Chiemgau – Fünf Chiemgauer Teams haben sich bei der „Superlative Adventure Club Benefiz Deutschland Rallye“ auf ein Abenteuer eingelassen, das irgendwo zwischen Roadtrip, Schnitzeljagd und rollendem Überraschungspaket lag. Mit Witz und Teamgeist waren gut aufgelegte Rallye-Piloten, betagte Fahrzeuge, jede Menge flüssiger Reiseproviant, unzählige Lachmomente und ein Roadbook voller verrückter Aufgaben dabei.
Zweimal längs
durch die Republik
Als in Hamburg der Startschuss fiel, lagen vor den Teilnehmern rund 1.500 Kilometer quer durch Deutschland, vorbei an unbekannten Landstrichen, skurrilen Begegnungen und überraschenden Herausforderungen. Mitten unter den 140 Teilnehmern befand sich eine Freundesclique aus dem Chiemgau, die für jeden Spaß zu haben ist.
Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Team Hasler, Team HR-Tec Reininger und Team Gallinger Bavarian Summer bei der Balkan Rallye mit dem Rallyevirus infiziert. „Einmal Rallye, immer Rallye“, brachte es Franz Gallinger auf den Punkt. Mit ihrer Begeisterung haben die Obinger heuer zwei weitere Teams angesteckt. So komplettierten der „Safety-Express Lederer“ aus Schnaitsee und das „Bermuda Racingteam“ aus Obing die Chiemgauer Rallyefamilie.
Die Regeln des Veranstalters hatten es in sich: kein Navi, keine Autobahn, mindestens 20 Jahre alte Fahrzeuge und mindestens 250 Euro Spendengeld für einen guten Zweck. Für Reininger und seine Mitfahrer war dies alles kein Problem. Nach einem Weißwurstfrühstück setzte sich die bunte Karawane Richtung Norden in Bewegung. Ein 36 Jahre alter roter Porsche, ein 23 Jahre alter Audi Quattro, ein 25 Jahre alter BMW Z3 Roadster, ein 21 Jahre alter Mercedes 300 Allrad und eine 40 Jahre alte Mercedes- G-Klasse waren dabei.
Mit an Bord waren Vorfreude, jede Menge flüssiger Proviant und die leise Hoffnung, dass alle Fahrzeuge bis zum Ziel durchhalten würden. Vor allem der Audi Quattro hatte noch eine offene Rechnung mit der Rallye. Im vergangenen Jahr hatte er die Reiningers früh im Stich gelassen. „Nachdem fleißig daran geschraubt wurde, hat er heuer noch eine Chance bekommen“, erzählte Renate Reininger lachend. Und der Oldie lieferte ab: Trotz mehr als 400.000 Kilometern hielt er bis zum Ende durch.
Dafür streikte unterwegs ein anderer Veteran. Rund 550 Kilometer von daheim entfernt meldete die G-Klasse des Safety-Teams Lederer einen Radlagerschaden. Doch genau in solchen Momenten zeigte sich der besondere Rallye-Spirit. Innerhalb weniger Stunden organisierten Freunde Ersatzteile, Transport und Reparatur. Am nächsten Tag konnten Marianne und Tobias Frank ihre reparierte G-Klasse wieder übernehmen.
Zusammenhalt war gefragt, denn bei dieser Benefizrallye ging es um weit mehr als nur darum, von Hamburg bis zum Bodensee von Tankstelle zu Tankstelle zu fahren. Das Roadbook verlangte den Teams einiges ab. Täglich mussten neue Routen per Landkarte geplant werden. Sehenswürdigkeiten wollten gefunden, skurrile Aufgaben gelöst und Schlafplätze organisiert werden. Dabei waren Kreativität, Improvisationstalent und manchmal auch Überredungskünste gefragt.
So mussten die Teams unter anderem einen 80-jährigen Mann namens Fritz auftreiben oder einen Dackel für eine Mission organisieren. Besonders legendär wurde eine Aufgabe in Arnbruck: Ein Teammitglied sollte in kurzer Hose, Tennissocken, Adiletten und Jägerhut mit einer Bockwurst vor einer Kuckucksuhr posieren. Dank eines hilfsbereiten Einheimischen stand wenig später nicht nur eine passende Kuckucksuhr bereit, sondern gleich ein improvisiertes Fotostudio im Keller. „Ein komplett verrückter Typ“, lachte Herbert Reininger noch Tage später.
Überhaupt lebte die Rallye vom Teamgeist. „Wir ergänzen uns hervorragend und können uns aufeinander verlassen“, erzählte Manuela Künzner. Irgendjemand kannte immer irgendjemanden, der helfen konnte. „Alle waren sehr hilfsbereit“, ergänzte Bettina Nuber. Genau dieser Zusammenhalt mache für viele den besonderen Reiz der Rallye aus. Und auch ein Gefühl der Freiheit. Während die Teams Frank und Reininger einige Nächte in ihren Fahrzeugen verbrachten, gönnten sich die anderen ein wenig Hotelkomfort. Doch egal ob Hotelbett oder Schlafsack im Auto – die obligatorische „Feierabendhalbe“ durfte nie fehlen, verriet Bettina Nuber. Dabei wurden die Erlebnisse des Tages noch einmal gemeinsam durchgekaut, Pannen analysiert und neue Missionen geplant.
Beeindruckt zeigten sich alle von den Landschaften entlang der Strecke. Viele entdeckten Regionen Deutschlands, die sie bislang kaum kannten. „Es gibt noch Landstriche mit endlosen Alleen, Kopfsteinpflasterstraßen und Städten wie aus dem Mittelalter“, schwärmte Manuela Künzner. Besonders die Fränkische Schweiz mit ihren tiefen Tälern, Burgen und kurvigen Straßen hatte es Barbara und Franz Gallinger angetan.
Spontane Ansteckung
am Rallyefieber
Zu den Höhepunkten zählten eine Fahrt auf der Kartbahn in Oschersleben sowie die Auffahrt auf die Zugspitze. Und überall entlang der Strecke begegneten den Rallyeteams Menschen, die spontan mithalfen und sich vom Rallyefieber anstecken ließen. „Wir hätten nie gedacht, dass wildfremde Leute mit so viel Begeisterung versuchen, unsere Challenges zu unterstützen“, sagte Marianne Frank.
Auch Herbert Reininger war begeistert vom besonderen Gemeinschaftsgefühl: „Die Rallyefahrer sind alle ein bisschen verrückt – und einfach gut drauf.“ Das zeigte sich auch kurz vor der Ziellinie. Kurzerhand organisierten die Chiemgauer am vorletzten Rallyetag in der Camba Brauerei eine gemeinsame Brotzeit, zu der 68 Teams auftauchten.
Neben allen Abenteuern stand immer auch der gute Zweck im Mittelpunkt. Insgesamt kamen bei der Benefizrallye rund 68.000 Euro zusammen. Die fünf Chiemgauer Teams sammelten dabei über 3.000 Euro für zwei Waisen aus Pittenhart sowie den an ALS erkrankten Ralf Huber aus Obing.
Und dann gab es am Ende sogar noch sportlichen Grund zum Jubeln: Das Team Hasler fuhr auf den dritten Platz – zur großen Freude der übrigen Chiemgauer Mannschaften.