Rätsel um vermissten Drachenflieger

von Redaktion

31-Jähriger wird seit Dienstag am Sudelfeld gesucht – Retter im Wettlauf gegen die Zeit

Brannenburg/Bayrischzell – Es ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Seit Dienstagabend wird ein 31-jähriger Drachenflieger am Sudelfeld vermisst. Die Suche nach dem Mann aus Trier gibt Rätsel auf. Seine Spuren verlieren sich an der Walleralm. Sein Auto steht seit Montag am Parkplatz des Berggasthofes. Sein Drachen wurde am Dienstag am Rosengassenlift von Gästen des Berggasthofes gefunden. Unbemannt. Die Wirtsleute alarmierten daraufhin gegen 17 Uhr die Polizei Brannenburg.

Bergwachten, Polizei und Hubschrauber im Einsatz

Mit einem Großaufgebot an Rettungskräften wird seitdem unter Leitung der Ersten Polizeihauptkommissarin Karin Walter von der Polizeiinspektion Brannenburg am Boden und aus der Luft nach dem Drachenflieger gesucht. Am Mittwoch waren Kräfte der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei sowie der Polizeiinspektionen Brannenburg und Miesbach sowie Polizeihubschrauber und Drohnen im Einsatz. Außerdem etwa 40 Bergretter – darunter fünf Hundeführer – der Bergwachten Leitzachtal, Brannenburg, Oberaudorf, Hausham, Wasserburg und Sachrang.

Großräumiges
Suchgebiet

Die Suche wurde mittlerweile auf den gesamten Bereich des Sudelfelds, Traithen und Steilnerjoch ausgeweitet. Die Fläche beläuft sich auf circa sieben Quadratkilometer. „Wir haben alle Wege und Steige sowie die angrenzenden Wälder und Hänge abgesucht“, berichtet Dominikus Wuttig von der Einsatzleitung der Bergwacht Leitzachtal. Ohne Erfolg. Weder am Boden noch aus der Luft fanden sich Spuren des jungen Mannes. Weder die Rettungshunde der Bergwacht noch die Mantrailer der Polizei schlugen an. Im Fahrzeug des vermissten jungen Mannes konnten die Hunde an seiner Kleidung Witterung aufnehmen. Trotzdem wurde der 31-Jährige auch am Mittwoch nicht gefunden. „Die Witterungsbedingungen waren schlecht. Dichter Nebel mit Sichtweiten bis zu zehn Metern, starker Regen und Wind“, berichtet Dominikus Wuttig.

Am Mittwochnachmittag sei die Zahl der Einsatzkräfte am Sudelfeld reduziert worden, informiert Einsatzleiterin Karin Walter von der Polizeiinspektion Brannenburg. „Vermisstensuchen im alpinen Gelände sind sehr schwierig. Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, die wir noch haben“, so die Einsatzleiterin. Bis zum Einbruch der Dunkelheit wurde die Suche mit der Rettungshundestaffel fortgesetzt. Am Donnerstag ging sie weiter. Die Alpine Einsatzgruppe der Polizei suchte am Sudelfeld nach möglichen Zeugen. Polizeihubschrauber erkundeten das weitläufige Gelände weiter aus der Luft.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Retter müssen davon ausgehen, dass sich der Drachenflieger in einer hilflosen und lebensbedrohlichen Lage befindet. Auch die Hoffnung, dass Wärmebildkameras den jungen Mann nach zwei Tagen noch ausfindig machen können, schwindet. Regen, Wind und Nachttemperaturen um die fünf Grad Celsius kühlen den Körper aus. Ist der Drachenflieger noch am Berg, schwebt er in höchster Lebensgefahr.

Wo ist der
Mann aus Trier?

Genau das ist die entscheidende Frage: Ist er überhaupt noch am Sudelfeld? Oder hat sich der 31-Jährige längst selbstständig aus dem Bereich entfernt? Doch rekapitulieren lässt sich nur, wie er auf den Berg gekommen ist.

Wer mit Gleitschirm oder Drachen vom Sudelfeld starten will, fährt für gewöhnlich mit dem Auto bis zum auf 1.412 Metern gelegenen Berggasthof Walleralm. Diesen Weg muss auch der junge Mann genommen haben. Vom Parkplatz könnte er zu Fuß zum Startplatz Vogelsang gegangen sein. Doch ob er gestartet ist, weiß man nicht. Möglicherweise wurde sein Drachen von einer Windböe zum Rosengassenlift getragen. Und vielleicht, so die Hoffnung, weiß der 31-Jährige gar nicht, dass er von einem Großaufgebot an Rettern gesucht wird.

Gleitschirmflieger, die sich am Sudelfeld auskennen, wundern sich, dass der Drachen unbemannt gefunden wurde. Normalerweise sei der Pilot im Gurtzeug eng mit dem Drachen verbunden. Darin hänge man wie in einem Schlafsack unter der Tragfläche und könne während des Fluges nicht herausfallen – es sei denn, man öffne das Gurtzeug mit Absicht. Wäre der Hängegleiter abgestürzt, müsste der Pilot noch am Drachen sein. Hätte er sich mit seinem Rettungsschirm in Sicherheit gebracht, müsste dieser zu finden sein. Zudem, so berichten die Experten, seien die Flugbedingungen am Dienstag bei Regen und Wind schlecht gewesen. „Ich habe keinen fliegen sehen“, sagt ein Gleitschirmflieger.

Die Polizei hofft, dass Zeugen Klarheit schaffen können, was passiert sein könnte. Einige haben sich schon gemeldet. Sie wollen gesehen haben, wie am Dienstag ein rot-weißer Drachen über dem Sudelfeld flog. Doch ob es der Vermisste war, ist schwer nachvollziehbar. Die Suche nach dem 31-jährigen Drachenflieger geht weiter. Wer Hinweise geben kann, melde sich bitte unter der 08034/90680 bei der Polizei in Brannenburg.

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