Thansau – Ende der Fünfziger und in den Sechzigern war die Freiwillige Feuerwehr Thansau möglicherweise deutlich häufiger auf den Ortsstraßen zu sehen als heute. Zumindest in den Wintermonaten. Da übernahmen die Feuerwehrler mit ihrem Einsatzfahrzeug nämlich den Räumdienst in diesem Rohrdorfer Ortsteil. So berichtet es jedenfalls die Festschrift zum 75. Jubiläum der Thansauer Feuerwehr, das am vergangenen Wochenende seinen Höhepunkt hatte.
Und diese Erzählung ist viel mehr als eine nette Anekdote. In ihr steckt viel von dem, was den Geist der Thansauer Wehr noch heute auszeichnet: Dass es beim Ehrenamt als Feuerwehrler nicht bloß darum geht, den anderen in Notfällen zu helfen – obwohl schon das eigentlich mehr als genug wäre. Sondern dass die Thansauer Wehr sich als ständigen Teil des Ortslebens sieht, und zwar als äußerst aktiven. Oder anders gesagt: Wenn im Dorf etwas ansteht – die Thansauer Feuerwehrler sagen bestimmt nicht ‚nein‘, sondern packen an.
Dementsprechend war das große Jubiläumswochenende dann auch ein Fest für alle Thansauer, ob klein oder groß. Zum Beispiel am Samstag, beim Blaulichttag. Da war nicht nur Action geboten bei einer simulierten Rettung aus einem Fahrzeug, das dann hinterher noch zu löschen war. Es gab auch viel zu erfahren über Spezialeinsatzkräfte der Feuerwehr, von denen man als Laie in der Regel noch nie gehört hat. Etwa die sogenannte Flughelfergruppe des Landkreises. Sie wird immer dann zum Einsatz gerufen, wenn es in unwegsamem Gelände brennt, sprich dort, wo man mit beräderten Fahrzeugen nicht mehr hinkommt – dann müssen Hubschrauber, etwa die der Polizei, angefordert werden. Damit die aber auch löschen oder zumindest Löschwasser zum Einsatzort transportieren können, brauchen sie nicht nur angehängte Wassersäcke, sondern vor allem auch Personal, das damit umgehen kann – sowohl am Boden als auch im Hubschrauber. Und genau diese Aufgaben übernehmen die speziell geschulten Mitglieder der Flughelfergruppe.
So interessant der Vormittag und Nachmittag an diesem Blaulichtsamstag mit allen Fahrzeugen und Vorführungen waren, am Abend gab es dann doch noch einen besonderen Höhepunkt. Kraftsport mit Feingefühl hätte man die Aufgaben beschreiben können, denen sich sechzehn Viererteams stellten. Denn es galt nicht nur, einen Lanz-Bulldog des Baujahrs 1940 quer durchs Zelt zu ziehen, der immerhin satte 3,3 Tonnen wog. Sondern auch ein Teammitglied in einem Schubkarren sicher und „umfallfrei“ über einen Hindernisparcours zu transportieren. Womit die schwerste Aufgabe für die Feinmotorik noch gar nicht angesprochen ist: Denn da gab es ein Zielwerfen mit „Verkehrssicherungselementen“ – sprich den Hütchen, mit denen sonst Unfallstellen abgesichert werden. Man sollte sie so werfen, dass sie auf den Stielen der Heugabeln landeten, die in den Strohballen steckten.
Den ersten Platz überließen die Thansauer Teams übrigens – ganz großzügige Gastgeber – einer Mannschaft der Rohrdorfer Feuerwehr, die sich „Unter Druck“ nannte. Diese war Anspannung offensichtlich gewohnt, sodass ihnen noch ein wenig mehr Leistungsdruck nichts ausmachte. Kurz: Das Feuerwehrjubiläum, das am Sonntag von einem Festgottesdienst samt der Weihe des ganz neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs gekrönt war, zeigt eines wieder deutlich: Der Ortsteil Thansau ist mit seinen Feuerwehrfrauen und -männern untrennbar verbunden.