Schnaitsee – Das Thema Kinderbetreuung stand im Mittelpunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung am Montag.
Das Gremium befasste sich dabei sowohl mit der finanziellen Unterstützung der bestehenden Einrichtungen als auch mit den nächsten Schritten für das geplante neue Kinderhaus.
Erhöhter
Gewichtungsfaktor
Ein zentraler bürokratischer, aber finanziell bedeutender Punkt auf der Tagesordnung war die Genehmigung des sogenannten „Gewichtungsfaktors 4,5 + X“ für Integrationskinder für das Bewilligungsjahr 2025. Bei Kindern mit Behinderung greift im Rahmen der gesetzlichen Förderung ein erhöhter Gewichtungsfaktor von 4,5.
Der darüber hinausgehende, einrichtungsindividuelle Faktor „X“ deckt die Brutto-Personalkosten ab, die für die intensivere Betreuung anfallen und bis zu 80 Prozent abgerechnet werden können. Die erhöhte Förderung wird zu gleichen Teilen vom Staat und der Kommune getragen, was jeweils 40 Prozent entspricht.
Der Gemeinderat stimmte den Anträgen für die drei Kindertagesstätten im Gemeindebereich nach kurzer Erläuterung jeweils vollkommen einstimmig zu. Für den Kindergarten St. Martin Kienberg, wo derzeit ein Kind der Gemeinde betreut wird, bedeutet der X-Faktor von 2,48 eine freiwillige Erhöhung der Förderung um 7.547 Euro.
Beim Kindergarten Arche Noah Schnaitsee beläuft sich die zusätzliche Förderung mit einem X-Faktor von 1,97 für eine Vielzahl von Buchungszeiträumen im vergangenen Bewilligungsjahr auf stolze 44.651,63 Euro.
Für das Awo-Kinderhaus Sonnenschein Waldhausen liegt sie bei einem Faktor von 1,41 bei rund 16.225 Euro. Insgesamt werden somit mehr als 68.000 Euro in die Hand genommen, um eine lückenlose und qualitativ hochwertige Arbeit vor Ort sicherzustellen.
Unter Tagesordnungspunkt vier ging es dann noch um eines der Mammutprojekte der Gemeinde: den Neubau des Kinderhauses Schnaitsee. Aufbauend auf dem Gemeinderatsbeschluss vom 8. Dezember des vergangenen Jahres, wurde die Entwurfsplanung in enger Abstimmung aller Beteiligten kontinuierlich fortgeschrieben.
Johannes Kesser vom gleichnamigen Architekturbüro stellte dem Gremium nun seinen Entwurf samt Kostenberechnung und dem dazugehörigen Erläuterungsbericht detailliert vor. Bei diesem Vorhaben handelt es sich um ein echtes Großprojekt für die Gemeinde, da westlich der bestehenden Turnhalle auf dem Schulgelände der Grund- und Mittelschule eine eigenständige, hochmoderne Betreuungseinrichtung entsteht, während die bestehenden Schulgebäude unberührt bleiben.
Bei seiner Präsentation zeigte Kesser die aktuelle Kostenberechnung auf und verglich diese mit der Schätzung von Ende November sowie dem sogenannten BKI-Mittelwert. Es handelt sich dabei um den statistischen Durchschnittswert anderer abgerechneter Bauprojekte.
Für das Herrichten und Erschließen des Grundstücks liegen die Kosten demnach bei rund 63.320 Euro. Das sind 3.000 mehr als in der Schätzung, aber weniger als die Hälfte vom BKI-Mittelwert. Für das Bauwerk und die Konstruktion an sich rechnet der Architekt mit einer Summe von fast 3.962.000 Euro, Ende November wurde der Betrag auf 3.812.000 geschätzt. Dennoch liegt er weit unter dem BKI-Vergleich.
Fügt man Faktoren wie Ausstattung, Freianlagen und weitere technische Aspekte hinzu, liegen die Gesamtkosten inklusive Mehrwertsteuer demnach bei 7.647.699 Euro. Im November wurden sie noch auf knapp sieben Millionen geschätzt. Der BKI-Mittelwert wird auf über acht Millionen Euro gerechnet. „Wir sind somit nachweisbar günstiger als der bayerische Mittelwert“, fügte Kesser hinzu.
Ebenso betonte er, dass er bei seinen Berechnungen wegen des Irankriegs und steigender Kosten mit höheren Beträgen gerechnet hat. So könne die Gemeinde vermutlich sogar günstiger abschließen, als aktuell angenommen werde.
Dass die Gemeinde hier viel Geld in die Hand nimmt, ist keine Luxusentscheidung, sondern eine direkte Reaktion auf den massiven strukturellen und gesetzlichen Druck bei der Kinderbetreuung. Zum einen stoßen die Kapazitäten der bestehenden Einrichtungen aufgrund rasant steigender Kinderzahlen an ihre Grenzen.
Zum anderen greift ab dem Schuljahr 2026/2027 stufenweise der bundesweite gesetzliche Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung für Grundschulkinder.
Planungssicherheit
für Berufstätige
Gebaut wird konkret eine Einrichtung, die Platz für rund 100 Hortplätze sowie etwa 40 Plätze für den Kindergarten und die Kinderkrippe bieten soll. Damit sorgt die Gemeinde Schnaitsee rechtzeitig dafür, diese gesetzliche Pflicht lückenlos zu erfüllen und berufstätigen Eltern Planungssicherheit zu bieten.
Der Gemeinderat zeigte sich nach kurzer Diskussion vom vorgestellten Konzept von Architekt Kesser überzeugt. Der Beschlussvorschlag, das Einverständnis mit dem Entwurf mit Stand vom 15. Mai zu erklären und darauf aufbauend die nächsten Planungsschritte sowie die notwendigen Förderanträge in die Wege zu leiten, wurde vom Gemeinderat mehrheitlich angenommen.