„Der Platz ist kein Platz“

von Redaktion

Bahnhof Aschau: Neuerrichtung Pavillon und weitere Gestaltungsvorschläge

Aschau – Mit einem Umbau des Bahnhofsplatzes ergäben sich hervorragende Chancen für den Tourismusort Aschau. Harald Mair als beratender Landschaftsarchitekt und Alois Juraschek als beratender Architekt und Stadtplaner präsentierten in der jüngsten Aschauer Gemeinderatssitzung Vorschläge für die Gestaltung des Bahnhofsplatzes. Aber: Aktuell gibt es noch keinen Beschluss für eine Umsetzung.

Eklatante Mängel
bei der Gestaltung

Mair zeigte zuerst eklatante Mängel der aktuellen Gestaltung auf, anschließend präsentierte Juraschek „mögliche gestalterische Ideen“ sowie den Entwurf des Pavillons, der Grundlage der Umsetzung ist. Mit den Nutzern sei der Entwurf im Vorfeld schon abgestimmt worden, merkte Juraschek hierzu an.

Mair und Juraschek sind Teilnehmer der Projektgruppe Pavillon, der auch die drei Bürgermeister, Vertreter des Bergbauernlades, der Ökomodellregion Achental und der Verwaltung angehören. Der Pavillon soll den alten Bergbauernladen ersetzen, der im vergangenen Herbst komplett niederbrannte.

Seit jeher gab es eine zentrale Zufahrt zum 1878 errichteten Hauptgebäude, sagte Mair. Das historische Gebäude südlich des Platzes, das heute unter anderem das Chalet beherbergt, war Bahnhofswirtschaft mit Biergarten, auch gab es als Nebengebäude ein qualitätsvolles Gebäude mit Walmdach, Ende der 30er-Jahre durch einen banalen Bau mit Satteldach ersetzt.

Heute sei der ganze Platz „viel und nichts,“ dabei biete doch gerade ein Bahnhof dem Ankommenden einen ersten Eindruck. Das „unglaublich schöne Bahnhofsgebäude“ und demgegenüber Parkplätze, Brunnen, Bänke, Hecken, ein Maibaum, Sträucher, ein Trinkbrunnen „der nicht funktioniert“, unterschiedlichste Pflasterungen und viele entstandene Anbauten um das Stüberl herum. Das alles sei gut gemeint, aber zeuge von „zuviel.“

Vom Bahnsteig aus biete sich dem Ankommenden ein ähnliches Ungleichgewicht: Ein schönes Gebäude, davor allerdings ein gläsernes Wartehäuschen, ein Fahrkartenautomat, ein Entwerter und eine Säule mit einem Papierkorb.

Blick über den Platz
ist nicht vorhanden

Mair benannte als Hauptproblem: „Der Blick über den Platz fehlt. Der Platz ist kein Platz.“ Wenn man schon beim Aufräumen sei, dann könnte man die Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite, also beim Seniorenheim, auflösen – „es gibt doch den Bushalt beim Bahnhof“, ein Parken nur temporär erlauben und stattdessen Parkplätze auf der anderen Seite der Gleise errichten, den Maibaum belassen, aber ihm eine eigene Fläche geben, und das Stüberl von den Anbauten befreien.

Auch Juraschek betonte die Bedeutung von Sichtbeziehungen: Ein Gebäude entstehe nur im Zusammenhang mit dem Ort, dem Umfeld und der Umgebung. Sein Vorschlag: Der Pavillon in Form eines Regalsystems mit einer Holzkonstruktion und Stützen und überdachtem Vorbereich soll den Bergbauernladen mit einem 24/7-Kiosk beherbergen sowie Räume für ein Kochstudio und/oder Vorträge und Nebenräume. Da brauche es „totale Transparenz.“

Im Bahnhofsgebäude residiert die Post, und hier könnte auch das Bahnhofsstüberl eine neue Heimat finden. Im Zuge dessen wäre es nur folgerichtig, den Platz Bahnhofsplatz und den Pavillon als Bahnhofspavillon zu benennen. Kurzum, es sollte alles auf das Wesentliche reduziert und nichts Neues gebaut werden.

Schritt für Schritt
zum Masterplan

Für den Umbau des Platzes brauche es einen Masterplan, so Juraschek, den man auch stufenweise umsetzen könne. Bezüglich Pavillon gelte es nun erst einmal, sich mit der Versicherung abzustimmen, die Infrastruktur zu klären, nach der Eingabeplanung die Vergabe zu machen und schließlich das Bauwerk zu realisieren. Bürgermeister Simon Frank bedankte sich bei den beiden Planern für die bisher ehrenamtlich geleistete Arbeit. Den Pavillon bezeichnete Frank als „architektonisch sehr gelungen.“ Sobald die Versicherung grünes Licht gebe, werde man – wie von Juraschek schon beschrieben – weiter vorgehen. Aus den Reihen des Gemeinderates gab es Lob für die Pläne, auch für die Berücksichtigung der Historie und „für die klaren Worte“ (Sven Herrmann, CSU).

Vorschläge sind
vorerst nur Ideen

Sebastian Pertl (FWGA/ GRÜNE/ABL) bat, dennoch keine Gerüchte zu streuen. Die Vorschläge zum Platz seien nur Ideen: „Bislang war alles nur begleitend.“ Dr. Andreas Zillmann (ZfA) bezeichnete die Hecken als störendes Element der Sichtachsen. Juraschek empfahl, keine „tabula rasa“ zu machen, sondern Schritt für Schritt vorzugehen. Marinus Schreiner (ZfA) sah den Vorschlag von Parkplätzen in der Gederer Straße kritisch. Elmar Stegmeier (CSU) befand, bei einem Masterplan sollten auch die künftigen Nutzer mitbedacht werden, um die Aufenthaltsqualität auch für Einheimische zu steigern. Frank beendete die Fragerunde: Im Augenblick sei der Pavillon das Wichtigste, hielt er fest, alle anderen Ideen seien nur Impulse.

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