Kinder sind die Zukunft – und Zuschussgeschäft

von Redaktion

Kindergärten sind für Gemeinden ein Zuschussgeschäft. In Rohrdorf sorgte die Jahresabrechnung einer Kita für Erstaunen: Einem Plus von 115.000 Euro folgt ein Defizit von 260.000 Euro. Der Grund für die starken Schwankungen ist die Anzahl der betreuten Integrationskinder.

Rohrdorf – „Kinder sind unsere Zukunft.“ Diesem Satz wird jeder zustimmen. Doch nicht nur deshalb gehört die Bereitstellung von ausreichend vielen Hort- und Kindergartenplätzen zu den wichtigeren Zielen jeder Gemeindeverwaltung. Es geht dabei aber nicht nur um die Zukunft, es geht auch ums Hier und Jetzt. Es geht beispielsweise auch um die Attraktivität als Gewerbestandort. Ein Ort, der eine lebendige Kindergartenlandschaft hat, ist für Unternehmen interessant, weil dort, wo Kinder tagsüber problemlos untergebracht werden können, auch leichter Arbeitskräfte zu finden sind.

Kindergärten wichtig für
Attraktivität der Gemeinde

Oder, aus der Sicht der Eltern formuliert: Aus einem Ort mit attraktiven Kindergartenangeboten zieht man nicht so leicht weg. Im Gegenteil, man zieht dort gerne hin. So weit ist alles klar.

Selten aber macht man sich bewusst, welche finanziellen Belastungen die Gemeinden schultern müssen, um Kindergartenplätze anbieten zu können. Und es geht dabei noch gar nicht um Neubauten von Kindertagesstätteneinrichtungen. Es geht schlicht um die Finanzierung dessen, was schon besteht. Denn jeder Hort, jeder Kindergarten ist per se eine defizitäre Einrichtung – er kann aus dem, was durch die Elternbeiträge zusammenkommt, auf Dauer definitiv nicht betrieben werden.

Um welche Beträge es dabei gehen kann, sorgt in den Stadt- und Gemeinderäten des Landkreises immer dann für Erstaunen – wenn nicht gar für richtige Überraschungen –, wenn die Kindertagesstätten ihre Jahresabrechnungen einreichen. Denn die Zahlen einer solchen Abrechnung bleiben nicht etwa gleich oder weisen nur kleinere Schwankungen auf, wie man als Laie zunächst vermuten könnte. In Rohrdorf beispielsweise sah sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung vielmehr mit gewaltigen Sprüngen konfrontiert: Der Kindergarten in Thansau hatte seine Abrechnung für das vergangene Jahr noch mit einem Plus von rund 115.000 Euro abgeschlossen, erwartet für das laufende Jahr aber ein Defizit von etwa 260.000 Euro. Von dem die Gemeinde Rohrdorf vereinbarungsgemäß 90 Prozent übernimmt.

„Wie kann das sein, wie kann es zu solchen Sprüngen kommen?“, fragten sich auch die Rohrdorfer Gemeinderäte. Tut sich da etwa ein Abgrund an Misswirtschaft auf? Mitnichten, so konnte Martin Grick zumindest in diesem Punkt beruhigen. Martin Grick, Chef des Ordnungsamtes der Gemeinde, hat auch die Kitas in seinem Aufgabenbereich. Er konnte erklären, dass scheinbare Gewinne oder tatsächliche Defizite in erster Linie von der Zahl der sogenannten Integrationskinder abhängen.

Das sind all jene Kinder, die aufgrund von Beeinträchtigungen einen erhöhten Förderbedarf haben, was in der Regel auch deutlich mehr Personal pro Kind erfordert. Ein zusätzlicher Aufwand, den der Staat durch höhere Zuschüsse auszugleichen versucht. Martin Grick konnte auch sagen, um welche Zahlen es dabei geht: Für einen durchschnittlichen Kindergartenplatz beläuft sich die jährliche staatliche Förderung im Schnitt auf 2.000 bis 3.000 Euro. Für einen Integrationsplatz werden hingegen bis zu 90.000 Euro angesetzt. Verständlich, dass bei solchen Summen die Einrichtungen die Zahl „ihrer“ Integrationskinder nicht einfach so, nach Gutdünken, festsetzen können. Sie müssen vielmehr einen „Integrationsplatz“ für jedes in Frage kommende Kind individuell beim Landratsamt beantragen. Und nicht jeder Antrag wird bei der dortigen intensiven Prüfung auch bewilligt.

Was nichts anderes heißt, als dass die Kindertagesstätten bei der Hochrechnung ihrer Finanzsituation für das laufende Abrechnungsjahr sehr vorsichtig sind: Sie gehen alle vorsichtshalber von einer eher schlechteren Sachlage aus, um nicht hinterher mit dem großen Überraschungshammer kommen zu müssen. Konkret heißt das beispielsweise, wie Martin Grick dem Rohrdorfer Gemeinderat erläuterte, dass eine Einrichtung in ihrer Kostenhochrechnung oft nur von zwei bis drei am Ende tatsächlich bewilligten Integrationsplätzen ausgeht, auch wenn vielleicht zehn beantragt wurden.

Vor diesem Hintergrund wurde auch ein Punkt verständlich, der in einer der vergangenen Sitzungen für Nachfragen gesorgt hatte: Warum das Defizit des Naturkindergartens verglichen mit den anderen Rohrdorfer Kindergärten immer etwas höher liegt. Der Grund liegt auch hier in der Zahl der Integrationskinder, von denen der Naturkindergarten meist weniger hat. Nicht etwa, weil man dort Kinder mit erhöhtem Förderungsbedarf nicht aufnehmen wollte oder könnte. Sondern, wie Martin Grick vermutete, weil Eltern fälschlicherweise glaubten, dass ihr Kind von einem Naturkindergarten nicht angenommen würde oder dort nicht optimal betreut werden könnte.

Unsichtbare Investition
in die Zukunft

Kinder, um diesen Eingangsgedanken noch einmal aufzugreifen, sind unsere Zukunft. Und deshalb wird gerade hier eines sehr schön deutlich: Es sind eben nicht in erster Linie beeindruckende Neubauten – sprich die Kür –, die eine Gemeinde zukunftsfähig machen. Es sind vielmehr meist Dinge, bei denen das Geld, das dafür aufgewendet werden muss, gar nicht augenfällig wird.

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