Brannenburg – Für Johann war der markante Alpengipfel im Inntal nie nur ein einfacher Berg – der Wendelstein begleitete ihn wie ein roter Faden durch sein gesamtes Leben. In seiner Jugend verbrachte er wochenlang Zeit auf der traditionsreichen Mitteralm, wo er vor über 50 Jahren auch die Verlobung mit seiner Frau Irmi feierte. Später zeigte er als stolzer Vater seinen Kindern die Bergwelt.
Auch beruflich hinterließ der gelernte Zimmerer seine Spuren hoch oben auf dem Fels: Seine Zimmerei erhielt einst den prestigeträchtigen Auftrag, das Berghotel auf dem Wendelstein komplett mit Holzschindeln einzudecken – eine Arbeit, auf die er und seine Familie bis heute mit großem Stolz zurückblicken.
Diagnose ALS zerstört alle
Pläne für den Ruhestand
Nach einem langen Arbeitsleben übergab Johann den Familienbetrieb schließlich an die nächste Generation, um den wohlverdienten Ruhestand in den geliebten Bergen oder auf Reisen zu genießen. Doch die plötzliche, niederschmetternde Diagnose ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) zerstörte alle Zukunftspläne innerhalb kürzester Zeit.
Da die unheilbare Nervenkrankheit extrem schnell voranschritt und Johann bald an den Rollstuhl fesselte, rückte der Wendelstein in unerreichbare Ferne. Sein sehnlichster Wunsch blieb jedoch bestehen: Nur noch ein einziges Mal auf den Gipfel schauen. Seine Familie wandte sich daraufhin voller Hoffnung an das Herzenswunsch-Team des BRK – und die Helfer zögerten keine Sekunde.
Sternwarte hilft mit Lift:
Führung auf dem Gipfel
Bei strahlendem Kaiserwetter startete die Reisegruppe mit der historischen Zahnradbahn von Brannenburg aus den Berg hinauf. Da der reguläre Weg von der Bergstation zum Gipfel durch alpines, steiles Gelände führt und für Rollstuhlfahrer absolut unzugänglich ist, bewies das BRK-Team Organisationsgeschick und kontaktierte im Vorfeld die Wendelstein-Sternwarte.
Die Mitarbeiter des Observatoriums reagierten sofort und mit überwältigendem Engagement: Sie stellten ihren internen Lastenlift zum Gipfel zur Verfügung und schenkten der Gruppe obendrein eine exklusive, private Führung durch die Sternwarte. Bei atemberaubender Fernsicht über das Alpenvorland durfte Johann noch einmal den Moment auf dem Gipfel genießen.
Ein letzter, emotionaler
Blick auf die Mitteralm
Der wohl bewegendste Moment spielte sich jedoch auf der Rückfahrt ins Tal ab. Auf Höhe der Mitteralm legte die Zahnradbahn auf Bitten der Begleiter eigens einen kurzen Zwischenstopp ein. So konnte Johann schweigend einen letzten, tiefen Blick auf die Alm werfen, auf der vor über einem halben Jahrhundert sein Familienglück begann.
Erschöpft von den Höhenmetern, aber sichtlich glücklich und erfüllt von den unvergesslichen Eindrücken, wurde Johann am Abend gemeinsam mit seiner Frau Irmi von den BRK-Helfern wieder nach Hause gebracht.