Kiefersfelden – Eigentlich ist Kiefersfelden eine der glücklicheren Inntal-Gemeinden, wenn es um den Verkehr von und nach Österreich geht. Bei Stau auf deutscher Seite lohnt sich ein Umweg so kurz vor der Grenze häufig nicht mehr, die Anwohner können normalerweise die direkte Verbindung nach Kufstein über die Landstraße nehmen, und selbst der Brenner-Nordzulauf touchiert die Gemeinde nur unterirdisch.
Landstraße nach Kufstein
komplett gesperrt
Doch eines der Privilegien wurde am 18. Mai suspendiert, als die Ortsdurchfahrt in Kiefersfelden gesperrt wurde. Ab der Einfahrt zu Penny und Rossmann in der Kufsteiner Straße in Richtung Staatsgrenze ist bis zum 17. Oktober kein Durchkommen mehr. Die Folge: Sämtliche Pendler müssen früh, sehr früh auf die Inntal-Autobahn, um rüber nach Tirol zu kommen. Speziell an den Tagen mit Blockabfertigung kommen die Kiefersfeldener allerdings nicht weit. „Ich stand um 7.45 Uhr in der Zufahrt zur A93, ohne auch nur einen Meter voranzukommen“, beschreibt Bernd Rast seine Erfahrung vom Donnerstagmorgen (21. Mai).
Zusammen mit „Dutzenden Pendlern“ stand der Kiefersfeldener vor einer langen Lkw-Schlange, die sich vor der Grenzkontrolle auf der rechten Spur bildete und die Einfahrt für sämtliche Autofahrer aus Kiefersfelden blockierte. An Tagen der Blockabfertigung, wie zwischen Dienstag (26. Mai) und Donnerstag (28. Mai), ist es noch schlimmer. „Dann staut es sich ein gutes Stück über den Kreisverkehr rund um das Kieferer Gewerbegebiet hinaus, sodass auch die Ausfahrt in Richtung Rosenheim blockiert ist“, meint der Pendler. Der einzige Umweg über Niederndorf und Ebbs war laut Rast ebenfalls ab 7 Uhr völlig überfüllt. „Eine Zumutung“, bilanziert ein Kiefersfeldener in den sozialen Medien.
Um die Ausfahrt künftig freizuhalten, wandte sich Rast an die Polizei. „Die Bitte ist allerdings im Sand verlaufen“, meint der Kiefersfeldener. „Uns ist die Situation dort bekannt“, bestätigt eine Sprecherin der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim auf OVB-Nachfrage. Nachdem speziell während einer Blockabfertigung immer wieder Probleme an den Auffahrten in Raubling, Brannenburg oder Oberaudorf auftreten, haben die Beamten viel damit zu tun, den Verkehr am Laufen zu halten. Auch in der ersten Pfingstferienwoche war die Polizei bereits wieder mehrfach im Einsatz. Trotzdem staute es sich beispielsweise am Dienstagvormittag teilweise bis zu 42 Kilometer lang bis auf Höhe von Bad Aibling zurück.
Auch wenn die Verkehrspolizei über das temporäre Problem in Kiefersfelden Bescheid wisse, könne sie nicht jeden Morgen oder gar rund um die Uhr eine Streife vor der Ausfahrt platzieren. „Da kommen wir personell an unsere Grenzen“, sagt die Polizei-Sprecherin.
Bereits vor der Sperrung der Landstraße informierte das staatliche Bauamt Rosenheim über die notwendige 3,4 Millionen Euro teure Sanierung. Dabei erklärte der zuständige Abteilungsleiter, Alexander Eisner, unter anderem, warum es keine andere Möglichkeit der Umfahrung gibt. „Bei dem hohen Verkehrsaufkommen wäre eine Umleitung rings um die König-Otto-Straße unmöglich“, meint er. Auch eine halbseitige Sperre käme wegen der Auflagen sowie der dadurch entstehenden Verzögerungen der Sanierung nicht infrage.
Keine befriedigende
Lösung bis Oktober in Sicht
Für den Stau Richtung Autobahn hat somit weder das Rosenheimer Bauamt noch die Verkehrspolizei eine Lösung. Demnach scheint es keine andere Alternative zu geben, als sich mit der Situation für die kommenden fünf Monate zu arrangieren. Eine Antwort, die Pendlern wie Bernd Rast nicht gefallen wird. Denn alleine in diesem Zeitraum sind von Tiroler Seite 15 Tage Blockabfertigung angekündigt, ganz zu schweigen von den spontanen Abfertigungsterminen.