Mit Rechen „bewaffnet“ auf das Surfbrett

von Redaktion

Der Tinninger See ist in diesem Jahr besonders stark mit dem Rauen Hornblatt zugewachsen. Die Wasserpflanzen trüben den Badespaß, obwohl die Wasserqualität steigt. Am Samstag, 20. Juni, werden deswegen tatkräftige Helfer zum „Seegrasfischen“ gesucht, für Verköstigung wird gesorgt.

Riedering – Die Temperaturen steigen und mit dem Sommer steigt auch die Lust auf einen Sprung ins kühle Nass. Viele Riederinger springen aber lieber in Seen anderer Gemeinden statt in den Tinninger See vor der eigenen Haustür. Der Grund: das Raue Hornblatt, vereinzelt auch das Ährige Tausendblatt.

Wasserqualität passt,
sonst wüchse nichts

Die Wasserpflanzen überwuchern seit einigen Jahren jeden Sommer die Wasseroberfläche des Sees. Auch wenn dies eigentlich ein Zeichen für gute Wasserqualität ist, geht der Spaß am Schwimmen aber buchstäblich baden. Denn nicht jeder mag es, beim Bahnenziehen von unten gekitzelt zu werden. Damit der Sprung ins kühle Nass aber weiterhin „angenehm“ bleibt, hat sich vor vier Jahren ein Interessenverein gegründet, damit der Tinninger See auch als Badesee attraktiv bleibt.

Egal, ob der teure Einsatz der „Seekuh“, eines Mähschiffs oder das Ausbringen von Quarzmehl zur Eindämmung des Rauen Hornblatts – nichts scheint wirklich zu helfen. Dabei sei das eigentliche Ziel, wie Sabine Pummerer, Vorsitzende des Tinninger See Interessenvereins, auf Nachfrage des OVB erklärt, erreicht: „Die Wasserqualität hat sich in den vergangenen Jahren stark gebessert.“ Der Kanalanschluss der Ortsteile Gögging und Tinning sowie die Überprüfung der Zuläufe habe stark dazu beigetragen.

In der Vergangenheit waren es Algen, mit denen die Riederinger im Tinninger See aufgrund der schlechten Wasserqualität und hoher Nährstoffeinträge zu kämpfen hatten. Die Gemeinde beauftragte 2016 ein Ingenieurbüro mit der Suche nach einer Lösung für das Problem. In Kooperation mit dem Limnologischen Institut der LMU München wurde Quarzmehl im See ausgetragen. Dieses reduziert die Phosphoreinträge und dämmt den Algenwuchs ein.

Derzeit keine Beseitigung
durch Gemeinde geplant

Auch das Wachstum des Rauen Hornblatts sollte durch den Quarzmehleintrag reduziert werden. Doch trotzdem wuchert es weiter. „Wir wissen aber nicht, wie der See ohne das Quarzmehl aussehen würde“, sagt Johannes Lang, Geschäftsleiter der Gemeinde. Ein Vergleich zur Langzeitwirkung sei ihm nicht bekannt. Der Tinniger See sei da schon „eher ein Feldversuch“.

Vonseiten der Gemeinde seien laut Lang derzeit keine Beseitigungsmaßnahmen geplant. Auch, weil diese rein rechtlich „keine Handhabe“ besitze. Der See selbst befindet sich nämlich in Privatbesitz von zwei Eigentümern. „Sollten wir etwas planen, ginge dies nur in Absprache mit den Eigentümern, dem Interessenverein und dem Fischereiverband“, so Lang. Insbesondere Letzterer störe sich weniger am Seegras, da die Wasserpflanze das Ökosystem See bereichere.

In puncto Wasserqualität war die Maßnahme ein Erfolg. Aber über das sauberere Wasser freut sich eben auch das Raue Hornblatt. In diesem Jahr sogar besonders früh aufgrund des warmen Wetters im April, so Pummerer. Etwa alle zwei Wochen räumen die rund 30 Vereinsmitglieder deswegen den Einstiegsbereich vom Rauen Hornblatt frei.

Maßnahmen wie das Abmähen des Sees mit der „Seekuh“ hätten in der Vergangenheit wenig Wirkung gezeigt. Im Gegenteil verstärke das Mähen laut der Vereinsvorsitzenden den Pflanzenwuchs nur. Denn das Gerät schneidet die Pflanzen etwa nur rund einen Meter unter der Wasseroberfläche ab, statt sie ganz zu entfernen. An der Schnittstelle wachsen dann zwei bis drei neue Pflanzen nach, was letztlich den gegenteiligen Effekt von dem hat, was man eigentlich erzielen möchte. Auch die hohen Kosten sprechen gegen den Einsatz des Mähroboters: „30.000 Euro pro Einsatz“, wie Johannes Lang auf Nachfrage mitteilt.

Einsammeln
gegen das Ekelgefühl

„Bewaffnet“ mit Rechen paddeln sie dafür auf Surfbrettern auf den See hinaus. Mit den Rechen sammeln sie die Wasserpflanzen von Hand ein. Nicht auf dem gesamten See, dafür sei er zu groß. Aber so viel, damit zumindest in Ufernähe ohne das Ekelgefühl von unten gebadet werden kann.

Unterstützung kommt dabei auch von Kiosk-Betreiberin Sandra Krug. Seit zwei Jahren betreibt sie die „SanSeeBar“ am Tinninger See. „Alle Kinder, die beim Abfischen helfen, bekommen ein Eis“, so Krug.

Da es in diesem Jahr aber einiges mehr an Wildwuchs herauszuholen gilt, hoffen Kiosk-Betreiberin und Verein auf tatkräftige Unterstützung aus der Bevölkerung. „Brotzeit und Bierchen sind Ehrensache“, schreibt Krug dazu in einem Instagram-Post.

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