch Aufwand scheuen, um sich um ihre Schützlinge zu kümmern. Kinder und Jugendliche haben also von klein auf „tätige“ Vorbilder, sie saugen das Grundgefühl des Füreinanderdaseins quasi mit der Muttermilch ein. So ein Dorflebensgefühl, so meint Stefan Schöne scherzhaft, kann man eigentlich ganz kurz auch so auf den Punkt bringen: „Wenn du bei einem Fest, na sagen wir mal, etwas orientierungslos bist, wissen es am nächsten Tag alle. Aber du weißt auch, dass sich an diesem Abend genügend finden werden, die dich sicher nach Hause bringen.“
Um nun zu verstehen, wie dieses Gemeinschaftsdenken die drei in den Gemeinderat brachte, muss man wissen, dass eigentlich keiner von ihnen das Amt aus besonderem Ehrgeiz heraus bewusst angestrebt hatte. Alle drei kamen eher zufällig dazu, weil sie gefragt wurden. Josef Schmid etwa erinnert sich, wie er 1998 mit seinem Schlepper durch Prutting fuhr und dann vom damaligen Gemeinderatsmitglied Bernhard Rinser angehalten wurde: „Sepp“, sagte der, „mir wird’s zu viel, ich hör auf, ab der nächsten Sitzung bist du dran.“ Bei Stefan Schöne und Dr. Mathias Huber war es nicht wirklich anders, auch sie wurden angesprochen, ob sie sich eine Mitarbeit nicht vorstellen könnten. Für einen Pruttinger ist klar: Wenn man angesprochen und um Unterstützung gebeten wird, sagt man nicht nein. Natürlich hat das Amt des Gemeinderats auch seine Reize, meint Dr. Mathias Huber. Er war 1991 aus München nach Prutting zugezogen und erkannte, wie er sagt, „schnell, dass es sich lohnt, sich für diesen Ort einzusetzen.“ Und um seine Ideen, wie Prutting noch weiter voranzubringen sei, das war ihm, als man ihn um seine Mitwirkung bat, ebenfalls klar, war der Gemeinderat der ideale Ort. Denn hier laufen Informationen zusammen, die aus der Verwaltung sowieso, aber über die Gemeinderäte auch darüber, wo den Bürgern der Schuh drückt, was sie gerne anders hätten. Diese Wünsche mit dem Wissen über das, was rechtlich und finanziell machbar ist, zusammenzubringen und daraus dann Weichen für die Zukunft zu stellen – das ist die Gestaltungskraft eines Gemeinderates. Und für alle drei ist es diese Gestaltungskraft gewesen, die sie zusammen 90 Jahre lang bei der Stange hielt.
Ein wenig Eitelkeit
war auch mit dabei
Natürlich, sagt Stefan Schöne, war da auch ein klein wenig Eitelkeit dabei: „Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man an der Entwicklung des Ortes handfest mitarbeiten kann.“ Und natürlich sei man im Rückblick auch stolz auf die Entwicklung, die der Ort in den letzten 30 Jahren genommen hat und darauf, dass man aktiv mit dabei sein durfte. Dazu kommt, so ergänzt Dr. Mathias Huber, „die Tatsache, dass die Pruttinger uns allen dreien in den Wahlen wieder und wieder ihr Vertrauen ausgesprochen haben.“ Und er, wie auch Josef Schmid und Stefan Schöne, finden: Dieses nicht enttäuscht zu haben, war in der Rückschau die aufgewendete Zeit wert.