Hurra, John und Rita sind wieder da!

von Redaktion

Zurück zu den Wurzeln: Nach Monaten der Unsicherheit und einem Rechtsstreit haben John und Rita Gonzalves ihren Gasthof Zur Post in Obing zurück. Die Wirtsleute wollen ihr Traditionsgasthaus Mitte Juni wiedereröffnen.

Obing – Spontan, offen und herzlich – seit über vier Jahrzehnten ist „der John“ eine Institution für Musikfans und Freunde entspannter Gastlichkeit. Ganze 29 Jahre lang führten John und Rita Gonzalves den Gasthof Zur Post in Obing und prägten das gesellschaftliche Leben der Gemeinde entscheidend mit. Tief im Ort verwurzelt, liegt ihnen das traditionsreiche Wirtshaus, das zugleich Heimat zahlreicher Vereine ist, besonders am Herzen.

Vom Traum zum Albtraum: Die gescheiterte Nachfolge

Im vergangenen August hatten die 74- und 71-jährigen Wirtsleute ihren Gasthof langfristig an die Beathouse Company verpachtet. Nach einer dreijährigen Suche nach geeigneten Nachfolgern glaubten sie, die Zukunft ihres Lebenswerks in gute Hände gelegt zu haben und freuten sich auf einen entspannten Ruhestand.

Doch die anfängliche Harmonie endete im Chaos. Seit Februar ist der Gasthof geschlossen. Vereinsveranstaltungen konnten nicht stattfinden, lang geplante Theateraufführungen mussten kurzfristig abgesagt werden. Im Nachhinein erwies sich die Nachfolgeregelung als Missgriff, der schließlich vor Gericht endete.

Während des laufenden Verfahrens äußerten sich John und Rita Gonzalves nicht öffentlich zu den Geschehnissen. Auch aktuell möchten sie nicht nachtarocken.

Den schweren Vorwurf der Pächterseite, Brandschutzauflagen seien nicht eingehalten worden und ein zweiter Fluchtweg fehle, wollen sie so jedoch nicht unwidersprochen stehen lassen. „Seit dem 11. Mai ist der Pachtvertrag per Gerichtsurteil aufgehoben und wir haben unser Haus wieder“, sagt John Gonzalves sichtlich erleichtert. Viele schlaflose Nächte und die Sorge um die Zukunft des Traditionsgasthofs liegen hinter dem Ehepaar. Besonders belastend sei für beide auch das Bild gewesen, das ihrer Wahrnehmung nach in der Öffentlichkeit von ihnen gezeichnet wurde.

„Wir haben zu keiner Zeit fahrlässig die Sicherheit unserer Gäste aufs Spiel gesetzt“, stellt John Gonzalves klar. Seit 1996 führen er und seine Frau Rita den Gasthof zur Post. Die damals verbindlichen Brandschutzauflagen, die nach einer Begehung des Landratsamtes Anfang der 1990er- Jahre mit dem Vorbesitzer festgelegt worden waren, seien seiner Darstellung nach eingehalten worden. So verfüge der Saal über einen zweiten Fluchtweg, der durch das Gebäude ins Freie führt. Bei einer Hausbegehung habe man die Gegebenheiten auch den neuen Pächtern erläutert, berichtet Rita Gonzalves. Im Brandfall würden die Gäste über einen langen Gang durch eine Brandschutztür und anschließend über eine Treppe ins Freie geleitet. Dieser Fluchtweg habe stets sowohl die Sicherheit der Saalbesucher als auch der Hotelgäste gewährleistet.

Die Behauptung, das Landratsamt habe den ersten Stock des Gebäudes zwischenzeitlich komplett gesperrt, habe zu keiner Zeit der Wahrheit entsprochen, betonen die Wirtsleute. Die neun Hotelzimmer könnten uneingeschränkt genutzt werden. Aktuell dürften lediglich im Saal keine Veranstaltungen stattfinden. „Doch auch hier wird sich eine gute Lösung finden. Wir sind mit dem Landratsamt im guten Austausch und bemüht, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten“, erklärt John Gonzalves.

Besonders bewegt zeigt sich das Wirtsehepaar von der Unterstützung von Gästen, Freunden und Weggefährten, die es in den vergangenen Monaten erfahren hat. „Gott sei Dank ist der Albtraum vorbei und wir haben per Gerichtsbeschluss unser Haus zurück. In dieser schweren Zeit haben uns so viele liebe Menschen immer wieder Mut gemacht und uns Kraft gegeben. Viele sind sogar zur Gerichtsverhandlung gekommen und haben uns auch dort mental unterstützt. Herzlichen Dank für die Gebete und die aufmunternden Worte. Ihr seid einfach wunderbar“, sagt Rita sichtlich gerührt von dem seelischen Beistand. Diese Unterstützung zu erleben, sei eine unschätzbare Hilfe gewesen.

Nun blicken John, Rita und Sohn Marcel wieder nach vorne. Bereits Mitte Juni soll der Gasthof zur Post seine Türen wieder öffnen und damit das kulturelle und gesellige Leben in Obing zurückbringen. Trotz aller Belastungen der vergangenen Monate haben die beiden ihren Optimismus nicht verloren. Nach wie vor sind sie überzeugt, einen passenden Nachfolger zu finden. „Es gibt viele gute Wirte da draußen, man muss sie nur finden“, sagt John Gonzalves unbeirrt.

Bis dahin packen die beiden noch einmal selbst an. „Wir werden keine Bäume mehr ausreißen. Wir müssen sie nur gießen“, stellt das Wirte-Original mit einem Augenzwinkern fest. An vier Tagen pro Woche wollen John und Rita ihre Gäste künftig mit einer etwas kleineren Speisekarte im Lokal und im Biergarten verwöhnen. Das bewährte Personal steht weitgehend in den Startlöchern.

Gelächter und Vorfreude rund um den Gasthof

Beim Besuch der Heimatzeitung herrschte rege Betriebsamkeit und Gelächter rund um den Gasthof. Die Aufbruchsstimmung war deutlich spürbar. Handwerker und Lieferanten gaben sich die Klinke in die Hand, letzte Arbeiten im Biergarten wurden erledigt und mittendrin – John und Rita voller Tatendrang. Auch einige Schützen waren in Aktion. Sie bauten den Pizzaofen ab, den die ehemaligen Pächter nicht mehr nutzen wollten. Die Freude darüber, dass man sich „beim John“ bald wieder zum Essen, Feiern oder einfach zum gemütlichen Ratsch oder am Stammtisch treffen kann, war bei allen Beteiligten deutlich spürbar. „Wir freuen uns schon wieder auf das Bedienen der Gäste und den kurzen Ratsch nebenbei“, betonen John und Rita übereinstimmend. Der Stress liege hinter den Kulissen, aber das schieben beide bewusst beiseite. Zu groß ist die Freude darüber, dass der Gasthof zur Post wieder mit Leben erfüllt wird.

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