Sachrang – „Für mich war eigentlich schon früh klar, dass ich zur Feuerwehr gehe: Durch meinen Papa und unser Zuhause direkt neben dem Feuerwehrhaus bin ich damit aufgewachsen.“ Für Antonia Trixl (17) war es ein logischer Schritt, ein solches Ehrenamt auszuüben.
Ganz andere Überlegungen stellten wohl Feuerwehrmänner in der Nachkriegszeit an. Die beiden Feuerwehrveteranen Wilhelm Singhartinger (73) und Christian Parigger (79) wissen nämlich zu berichten, dass das Ehrenamt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ganz so freiwillig war, wie es heute der Fall ist. Man verrichtete Feuerwehrdienst, um der Feuerschutzabgabe zu entgehen. Wer nicht zum Dienst erschien, der musste mit Konsequenzen (Strafzahlungen) rechnen.
Aktuell 33
aktive Mitglieder
Wie auch immer, am ersten Juli-Wochenende feiert die Feuerwehr Sachrang fünf Tage lang „150 Jahre Feuerwehr Sachrang“. Im gut 700 Einwohner starken Ort engagieren sich 33 Aktive, dazu 32 passive Mitglieder sowie neun Jugendliche in der Jugendfeuerwehr. Bei der Gründung am 1. Oktober 1876 – festgehalten in einem Eintrag beim bayerischen Landes-Feuerwehrverband – waren es 74 Mann. Das Schlauchmaterial mit 120 Metern Länge war wohl eher überschaubar.
Auch in den 1950er-Jahren war die Ausstattung eher gering: „Unsere Vorgänger hatten einen Tragkraftspritzen-Anhänger (TSA) mit einer DKW-Spritze. Der Hänger musste mit einem Traktor zum Einsatzort bewegt werden. Stationiert war der Hänger zusammen mit einer Holzleiter in einem Gebäude in der Dorfstraße gegenüber der heutigen Touristinfo.“ Stefan Singhartinger, seit über 13 Jahren Kommandant der Feuerwehr und Festleiter bei den anstehenden Feierlichkeiten, hat gemeinsam mit anderen Mitstreitern für das Jubiläum viel recherchiert. Vor 65 Jahren gründete sich der Verein, und das mit der Strafe bei Nichterscheinen wurde auch in der ersten Satzung von 1961 beibehalten. So heißt es da: „Aktive Mitglieder, die unentschuldigt einer Übung fernbleiben, werden jeweils mit 1 DM bestraft, die in die Vereinskasse fließen.“ 1989 wurde aufgrund von Haftungsfragen in der Jahresversammlung die Eintragung des Vereins ins Vereinsregister beschlossen. „Was auch gut war, denn dann konnten wir mit der Werbung von Fördermitgliedern beginnen“, erinnert sich Singhartinger.
Gemeinschaftsübungen mit den Tiroler Feuerwehren begann man schon ab den frühen 1970er-Jahren. Eine Tradition, die bis heute gepflegt wird. „Wir können miteinander vom Wissen und von der Ausstattung profitieren“, betont Singhartinger.
Was die Ausstattung und das Feuerwehrhaus angeht, so hat sich einiges in den vergangenen Jahrzehnten getan. Beim Bau des Feuerwehrhauses in der Spitzsteinstraße Mitte der 1970er-Jahre brachten sich die Feuerwehrmitglieder mit über 1.900 Arbeitsstunden Eigenleistung ein, was knapp einem Viertel der Baukosten von 207.000 DM entsprach. Vom Tragkraftspritzenanhänger über einen Unimog mit Vorbaupumpe und einer zusätzlichen Tragkraftspritze Metz TS8/8 und einem LF8 (inklusive Atemschutzgeräten) verfügt die Feuerwehr heute über ein LF10 mit Rettungssatz und einem zusätzlichen TSF-L. Über die Jahre hinweg haben sich das Einsatzbild und die Schwerpunkte der Aufgaben stark verändert: weg vom reinen Brandschutz hin zu hauptsächlich technischer Hilfeleistung und auch zu medizinischer Versorgung.
Auch bei der Besetzung hat sich einiges getan, die Feuerwehr Sachrang wurde weiblicher und seit 2023 gibt es eine Jugendfeuerwehr. Eine gute Sache sei es, anderen in Not zu helfen, etwas zurückzugeben, sagen Luisa Trixl (24) und Jakob Prankl (25). Dass die Feuerwehr im Ort ein wichtiger Faktor ist, zeigt sich auch in der Unterstützung der Dorfbewohner. Schon der Bau des Feuerwehrhauses 1975 wurde mit vielen Spenden unterstützt, auch die Anschaffung des ersten größeren Feuerwehrfahrzeugs samt Ausrüstung wurde durch eine Spendensammlung finanziert.
Die 1931 gestiftete Fahne wird beim Jubiläum 150 Jahre Feuerwehr stolz am ersten Juli-Wochenende stolz wehen. Genauso freudig und stolz werden wohl auch die Feuerwehrler und ihr Dorf sein, denn nur im Miteinander gedeiht die Gemeinschaft. Getreu dem Feuerwehr-Motto: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“