Nußdorf – Zwischen Heuberg und Wendelstein wirkt Nußdorf landschaftlich offen. Beim Mobilfunk ist der Ort jedoch an vielen Stellen schlecht erreichbar. Auf der Karte der Bundesnetzagentur sind die Lücken in der Mobilfunkversorgung deutlich zu erkennen.
Nach jahrelanger Suche hat der Gemeinderat nun den Weg für einen neuen Mobilfunkstandort freigemacht: Mit zwölf gegen zwei Stimmen erteilte das Gremium das gemeindliche Einvernehmen für einen Mast auf dem Dach des Feuerwehrhauses.
Ein langer Weg zur pragmatischen Lösung
Erste Bürgermeisterin Susanne Grandauer (CSU/FWG) stellte den Sachverhalt im Gemeinderat vor und warb für das Feuerwehrhaus als pragmatische Lösung nach langer Suche. Für die technischen Erläuterungen war eigens der fachkundige Bürger André Schilandus hinzugezogen worden. Er ordnete die Mobilfunkversorgung im Ort und die möglichen Standorte ein.
Die Vorgeschichte reicht weit zurück. Schon 2017 hatte die Deutsche Telekom bei der Gemeinde mögliche Standorte angefragt, darunter auch das Feuerwehrhaus. Danach ließ Nußdorf Alternativen prüfen. Ein Fachbüro untersuchte seinerzeit verschiedene Möglichkeiten. Später wurde ein Standort oberhalb des Kindergartens im Wald favorisiert. Bei näherer Prüfung zeigte sich jedoch, dass dieser Platz nur mit großem Aufwand zu erschließen gewesen wäre.
Auch der Kindergarten am Entbach, der zwischenzeitlich erneut ins Gespräch kam, gilt praktisch als ausgeschlossen. Der Standort ist sensibel und der Platz begrenzt. Als die Suche 2025 wieder Fahrt aufnahm, rückte deshalb das Feuerwehrhaus erneut in den Blick. Nach einer Ortseinsicht mit den beteiligten Fachfirmen und der Telekom lag im Mai der Entwurf für eine Mobilfunkantenne auf dem Gebäude vor.
Technische Details
und Bedenken
Der Standort auf dem Feuerwehrhaus gilt technisch als naheliegend, löst aber auch Fragen aus. Der geplante Mast soll insgesamt rund 22,4 Meter hoch werden. Rechtlich zählt in diesem Fall jedoch nicht die gesamte Höhe, sondern nur der Teil, der über das Dach hinausragt. Das sind etwa 11,2 Meter. Damit liegt die Anlage unter der Grenze von 20 Metern, bis zu der solche Antennen im Außenbereich grundsätzlich verfahrensfrei sein können.
Für diesen Standort sprechen vor allem praktische Gründe. Das Feuerwehrhaus gehört der Gemeinde, ist vergleichsweise gut erreichbar, und die technische Anbindung lässt sich dort einfacher herstellen als an abgelegenen Punkten. Zugleich behält die Gemeinde Einfluss auf die Standortwahl. Ohne eine kommunale Lösung wäre die Standortsuche stärker bei der Telekom gelegen, wodurch der Einfluss der Gemeinde geringer geworden wäre.
Unumstritten ist der Mast dennoch nicht. Einige befürchten, dass er das Ortsbild beeinträchtigt, zumal das Feuerwehrhaus ein öffentlicher Bau ist und der Mast sichtbar sein dürfte. Andere fragen nach Windlast und Standsicherheit. Solche Einwände sind in einem Dorf, in dem bauliche Veränderungen schnell sichtbar werden, nicht ungewöhnlich. Hinzu kommt ein allgemeines Unbehagen, das Mobilfunkdebatten seit Jahren begleitet: die Sorge vor zusätzlicher Strahlung in der Nähe von Wohnbebauung und öffentlichen Einrichtungen.
Auch die Frage elektromagnetischer Felder spielte in der Debatte eine Rolle. Schilandus verwies dabei auf einen Zusammenhang, der in Mobilfunkdiskussionen leicht übersehen wird: Nicht nur Masten senden, sondern auch Mobiltelefone selbst. Deren Leistung passt sich laufend der Empfangsqualität an; bei schlechtem Empfang müssen sie stärker senden.
Ein besser ausgebautes Netz kann deshalb dazu beitragen, dass Endgeräte mit geringerer Leistung arbeiten. Fachbehörden wie das Bundesamt für Strahlenschutz sehen bei Einhaltung der Grenzwerte keine Gesundheitsgefahr durch Mobilfunkanlagen.
Funklücke wird
deutlich kleiner
Für Nußdorf ist der Mast damit mehr als ein technisches Bauwerk. Er steht für eine Infrastruktur, die im Alltag längst vorausgesetzt wird, im Ort aber nicht überall verlässlich funktioniert. Wann die Anlage tatsächlich errichtet wird, hängt nun vom weiteren Verfahren und der Umsetzung durch die Telekom ab. Nach Jahren des Prüfens entscheidet sich die Gemeinde für einen Standort, der technisch naheliegt und dennoch abgewogen werden musste. Die Funklücke ist noch nicht geschlossen, aber der Weg dorthin ist deutlich kürzer geworden.