Vom Traumzauberbaum und der Gemeinschaft

von Redaktion

Die Premiere des Musikmärchens „Der Traumzauberbaum“ vereinte 45 Bewohner, Mitarbeitende und Unterstützer des Caritas-Hauses Christophorus auf der Bühne. Und zeigte, was möglich ist, wenn Hand in Hand greift.

Brannenburg – Beim Tag der offenen Tür im Caritas Haus Christophorus Brannenburg am Rosenweg stand nicht nur ein Blick hinter die Türen einer besonderen Einrichtung auf dem Programm. Im Mittelpunkt des Vormittags stand die Premiere des Musikmärchens „Der Traumzauberbaum“ – und es war tatsächlich eine Premiere im Haus. Insgesamt 45 Mitwirkende standen mit ihren Betreuern auf der Bühne. Bewohner, Mitarbeitende und Unterstützer hatten das Stück in den vergangenen Wochen vorbereitet und einstudiert.

Ein Ort des
gemeinsamen Lebens

Das Haus Christophorus ist eine Einrichtung der Caritas für Kinder, Jugendliche und im Haus erwachsen gewordene junge Menschen mit geistigen, körperlichen und mehrfachen Behinderungen. In mehreren Wohngruppen erhalten sie dort Begleitung, Förderung und Unterstützung im Alltag. Ein Tag der offenen Tür ist für eine solche Einrichtung mehr als ein Besuchstermin. Er bietet Gelegenheit, Einblicke in den Alltag zu geben, Berührungsängste abzubauen und zu zeigen, wie Leben mit hohem Unterstützungsbedarf organisiert werden kann.

Schon beim Eintreten ist zu spüren, dass dieser Tag sorgfältig vorbereitet wurde. Auf den Gängen herrscht geschäftiges Treiben, Besucher werden begrüßt, Mitarbeitende führen Familien, Freunde und Interessierte in kleinen Gruppen durch das Haus.

Der Rundgang zeigt eine Einrichtung, die nicht wie ein anonymes Heim wirkt, sondern wie ein Ort des gemeinsamen Lebens. Die Wohnbereiche erinnern an überschaubare Wohngemeinschaften. Helle Räume, klare Farben, breite Flure, barrierefreie Wege und ruhige Rückzugsorte prägen das Bild.

„Bei uns wird gelebt, gelacht, gearbeitet“, sagt Alexandra Huber, die Leiterin des Hauses. Der Satz klingt an diesem Vormittag weniger wie ein Leitbild als wie eine Beschreibung dessen, was die Besucher in den Räumen sehen.

In einem Bereich liegen Hilfsmittel bereit, die im Alltag oft entscheidend sind: adaptive Schneidebretter, Messer mit im rechten Winkel angesetztem Griff, Greifhilfen und Kommunikationsgeräte. Auf den ersten Blick sind es einfache Gegenstände. Tatsächlich zeigen sie, wie viel Selbstständigkeit von praktischen Lösungen abhängen kann. Sie helfen, Bewegungen selbst auszuführen, Entscheidungen mitzuteilen oder Tätigkeiten mit möglichst viel eigener Beteiligung zu übernehmen.

Während die Besucher durch das Haus gehen, bereitet sich im großen Saal bereits der Höhepunkt des Tages vor. Dort liegen Requisiten für den „Traumzauberbaum“ bereit: eine gebastelte Sonne, ein Baumstumpf vom Samerberg, Scherenschnitte aus der eigenen Werkstatt, Bretter eines Trachtenvereins. Das Bühnenbild ist ein Gemeinschaftswerk. Vieles ist handgemacht, aber nichts wirkt zufällig. Gerade weil die Mitwirkenden ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, ist die Aufführung auch organisatorisch eine besondere Leistung.

Als das Licht im Saal erlischt, treten Moosmutzel, Waldwuffel und viele weitere Figuren auf. Mehrere Bewohner sitzen in ihren Rollstühlen und werden von Begleitern auf die Bühne gebracht. Andere Mitwirkende sprechen, singen, halten Requisiten, geben Einsätze oder begleiten die Szenen. Manche reagieren auf Musik, Licht, Bewegung und Stimmen. Hilfe ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern Teil des gemeinsamen Auftritts. „Wir wollen sichtbar machen, dass jeder Mensch wertvolle Talente und eine eigene Form des Ausdrucks besitzt“, sagt eine Heilerziehungspflegerin. Die Aufführung zeigt, wie unterschiedlich solche Ausdrucksformen sein können.

Eine junge Frau im Rollstuhl wird mit einer selbst gebastelten Sonne begrüßt, die an ihrer Rückenlehne leuchtet. Ein Bewohner, in weiße Laken gehüllt, tritt als Gespenst auf. Die jüngsten Mitwirkenden verteilen beim Liebkoselied blinkende Herzen, die durch die Reihen wandern. Weitere Rollen erzählen kleine Geschichten: eine Frühlingsblume, ein Regentropfen, ein Wölkchenschäfchen, ein silbern glitzerndes Bächlein. Als eine junge Frau als Gute-Nacht-Fee mit leuchtendem Diadem erscheint, wird es für einen Moment still im Saal. In solchen Augenblicken lässt sich erkennen, wie viel Vorbereitung, Vertrauen und Begleitung in dieser Aufführung steckt.

Teilhabe beginnt
im Kleinen

Nach dem Schlussapplaus bleiben viele Besucher noch im Haus und im Innenhof zusammen. Sie sprechen mit Mitarbeitenden, tauschen Eindrücke aus oder schließen sich weiteren Führungen an. Dabei wird deutlich, dass Teilhabe hier oft im Kleinen beginnt: bei Türen, die breit genug sind, bei Hilfsmitteln, die Handgriffe ermöglichen, und bei Mitarbeitenden, die Zeit geben, bis eine Reaktion kommt.

Als später die Requisiten eingesammelt werden, liegt der Applaus noch in der Luft. Der Baumstumpf vom Samerberg, die gebastelte Sonne und die blinkenden Herzen erzählen dann noch einmal, worum es an diesem Vormittag ging: nicht um eine perfekte Aufführung, sondern um einen gemeinsamen Auftritt.

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